Es war mitten in der Nacht im Monsun. Der Himmel war dunkel und bewölkt. Die Stimmung war sehr düster. Ein einsamer Sannyasin ging die Straße entlang und suchte nach einem Schlafplatz. Da sein Besitz nur aus einer kleinen Tasche, einer Decke und einer Taschenlampe bestand, war er glücklich und sorgenfrei.

Plötzlich hörte er ein Motorrad hinter sich. Es kam auf der dunklen Straße angebraust, hatte jedoch kein Licht. Der Sannyasin wusste, dass der Fahrer in Gefahr war und entschloss sich sofort, ihm seine Laterne zu geben. Er schwenkte die Laterne, um dem Motorradfahrer das Signal zu geben, zu stoppen. Aber es geschah nichts, der Fahrer raste an ihm vorbei. Der Sannyasin rief ihm mit lauter Stimme nach: „Halt an, ich will dir meine Laterne geben, sonst wirst du dich umbringen“. Der Fahrer schrie zurück: „Ich kann nicht halten, ich habe auch keine Bremsen!“

Diese Geschichte ist eine Analogie für das Leben des modernen Menschen. Die dunkle Straße ist der Lebensweg, der normalerweise ohne Freude und Weisheit gelebt wird. Das Motorrad ist Körper und Geist des Menschen. Die meisten Menschen leben ein Leben, das so verantwortungslos und gedankenlos ist, wie das des Motorradfahrers, der auf der dunklen Straße fuhr, ohne Bremsen und ohne Licht. Alle Gedanken und Bemühungen sind einzig dahin gerichtet, Name, Ansehen, Wohlstand, Luxus und andere Dinge zu erlangen, die das Ego befriedigen, ohne wenig darüber nachzudenken, welche Konsequenzen und ungünstigen Auswirkungen das haben wird. Die Menschen gehen den Lebensweg, ohne zu wissen, wo sie gehen.

Die Laterne des Sannyasins symbolisiert Weisheit; die Bremsen symbolisieren Selbstdisziplin. Der Motorradfahrer hatte weder Bremsen (Selbstdisziplin) noch Licht (Weisheit). Es war vorhersehbar, dass ein schwerer Unfall die Folge sein würde. So ist es für jeden, der den Weg des Lebens ohne Weisheit und Selbstdisziplin geht - er muss in Form von Frustration, Krankheit und Verzweiflung dafür zahlen.

Der Sannyasin versucht, dem Fahrer die Laterne zu geben, aber dieser konnte sie nicht annehmen, weil er seine Bremsen nicht bedienen konnte. Es ist das Dharma (die Pflicht) eines Sannyasins, andere Menschen auf dem Lebensweg zu führen, so dass Unfälle in Form von Krankheit vermieden werden und sie allmählich den richtigen Weg der Selbsterkenntnis finden können. Wer bereit ist, Selbstdisziplin zu üben, also eine Bremse anzubringen, der wird auch bereit sein, das führende Licht zu akzeptieren.

Das Licht, das ein Sannyasin anderen geben kann, ist Yoga. So wie es unterschiedliche Arten von Licht gibt, gibt es auch verschiedene Yogaformen. Das aus uralter Vergangenheit stammende Kriya Yoga System gehört zu den mächtigsten dieser Formen. Wir bieten dieses helle Licht den Menschen an, die jetzt noch in Dunkelheit leben, aber gerne bereit sind, eine Laterne anzunehmen und die Bremsen der Selbstdisziplin anzubringen.

Aus: YOGA 44