Kinderyoga

Einführung

Dieser Artikel ist als Anleitung für Lehrer gedacht, die Kinder mit Yoga vertraut machen. Es beruht auf der Erfahrung mehrerer Autoren, die Kindern aus den unterschiedlichsten Kulturen und sozialen Gruppen viele Jahre lang Yoga nahegebracht haben. So werden einige der speziellen Anforderungen an den Yoga Unterricht in Hinsicht auf unterschiedliche Altersgruppen, Fähigkeiten und körperliche Einschränkungen sowie das jeweilige Lernumfeld dargestellt. Zudem wird aufgezeigt, wie Lehrer die allgemeinen Yoga Übungen an die besonderen Bedürfnisse und Einschränkungen der von ihnen unterrichteten Kinder angepasst haben.

Was ist Kinderyoga?

Yoga ist die Kunst und Wissenschaft vom richtigen Leben. Ziel ist die Entwicklung von Körper und Geist. Daher umfasst die Yoga Lehre ein System verschiedener Fächer zur Förderung einer integrierten Entwicklung aller Aspekte eines Individuums. Bei der Darstellung der einzelnen Fächer beginnen wir normalerweise mit dem äußeren Aspekt der physischen Persönlichkeit, dem Körper. Durch die Übung der Körperhaltungen bzw. Asanas werden Wirbelsäule, Muskeln und Gelenke gesund und beweglich erhalten. Zudem bewirken Asanas eine sanfte Massage im Bereich diverser Drüsen und wirken so einem physiologischen Ungleichgewicht, wie Schilddrüsenüber- oder -unterfunktion, Störungen im Insulinhaushalt oder anderen hormonellen Störungen entgegen.

Pranayama, die Atemübungen, versorgen den Körper nicht nur mit Sauerstoff und stärken die Lungen, sondern sie wirken auch direkt auf das Gehirn und die Emotionen ein. Die durch Pranayama bewirkte emotionale Stabilisierung setzt mentale und kreative Energien auf konstruktive Weise frei. Das Kind findet so zu mehr Selbstbewusstsein, Selbstwahrnehmung und auch Selbstkontrolle.

Entspannungsübungen, die durch Rückzug der Wahrnehmung von äußeren Reizen - Pratyahara – wirken, verringern den Alltagsstress. Spezielle Pratyahara Übungen, wie Yoga Nidra, beeinflussen alle Aspekte eines Individuums, da physische und mentale Entspannung wichtige Bestandteile dieser Übung sind. Dies wird durch das Zurückziehen der Wahrnehmung von äußeren Reizen und der Konzentration, der Fokussierung der Aufmerksamkeit - Dharana - erreicht.

Konzentration über einen längeren Zeitraum - Dhyana - ist essentiell, wenn wir unsere umherschweifenden Gedanken zur Ruhe bringen und fokussierte mentale Energie in kreative Bahnen lenken wollen. Ausgewogenheit im täglichen Leben und zuletzt Samadhi, ein Zustand, auf den alle Yoga Übungen abzielen, erlangen wir durch ständiges Üben yogischer Disziplinen. Wird Yoga in das tägliche Leben einbezogen, können alle Teile der Persönlichkeit in einen ausgeglichenen Zustand gelangen. In diesem Buch befassen wir uns mit den physischen, emotionalen, mentalen und kreativen Aspekten der Persönlichkeit.

Physischer Aspekt

Unser Fokus gilt in diesem Artikel der Wirkung der Yoga Übungen auf unseren physischen Körper. Daher müssen wir verstehen, wie er funktioniert.

Unterstützende Systeme: Skelett, Muskulatur und die Gelenke, die beide verbinden. Heranwachsende Kinder sollten zu einer aufrechten Haltung ohne Anspannung und Anstrengung ermutigt werden. Gerade für junge Körper sind Elastizität, Beweglichkeit und eine richtige Körperhaltung von besonderer Bedeutung.

Kontrollsysteme: zum Beispiel Nerven- und Hormonsystem. Die Zirbeldrüse ist eine winzige Drüse, die sich im Gehirn in der Medulla Oblongata befindet. In der Yoga Lehre ist sie eng mit dem Ajna Chakra, dem Sitz für Weisheit und Intuition, verbunden. Mit dem Alter von acht Jahren setzt langsam ihr Zerfall ein. Dieser geht einher mit dem Beginn des sexuellen Reifungsprozesses. Beschleunigt wird dies durch die Ausschüttung der in der Hirnanhangsdrüse gebildeten Hormone. Viele Kinder kommen mit dieser Übergangsphase ihrer erwachenden Sexualität nicht gut zurecht. Der hohe Spiegel dieser Unruhe stiftenden Hormone im Blut bewirkt ein Ungleichgewicht zwischen ihren mentalen und vitalen Energiefeldern. 'Vital' steht für Prana, die Bioenergie, und 'mental' betrifft den Geist. Die pranischen und mentalen Energiefelder und auch das Hormonsystem befinden sich in einem Ungleichgewicht. So sind Schilddrüse und Nebennieren in ihrer Hormonproduktion nicht aufeinander abgestimmt. Aus diesen Gründen beobachten wir häufig bei Kindern dieses Alters Verhaltensstörungen. Es kommt zu Wutausbrüchen, feindseligem und sogar gewalttätigem Verhalten, und das ist überwiegend direkt oder indirekt eine Folge des hormonellen Ungleichgewichts bzw. der Hormonschwankungen. Warum sollten Kinder in so jungen Jahren mit sexueller Verantwortung belastet werden? Findet sich eine Möglichkeit, den Zerfall der Zirbeldrüse aufzuhalten und damit das Gleichgewicht zwischen dem sympathischen (Pingala) und parasympathischen (Ida) Nervensystem aufrechtzuerhalten, dann können Kinder weiterhin Kind bleiben, ohne durch unangebrachte triebhafte Gefühle verstört zu werden.

Stoffwechselsysteme: zum Beispiel Verdauungs- und Atemsystem. Da die physiologische Entwicklung der Lungen erst im Alter von acht Jahren abgeschlossen ist, ist es wichtig, Kinder durch das Üben unterschiedlicher Atemtechniken zu ermutigen, richtig zu atmen. Durch Nadi Shodhana, die Wechselatmung durch beide Nasenlöcher, kann zum Beispiel die Aktivität der beiden Gehirnhälften in ein Gleichgewicht gelangen. Auch die Yogi Atmung oder die Bauchatmung sind eindrucksvolle Beispiele für effiziente Atmung ohne nennenswerten Energieverlust. Den Nutzen der Atemübungen merken Kinder beispielsweise beim Schwimmen, wenn sie länger unter Wasser bleiben können. Sie lernen, ihre Lungenkapazität voll zu nutzen.

Emotionale Aspekte / Verhaltensaspekte

Diese Aspekte beinhalten hyperaktives Verhalten, die Fähigkeit zu entspannen und das weite Feld der Emotionen. In der Yoga Lehre sind emotionale Störungen auf ein Ungleichgewicht zwischen Manas Shakti (der geistigen Komponente) und Prana Shakti (der vitalen Komponente des Lebens) zurückzuführen. Bei überschießender mentaler Energie und fehlender Lebensenergie zieht sich das Kind zurück, leidet unter Depressionen, Ängsten oder Lethargie. Ihm fehlt der Antrieb und es kann seine mentale Energie nicht in kreative Handlung umsetzen. Hat das Kind dagegen zu viel Prana und zu wenig Manas, dann neigt es zu destruktivem und aufbrausendem Verhalten. Eine Unmenge an Energie ohne Möglichkeit, diese zu steuern, führt schnell ins Desaster, vergleichbar mit einem schnell fahrenden Fahrzeug ohne Bremsen. Solche hyperaktiven Kinder sind für ihre Umgebung sehr anstrengend und Lernen ist für sie in diesem Zustand unmöglich.

Yoga Übungen bringen überschäumende Energie automatisch zur Ruhe. Persönlichkeit und Besonnenheit sind Ausdruck innerer Reinheit, die nicht allein durch Vorträge zu erlangen ist. Entsprechende Übungen sind dazu da, um ausgeführt zu werden.

Mentaler Aspekt

Dieser Aspekt beinhaltet die Fähigkeit, sich zu konzentrieren, sich zu erinnern und zu argumentieren. Er umfasst das Bewusste, das Unterbewusste und das Unbewusste sowie die systematische Stimulierung beider Gehirnhälften.

Die neue Sicht im pädagogischen Denken hatte ihre Vorläufer im Mai 1978, als die California State University eine Konferenz für Erzieher, pädagogische Berater, Betreuer, Schulpsychologen und klinische Psychologen, Lehrer und Verwaltungspersonal abhielt. Es wurden Workshops zu den Themen metaphorisches Denken, Biofeedback, T'ai Chi Chuan, Meditation, Phantasiereisen, Traumdeutung, Psychotherapie und psychische Entwicklung bei Kindern angeboten. Unter dem Begriff 'Transpersonale Psychologie' wurde eine Vielfalt positiver innerer Erkenntnisse und ihre wissenschaftliche Validierung(Überprüfung) zusammengefasst. Es wurde die Forderung erhoben, dass Lehrer ihren pädagogischen Auftrag erweitern müssten und das Metaphorische und Metaphysische, Ästhetische und Dramatische, Spirituelle und Inspirierende mit einbeziehen sollten. Sie hätten sich zu lange auf die traditionellen Methoden des Frontalunterrichts, der Lehrpläne und Schulbücher, Klassenarbeiten und Noten verlassen.

Wer Kinder hat, möchte, dass sie sich gut entwickeln. Als Erzieher und Yogis liegt es an uns, Ziele für diese elterlichen und pädagogischen Bemühungen zu formulieren. Wohin sollen sie sich entwickeln? Diese Überlegung hat heutzutage in den üblichen Schul- und Bildungssystemen keinen Raum. Wir verfügen über Methoden, haben aber keine Ziele. Wir wissen nicht, wohin sich ein menschliches Wesen entwickeln kann. Wir glauben, dass Kinder für einen Beruf ausgebildet werden sollen, z.B. zu einem Akrobat oder Lehrer, Arzt oder Tischler oder, wenn es schiefläuft, zu einem Gammler. Einen anderen, höheren Lebenssinn sehen wir nicht.

Kreativer Aspekt

Hierbei geht es um Vorstellungskraft, Visualisierung, Stimmgebung und Persönlichkeitsbildung (so, wie bei dem Fassen eines Vorsatzes in der Übung Yoga Nidra). Bei Kindern, die bereits in jungen Jahren Asanas üben, ist häufig zu beobachten, dass sie in einer Art Tanz selbst ausprobieren, wie sie von einer Haltung in eine andere überwechseln. Kinder, die mit dem bewussten Hervorrufen innerer Bilder vertraut sind, sagen häufig, dass sie sich ein Wort anschauen und davon ein inneres Bild erstellen. Das helfe ihnen dabei, es beim Lesen wieder zu erkennen und richtig zuzuordnen. Die Yoga Lehre ist so konzipiert, dass sie für jeden Menschen geeignet ist, egal wie alt er ist, welche Bildung er hat, was seine Fähigkeiten oder Beschränkungen sind. Natürlich sind die Entwicklungsmöglichkeiten weit größer, wenn mit der Übung von Yoga so früh wie möglich begonnen wird und Menschen nicht unter körperlichen Einschränkungen leiden.

Eignung der Yoga Übungen für Kinder

Die Yoga Übungen tragen nicht nur zur körperlichen Stärkung und Beweglichkeit des Kindes bei, sondern unterstützen es auch in seiner mentalen Entwicklung. Sie helfen ihm, Aufmerksamkeit und Konzentration zu stärken und sie stimulieren die kreativen Fähigkeiten, die im Kind schlummern. Kinder unter sechs Jahren richten ihre Phantasie gewöhnlich auf Märchen oder das Spiel mit einem Spielzeug. Wir können ihre Vorstellungskraft aber auch auf reale Dinge lenken und dadurch ihre Beziehung zu ihrer Umwelt realistischer gestalten, sie dazu befähigen, mit dieser realen Welt umzugehen. Kleine Kinder reagieren weit intuitiver als Erwachsene und sind in ihrer Vorstellungskraft noch kaum eingeschränkt. Somit sind sie offen für Neues, reagieren direkt, kreativ und sind vor allem lernfähig. Aus Sicht der Yoga Physiologie ist dies darauf zurückzuführen, dass eine Verkalkung der Zirbeldrüse und die damit einhergehende Einschränkung ihrer Funktionen noch nicht eingesetzt hat und dass Yoga Übungen einen solchen Verfall aufhalten. Wird das Kind dann älter und geht zur Schule, unterstützen dieselben Yoga Übungen die Entwicklung seiner Lernfähigkeiten. Die Disziplin der regelmäßigen Übungen hilft dem heranwachsenden Kind, seine emotionalen Energien zu bündeln und sie auf konstruktive Ziele zu lenken.

Physische Erziehung ist von großer Bedeutung

Professor Hans Kraus, ehemaliger Hausarzt von J.F. Kennedy, betont immer wieder, wie gefährlich unsere inaktive, von Wohlstand geprägte Lebensweise insbesondere für Kinder ist, deren Körper sich noch im Wachstum befinden und die noch eine starke und geschmeidige Muskulatur entwickeln müssen. Sportlich begabte Kinder oder auch solche, die von sich aus gerne Sport machen, haben es in dieser Hinsicht leichter als jene, die von Natur aus eher unsportlich sind. Aber auch solche Kinder entwickeln nicht automatisch eine richtige Körperhaltung. Ein Beispiel: Zu Beginn eines sechswöchigen Kurses für Kindergärtner/innen wurden diese gefragt, ob ihre eigenen vier bis sechs Jahre alten Kinder sich mit gestreckten Knien nach vorne beugen und ihre Zehen mit den Fingerspitzen berühren könnten. Alle antworteten: "Natürlich, sie sind ja ständig in Bewegung und rennen herum." Zu ihrer großen Überraschung jedoch waren ihre Kinder nicht dazu in der Lage. Normale kindliche Bewegung, wie Rennen, Klettern, Reiten, Rutschen, sorgt somit nicht automatisch dafür, dass der Körper biegsam und elastisch ist. Prof. Kraus betont, dass irgendeine Form des Sportunterrichts für jedes Kind unverzichtbar sei. Warum aber sollen Kinder Yoga üben und nicht andere sportliche Aktivitäten, wie Gymnastik oder Ballspiele?

Alle diese sportlichen Aktivitäten sind sehr gut und sollten auch gefördert werden. Sie sind jedoch nicht für alle Kinder geeignet. Yoga Übungen können sogar von Kindern mit körperlichen Behinderungen ausgeführt werden, da hierbei Schnelligkeit keine Voraussetzung ist und das Ziel weder Muskelaufbau noch Energieverbrauch ist. Die Bewegungen und Haltungen zielen auf die Dehnung und Stärkung der Muskulatur und auf die Biegsamkeit im Skelettsystem ab. Zudem dienen sie der Entwicklung und Erhaltung eines gesunden Nerven- und Hormonsystems.

Gewinn für Kinder mit körperlichen Behinderungen

Kinder, die an Kinderlähmung erkrankt waren oder unter einer anderen körperlichen Behinderung leiden, haben erfolgreich Yoga Übungen gemacht und davon enorm profitiert. Wichtiger noch als der physische Nutzen sind die positiven sozialen und psychischen Auswirkungen, die darin liegen, dass sie diese Übungen zusammen mit den sportlichsten und stärksten Kindern machen können. Dies wäre beim üblichen Sportunterricht mit Boden- und Geräteturnen sowie Ballspielen nicht möglich, da hierfür physische Kondition und Ausdauer oder schnelles Laufen und Leistungsfähigkeit notwendige Voraussetzungen sind. Für Kinder, die unter einer körperlichen Behinderung leiden, ist Yoga ideal, da sie am allgemeinen Sportunterricht teilnehmen können, ohne ausgegrenzt zu werden. Auch Kinder mit geistiger Behinderung können in ihrer Entwicklung durch Yoga Haltungen, Pranayama, Karma Yoga und Kirtan (Rezitation von Mantras), gefördert werden.

Yoga Therapie bei emotionalen Störungen

Für emotional gestörte, destruktive, aggressive oder hyperaktive Kinder ist es die yogische Disziplin, die hier eine große Hilfe ist. Ein hyperaktives Kind kommt nie zur Ruhe, ist unfähig, sich zu konzentrieren oder Aufgaben zum Abschluss zu bringen. Es redet zu viel und versagt in der Schule. Seine Probleme beginnen normalerweise schon in den ersten Jahren. Vor allem der Mutter fällt dies gewöhnlich auf, bevor ihr Kind zwei Jahre alt ist. Häufig hat es Essprobleme, schläft schlecht und wacht häufig auf. Zudem ist oft zu beobachten, dass es in den ersten Jahren seines Lebens kränkelt. Bei einem großen Teil dieser Kinder tritt eine Entwicklungsverzögerung auf, eine verlangsamte Entwicklung von Sprache und Bewegung. Als Teenager fallen sie durch größere Ungeduld und mangelnde Disziplin auf, sie sind leichter gereizt als ihre Altersgenossen und neigen zu Lügen. Ein hoher Prozentsatz von ihnen gerät häufig in Schlägereien, stiehlt und zeigt abweichendes Verhalten, wie Von-zu-Hause-Weglaufen, Auf-der Straße-Leben, Schule-Schwänzen, Konsum von Alkohol usw.

Hyperaktive Kinder werden häufig medikamentös mit Amphetaminen behandelt. Sie beeinflussen die Formatio reticularis, einen Schlüsselbereich des Hirnstamms am oberen Bereich der Wirbelsäule, der Bewusstsein und Aufmerksamkeit steuert. Unter dem Einfluss dieser Medikamente wird das hyperaktive Kind ruhiger, seine Aufmerksamkeitsspanne wird größer, es gelingt ihm besser, sich auf seine Aufgaben zu konzentrieren und sie zu beenden. Seine Schulleistungen verbessern sich. Auf Erwachsene haben Amphetamine eine ähnliche Wirkung. Sie stimulieren die Ausschüttung von Noradrenalin, einem Neurotransmitter im Zentralnervensystem und dem sympathischen Nervensystem. Amphetamine haben eine ausgleichende Wirkung auf die Aktivitäten von Noradrenalin und Acetylcholin, einem weiteren Neurotransmitter. Das Problem einer medikamentösen Behandlung liegt jedoch darin, dass die Wirkung eines Medikaments nur temporär ist. Sobald die Wirkung nachlässt, kehrt das Kind zu seinem üblichen Verhalten zurück. Zudem birgt sie bei längerer Einnahme, die bis in die Adoleszenz hinein reichen kann, die Gefahr der Gewöhnung.

In einem 'Charts of the Soul' betitelten Artikel in der Zeitschrift OMNI (1983) berichtete J. Hooper, dass F. Farley, ein Erziehungspsychologe an der Universität von Wisconsin, die These aufgestellt habe, dass Hyperaktivität und viele Lernschwierigkeiten auf ein extrem niedriges Erregungsniveau des Nervensystems zurückzuführen seien. Andere Neurophysiologen sehen die Ursache vieler damit verbundener Probleme in einer gestörten Balance der Botenstoffe Dopamin und Acetylcholin. Diese beiden Neurotransmitter sind im Gehirn für die Reizübertragung von einer Nervenzelle zur anderen zuständig. In Verbindung mit Asanas wirkt Pranayama direkt auf das Gehirn und das Hormonsystem ein und beeinflusst somit die mentale und emotionale Verfassung des Kindes. Auf diese Weise können emotionale Ausgeglichenheit und psychomotorische Koordination, d.h. eine normale Aufmerksamkeitsspanne, wieder hergestellt werden. Wir werden die Wirkung von Yoga Übungen auf hyperaktive aggressive Kinder durch Beispiele aus unserer Praxis darlegen und aufzeigen, wie wichtig eine genauere Erforschung der weitreichenden Wirkungen von Yoga Übungen ist.

Ein neunjähriges Kind wurde von seiner Mutter in unserer Yoga Schule angemeldet. Sie gab an, dass der Junge am Morgen, gleich nach dem Aufstehen, seinen fünf Jahre älteren Bruder verprügele und dann lärmend zur Schule aufbreche, wo er auch kaum zu bändigen sei und sich aggressiv gegenüber Lehrern und Schulkameraden verhalte. Das einzige, was er anscheinend gerne mache, sei das Chorsingen bei den Wiener Sängerknaben. Am Ende der ersten Yoga Stunde sagten wir ihm, er könne in der nächsten Woche wiederkommen, wenn es ihm gefallenhabe. Wenn er jedoch nicht wolle, müsse er nicht. Er kam wieder, was wohl vor allem auf das Drängen der Mutter zurückzuführen war.

Nach einigen Yoga Stunden erhielt er seinen eigenen Übungsplan, sein Sadhana, das er jeden Morgen vor dem Frühstück üben sollte. Der Übungsplan umfasste Surya Namaskara, eine aus zwölf Haltungen bestehende Übungsreihe, und sieben Runden Wechselatmung durch beide Nasenwege sowie Bhramari Pranayama, die Atemübung Bienensummen.

Einige Monate später rief seine Mutter an und bat uns, dem Chorleiter der Wiener Sängerknaben zu sagen, dass ihr Sohn wegen Rücken- und Haltungsbeschwerden am Donnerstagnachmittag zur Yoga Stunde kommen müsse. Die Yoga Stunde am Donnerstagnachmittag kollidierte mit einer für diese Zeit angesetzten Chorprobe. Ihr lag am Herzen, dass er beides, sowohl die Yoga Stunden als auch den Chor weitermachte, weil er seitdem zuhause weitaus glücklicher und ausgeglichener war. Er machte jeden Morgen seine Yoga Übungen und kam dann ruhig zum Frühstück, bevor er zur Schule aufbrach.

Als wir ihr vorschlugen, dem Chorleiter die Wahrheit zu sagen, dass nämlich ihr Sohn Yoga Unterricht nehme, um emotional ausgeglichener zu werden, wollte sie das nicht. Sie war der Überzeugung, dass er dies nicht als einen stichhaltigen Grund für den Besuch eines Yoga Unterrichts ansehen oder akzeptieren würde. So sind leider viele Menschen fälschlicherweise der Meinung, dass Yoga lediglich eine Form der körperlichen Übung sei und nicht zugleich eine Therapieform für verhaltensauffällige Kinder sein könne. Yoga Übungen unterstützen Kinder dabei, ihre Gefühle zu kanalisieren, und sie stimulieren zugleich die Kreativität bei emotional gestörten Kindern. Andere Formen physischer Erziehung sind dazu nicht in der Lage.

Yoga ist offensichtlich ein System ganzheitlicher Erziehung, das bei allen Kindern eingesetzt werden kann, denn es fördert körperliche Ausdauer, emotionale Stabilität und intellektuelle und kreative Fähigkeiten. Es ist ein einheitliches System zur Entwicklung einer ausgeglichenen ganzheitlichen Persönlichkeit des Kindes.

Yoga und Erziehung

Der Wert von Yoga für ein gutes Erziehungs- und Bildungssystem

Es grenzt an ein Wunder, dass moderne Unterrichtsmethoden die natürliche Neugierde und den Wissensdurst von Kindern noch nicht völlig erstickt haben. Denn was das zarte kleine Pflänzchen neben einer ersten Stimulierung am meisten braucht, ist Freiheit; ohne diese wird es mit Sicherheit zerstört.

Albert Einstein

Während der letzten zwanzig Jahre war all mein Bemühen darauf gerichtet, Yoga in die Häuser und Schulen zu bringen. Während meiner Kindheit wurde Yoga fälschlicherweise als etwas angesehen, das nur für Menschen wichtig sei, die an ihrem Lebensende angekommen sind. Übte jemand bereits in jungen Jahren Yoga, so wurde dies häufig mit dem Kommentar begleitet: "Yoga, jetzt schon?" Selbst heutzutage glauben viele Menschen noch immer, dass Yoga eine Freizeitbeschäftigung für Rentner sei. Ich war jedoch immer schon der Überzeugung, dass es bei Yoga hauptsächlich um die Entwicklung von Körper und Geist geht. Als Kind war mein Verständnis der Yoga Lehre natürlich noch begrenzt.

Den Geist vorbereiten

Wie gehst du vor, wenn du einen Garten anlegen, Blumen und Bäume anpflanzen willst? Streust du einfach überall Samen aus? Viele Menschen machen möglicherweise genau das. Aber dann wird nichts wachsen. Als erstes musst du den Boden vorbereiten, ihn lockern und das Unkraut herausziehen. Erst dann kannst du die Samen aussäen und erst dann werden sie sich zu schönen Blumen, Pflanzen und Frucht tragenden Bäumen entwickeln. Die gleichen Gesetze gelten für den menschlichen Geist. Der Geist muss vorbereitet werden, damit die Samen Wurzeln schlagen können.

Der Geist kann sich in unterschiedlichen Zuständen befinden. Es gibt Zustände, in denen einfach nichts vom Geist angenommen wird. Dir sind sicherlich solche Menschen in deinem Leben schon begegnet. Was immer du ihnen sagst, trifft auf taube Ohren, nichts scheint in ihr Gehirn einzudringen. Sie gleichen einem harten Boden, wo die fruchtbarsten Samen nicht aufgehen und gedeihen können, egal wie sehr du dich bemühst. Es gibt aber auch einige Menschen, die wie ein weicher, lockerer Boden sind. Sie sind für das, was du ihnen sagst, offen und empfänglich. Sie verfügen über einen sogenannten rezeptiven, einen aufnahmefähigen Geist. Daher ist es in der Übung und in der Vermittlung von Yoga von zentraler Bedeutung, dass wir uns bemühen, die Qualität des Bewusstseins zu transformieren. Dann kann alles im Geist Wurzeln schlagen, es gibt keinerlei Hindernisse.

Als mir dies vor vielen Jahren bewusst wurde, begann ich mit Yoga zu experimentieren. In meinen ersten Projekten erprobte ich die Wirkung von Yoga Übungen auf zahlreiche Kinder. Ich war zwar nicht immer und überall erfolgreich, aber ich konnte mit Hilfe dieser Experimente bestimmte Schlussfolgerungen über den Einfluss von Yoga Übungen auf den menschlichen Geist ziehen.

Das Erhalten einer aktiven Zirbeldrüse

Meine erste Schlussfolgerung bezog sich auf eine bestimmte Drüse im menschlichen Körper, die sogenannte Zirbeldrüse oder Epiphyse. Diese winzige, am oberen Ende der Wirbelsäule befindliche Drüse hat eine große Bedeutung. So spielte diese Drüse vor Millionen von Jahren eine aktive Rolle bei der Entwicklung des menschlichen Gehirns. Daher verfügten die Menschen damals über größere übersinnliche und spirituelle Kräfte und waren besser in der Lage, ihre Emotionen zu steuern. Im Laufe der Zeit jedoch verkümmerte die Zirbeldrüse. Heutzutage ist sie nur noch in rudimentärer Form vorhanden und wenn wir keine geeigneten Maßnahmen ergreifen, um sie zu erhalten, wird sie in einigen tausend Jahren völlig verschwunden sein.

In der Yoga Lehre gilt die Zirbeldrüse als physische Entsprechung des Ajna Chakras. Mystiker und Okkultisten bezeichnen sie als drittes Auge und Philosophen betrachten sie als den Sitz des Überbewusstseins. Im Kindesalter ist die Zirbeldrüse sehr aktiv. Doch im Alter von acht bis zehn Jahren beginnt sie zu verkalken, und bei älteren Menschen hat sie nur noch einen geringen oder gar keinen Einfluss auf ihr Leben.

Dies ist sehr bedauerlich, da die Zirbeldrüse in der Yoga Lehre als das Organ gilt, das die Abläufe im Gehirn steuert und überwacht. So wie ein Flughafen einen Kontrollturm hat, so hat auch das menschliche Gehirn ein Steuer- und Regulierzentrum, das auch blockiert, also eines, das alle Funktionen des Gehirns steuert. In der Yoga Lehre wird dieses Kontrollzentrum als das Ajna Chakra bezeichnet. Das Wort 'Ajna' bedeutet überwachen, befehlen oder regulieren.

Beginnt die Zirbeldrüse allmählich zu degenerieren, tritt die Hirnanhangsdrüse in Aktion und die Emotionen schießen in die Höhe. Aus diesem Grund sind so viele Kinder in der Zeit der Vorpubertät und Pubertät emotional unausgeglichen und gestört. Die Zirbeldrüse hat eine ausgleichende Wirkung auf die Hirnaktivitäten und sorgt dafür, dass das Gehirn insgesamt aufnahmefähig ist. Ich konnte erkennen, dass Kinder, bei denen die Zirbeldrüse immer noch als Kontrollorgan tätig war, weit aufnahmebereiter waren als jene, deren Zirbeldrüse nicht länger aktiv war.

Meine zweite wichtige Erkenntnis betraf die Nebennieren und zwar, welch wichtigen Einfluss sie auf das moralische Verhalten eines Kindes haben. Kinder mit kriminellen Tendenzen haben gewöhnlich ein überaktives Nebennierensystem. Bei der Erziehung von Kindern spielt dies eine wichtige Rolle.

Stufen der geistigen Entwicklung bei Kindern

In der Yoga Lehre gibt es ganz bestimmte Zweige, die Funktionsweise, Verhalten und Aufnahmefähigkeit des Gehirns steuern. Auch wenn das Gehirn ein hocheffizientes Instrument der Erkenntnisgewinnung ist, unterliegt es auch zeitweise einer Rezession. In bestimmten Fällen arbeitet das Gehirn sehr langsam. In anderen Fällen ist es zwar hochentwickelt, aber der Geist ist zerstreut.

So treffen wir auf Kinder, deren Geist träge ist. Andere wiederum sind sehr intelligent, aber ihre Gedanken sind nicht zielgerichtet. Wieder andere Kinder sind sehr schwankend in ihrer geistigen Tätigkeit - in einem Augenblick reagieren sie auf intelligente Weise und im nächsten Moment wirken sie fast schwachsinnig. Es gibt aber auch andere Kinder, die gleichbleibend sehr intelligent sind.

Trägheit, Zerstreuung, Schwankungen und Zielgerichtetheit sind unterschiedliche Stufen der Entwicklung des menschlichen Gehirns. Bei gleichbleibend intelligenten Kindern ist darauf zu achten, dass sie in der Entwicklung keine Rückschritte machen. Bei Kindern, die sich manchmal intelligent und manchmal dumm verhalten, muss diese Schwankung unterbunden werden. Intelligente Kinder, deren Denken nicht zielgerichtet ist, müssen lernen, wie sie ihre Denkmuster fokussieren können. Zudem müssen wir einen Weg finden, einen trägen Geist in einen intelligenten umzuformen oder zu verwandeln.

Das yogische Erziehungssystem

Es gibt unterschiedliche Methoden, mit deren Hilfe das menschliche Gehirn angeregt werden kann, Wissen aufzunehmen. Während der letzten Jahrzehnte sind immer wieder neue Methoden in das Bildungssystem eingeführt worden. Die älteste Methode ist natürlich die Wissensvermittlung im Klassenzimmer mit Hilfe eines Rohrstocks. Ist das Kind intelligent, erhält es eine gute Note, und ist es dumm, bekommt es ein Mangelhaft. Der Lehrer doziert vorne an der Tafel, schreibt die wesentlichen Punkte an die Tafel, und vom Schüler wird erwartet, dass er alles versteht. Ist dies nicht der Fall, dann fällt er durch. Hierbei handelt es sich um ein Lehrsystem, aber nicht um ein Erziehungssystem.

Wahre Erziehung erstreckt sich auf das Verhalten von Geist und Gehirn. In den letzten Jahrzehnten wurden modernere Lehrmethoden eingeführt, aber auch diese greifen zu kurz, entsprechen nicht den Anforderungen wirklicher Erziehung. Bei fast allen diesen Methoden findet der tatsächliche Lernprozess nur auf intellektueller Ebene statt. Im yogischen System ist der Prozess der Wissensaufnahme ein spontaner Vorgang, der sich auf den tieferen geistigen Ebenen abspielt.

In jedem einzelnen Augenblick unseres Lebens, von Geburt an, nehmen wir ständig Eindrücke auf, die jedoch nicht in der Form registriert werden, in der sie aufgenommen wurden. Sie werden in Form von symbolischen Schwingungen gespeichert. Haben Pädagogen ein System der Wissensvermittlung für Kinder entwickelt, das auf dieser Grundlage funktioniert?

Geographie, Geschichte, Mathematik, Physik, Chemie, Biologie, Botanik oder irgendein anderes Wissensgebiet kann mit Hilfe von Symbolen unterrichtet werden. Diese Art der Wissensvermittlung muss bei Schülern angewendet werden, die minderbegabt sind. Einem intelligenten Kind kannst du ein bestimmtes Konzept erklären und es wird es begreifen. Ein minderbegabtes Kind versteht jedoch nicht, wovon du redest, denn sein Gehirn, sein Intellekt ist nicht in der Lage, das Wissen, das du ihm anbietest, zu verarbeiten. Daher musst du das Wissen in symbolischer Form direkt an sein Unterbewusstes weiterleiten. Dies entspricht genau der Art und Weise, wie das yogische Erziehungssystem funktioniert.

Ein Experiment mit Yoga Nidra

Das Prinzip von Yoga Nidra kann auf die Wissensvermittlung oder die Entwicklung der Hirnaktivitäten bei geistig trägen Jungen und Mädchen angewandt werden. Lehrer und Eltern sollten fähig sein, mit dem Unterbewussten des Kindes zu kommunizieren. Diese Kommunikation kann nur dann stattfinden, wenn du weißt, wie sich das kindliche Unterbewusstsein entwickeln lässt.

Ich habe viel mit Yoga Nidra experimentiert. So kam zum Beispiel 1964 ein vierjähriges Kind zu mir, um bei mir als Swami zu leben. Da der Junge noch viel zu jung war, konnte ich ihn nicht aufnehmen. Ich sagte ihm jedoch, er solle wiederkommen, sobald er sieben Jahre alt sei, und dann würde ich ihn als Schüler aufnehmen. Zu meiner großen Überraschung verließ der Junge an seinem siebenjährigen Geburtstag sein Zuhause und kam zu mir zurück. Dieses Verhalten verriet mir viel über seinen mentalen Charakter.

Dieser Junge lebte ungefähr acht Jahre bei mir. Während dieser Zeit bereitete er mir zahllose Probleme und Schwierigkeiten. Tag für Tag brach er Dinge entzwei und spielte Besuchern unseres Ashrams Streiche. Er war nicht bereit, zur Schule zu gehen oder etwas zu lernen. Wie bin ich nun damit umgegangen? Ich griff versuchsweise auf die Prinzipien von Yoga Nidra zurück, um ihn zu unterrichten. Sobald er abends schlafen ging, achtete ich auf die Zeit. Fünf Minuten, nachdem er eingeschlafen war, fing ich an, ihm aus der Gita, den Upanishaden, der Bibel oder anderen Werken vorzulesen, entsprechend dem, was ich ihm beibringen wollte. Dies funktionierte sehr gut. Also ging ich in meinem Experiment noch einen Schritt weiter. Ich las ihm in Englisch vor und danach auch in anderen Sprachen. Ich beendete das Experiment nach zwei Jahren und heute ist er einer meiner brillantesten Swamis.

Die physiologische Basis von Yoga

Dieses Beispiel zeigt, wie einem Kind etwas vermittelt werden kann, auch ohne dass es ihm bewusst ist. Der Aufbau des Gehirns kann durch bestimmte praktische Methoden beeinflusst werden. Durch die Übung von Yoga Nidra, Pranayama, Surya Namaskara und das Rezitieren von Mantras können die inneren Bestandteile des Gehirns neu ausgerichtet und ausbalanciert werden. Daher sollte die Wirkung der Yoga Übungen von Pädagogen genau untersucht werden.

Moderne Bildungssysteme können diese Wahrheit nicht einfach ausblenden, indem sie Yoga als ein System körperlicher oder gymnastischer Übungen abstempeln oder behaupten, Yoga wäre die Wissenschaft der anderen Welt. Es wurden bereits viele wissenschaftliche Experimente durchgeführt. Yoga sollte nicht als ein System betrachtet werden, das wissenschaftlicher Forschung nicht zugänglich ist.

Es wurde bereits erforscht, was sich während der Übung von Pranayama im Gehirn abspielt und auch die heilsame Wirkung von Hatha Yoga ist wissenschaftlich belegt. Die Hatha Yoga Lehre spricht von den Nadis Ida und Pingala, den kalten und warmen Energiewegen. Hierbei wird betont, dass diese Energiewege ihrer Natur nach physiologisch sind. Sie sind keine abstrakten oder symbolischen, sondern reale Energiewege. Diese beiden wichtigen Energiewege verlaufen entlang der Wirbelsäule. Der eine steuert das Gehirn und damit die Fähigkeiten des Bewusstseins, der andere die Lebensenergie und deren Wirkung auf die menschliche Existenz. Daher sollten beide Energiewege offen und ausgeglichen sein, damit sich das Kind in allen Bereichen ausgewogen entwickeln kann.

Tritt in einem der beiden Energiewege eine Blockade auf, dann wird das Gehirn in Mitleidenschaft gezogen. Wie lässt sich der Zustand des kindlichen Gehirns eines geistig trägen Kindes mit wissenschaftlichen Methoden weiterentwickeln? Es genügt nicht, Kinder als geistig minderbegabt zu klassifizieren und es dabei zu belassen. Ein geistig träges Gehirn kann angeregt werden, indem der entsprechende Energieweg oder das Nadi regeneriert wird. Die Feststellung, dass ein Kind geistig minderbegabt ist, bedeutet nicht automatisch, dass sein Gehirn mechanische oder strukturelle Defekte aufweist. Die Ursache kann auch in einer mangelhaften Energieversorgung des Gehirns liegen. Hatha Yoga gibt hierauf eindeutige Antworten. Durch die Übung von Pranayama werden alle Bereiche des Gehirns mit Prana versorgt, wodurch die Hirnfunktionen in ihrer Gesamtheit erschlossen werden. Das Zirkulieren der Pranas ist daher nicht nur für physische, sondern auch für alle geistigen Aktivitäten von zentraler Bedeutung.

Mit Hilfe von Pranayama werden bestimmte elektrische Aktivitäten im Körper generiert. Wissenschaftliche Untersuchungen haben nachgewiesen, dass bei der Übung von Pranayama das Gehirn spezielle elektrische Energien aussendet. Bei der Übung von Yoga Nidra, keinesfalls vergleichbar mit dem Vorgang des Schlafens, geschieht Ähnliches. Es wurde nachgewiesen, dass während Yoga Nidra die Alphawellenaktivität intensiviert wird, wohingegen im Schlaf Delta Wellen vorherrschen. So kann also mit der Messung der Hirnaktivitäten eindeutig nachgewiesen werden, ob jemand fest schläft oder sich im Zustand von Yoga Nidra befindet, je nachdem ob Delta oder Alpha Wellen vorherrschen.

Hormonelle Blockaden

Ein weiterer wichtiger, bei der Ausbildung des kindlichen Gehirns zu berücksichtigender Faktor ist die Beseitigung hormoneller Blockaden. So kann eine Unter- oder Überfunktion der Schilddrüse Ursache für mentale Dysfunktion sein. Oder die Funktionsweise der Keimdrüsen ist nicht harmonisch, was zu mentaler Trägheit führen kann. Viele Kinder weisen bis zum Alter von 12 oder 13 Jahren eine hohe Intelligenz auf und zeigen danach plötzlich massive Ausfälle. Hier ist die Ursache besonders bei einer Dysfunktion der Keimdrüsen zu suchen. Der Körper nimmt eine bestimmte Menge von Hormonen auf und daraufhin werden bestimmte Abfallprodukte ausgeschieden. Ist dieser Ausscheidungsprozess gestört, dann werden sie erneut vom Körper aufgenommen und das wirkt sich negativ auf die Hirnfunktionen aus.

Den Geist unserer Kinder befreien

Essentiell in der Erziehung von Kindern ist ein Faktor, gegen den leider zumeist verstoßen wird, was eine traurige Tatsache ist. Kinder dürfen sich nicht frei entwickeln, sie unterliegen Zwängen und einer strikten Kontrolle. Ihnen werden Verhaltensweisen aufgezwungen, die ihrer Natur in keiner Weise entsprechen. All dies geschieht, weil wir den Geist unserer Kinder mit unserem eigenen Schatten besetzen. Wir machen uns ein Bild von uns selbst und unseren Kindern, während diese ein anderes Selbstbild haben. Sind die Kinder klein, dann bleibt ihnen keine andere Wahl, als unsere Vorstellung zu übernehmen. In dem Maße, wie sie heranwachsen, beginnen sie sich dagegen aufzulehnen.

Kinder revoltieren in Wirklichkeit nicht gegen ihre Eltern, sondern gegen die Vorstellungen und Denkstrukturen, die diese in ihre Köpfe eingepflanzt haben. Ist dein Zimmer voll mit überflüssigem Mobiliar, dann schmeißt du es raus, nicht weil du daran etwas auszusetzen hast, sondern weil es dich in deiner Bewegungsfreiheit behindert. Genauso wollen Kinder nicht durch die Vorstellungen ihrer Eltern eingeschränkt werden. Sie wollen frei sein, so denken und handeln, wie es ihrer eigenen Natur und ihren eigenen Vorstellungen entspricht. Eltern sind letzten Endes ganz normale Menschen, keine Übermenschen. Nur die wenigsten sind Yogis, Gurus oder sonstige vorbildhaft handelnde Menschen. Eltern streiten sich mit ihren Kindern, da sie emotional reagieren und dies nicht immer kontrollieren können. Sie sind mit ihren Kindern zufrieden oder unzufrieden, weil dies in der Natur von Eltern liegt und sie nicht wissen, dass sich dies auf den Geist ihrer Kinder auswirkt. Wie kann man also Kindern in dieser Situation helfen? Durch die Übung Antar Mouna können die tief im Geist der Kinder eingegrabenen Vorstellungen hervorgeholt und eliminiert werden. Kindern sollte gestattet werden, ihre eigenen Vorstellungen, Phantasien, Gedanken in absoluter Freiheit zu entwickeln. Zuvor muss ihnen jedoch bewusst werden, was sich in ihren Köpfen befindet. Sie sollten Antar Mouna nicht auf sich alleingestellt üben und nicht über längere Zeiträume. Sie sollten diese Methode unter deiner Anleitung und jeweils nur für kurze Zeit üben. Dann werden sie sich nach und nach der Vorstellungen entledigen, die ihnen nicht gefallen oder die ihnen nicht gut tun.

Eltern sind in den Köpfen ihrer Kinder sehr dominant. Es ist jedoch wichtig für die Entwicklung ihrer Kinder, dass sich die Eltern verabschieden. Solange die Vorstellungen der Eltern das Denken und Fühlen ihrer Kinder dominieren, sind diese nicht in der Lage, selbständig zu werden und zu wachsen. Elterliche Sorge kann bei der Entwicklung des kindlichen Gehirns ein Hindernis sein. Natürlich müssen Eltern für ihre Kinder sorgen. Sie können sie nicht einfach aus dem Haus werfen oder ihr Handeln stillschweigend ignorieren. Es kommt jedoch der Zeitpunkt, an dem eine vollständige Reinigung des kindlichen Gehirns von den Vorstellungen der Eltern stattfinden muss, was durch Antar Mouna möglich ist.

Mantra und Gedächtnis

Als letztes gilt es, das Problem des Gedächtnisses zu bewältigen. Für Kinder ist alles schwierig, was mit dem Gedächtnis zu tun hat, d.h. das Verschlüsseln, Speichern und Abrufen von Informationen. Diese Prozesse werden zusammengenommen als Gedächtnis bezeichnet. Können die Probleme mit dem Gedächtnis gelöst werden, dann löst sich das größte Bildungshindernis. Eine Methode zur Stärkung des kindlichen Gedächtnisses zu finden, wäre eine wirklich revolutionäre Verbesserung im Bildungssystem. Es wurden bereits die unterschiedlichsten Methoden erprobt. Meine eigene Erfahrung ist, dass das Rezitieren von Mantras der ideale Weg ist, das kindliche Gehirn zu entwickeln. Mantras wirken unmittelbar auf den unterbewussten und unbewussten Ebenen. Mit Hilfe von Mantras, Antar Mouna und Yoga Nidra lässt sich das Gedächtnis bei Kindern entwickeln.

Wie lässt sich Yoga in der Erziehung realisieren

Kinder sollten von Pädagogen sorgfältig in die Yoga Übungen eingeführt werden. Meiner Meinung nach wäre es wichtig, alle überall auf der Welt durchgeführten Experimente im Bildungssystem zusammenzufassen und auszuwerten. Es wurde bereits viel darüber geschrieben und viel getan. Die wissenschaftlichen Aussagen bzgl. der Wirkung von Yoga auf das Gehirn sowie auf das Bewusstsein und den Charakter sind eindeutig. Es ist an der Zeit, dass Pläne gefasst werden, wie dies in die Praxis umzusetzen ist. Bei dieser Aufgabe sind jetzt die Pädagogen gefragt.

Yoga und Probleme bei Kindern

In Indien werden Kinder traditionell im Alter von acht, neun oder zehn Jahren in die Yoga Übung eingeführt. In der vedischen Tradition geschieht dies in Form einer Einweihung. Dabei werden sie mit Surya Namaskara, Nadi Shodhana Pranayama und dem Gayatri Mantra vertraut gemacht. Auch heute findet diese traditionelle Zeremonie in kleinem Rahmen statt. Wichtig ist jedoch auch, den Yoga Unterricht in den allgemeinen Lehrplan der Schulen aufzunehmen.

Kinder haben viele Probleme, die sie aber nicht erklären können. Sie können ihre Probleme nicht richtig ausdrücken, da ihre Ausdrucksmöglichkeiten und ihre Kenntnis der eigenen psychischen Verfassung noch begrenzt sind. Somit bringen Kinder Probleme gewöhnlich durch ihr Verhalten zum Ausdruck, was nur von Psychoanalytikern richtig gedeutet werden kann.

Den meisten Eltern fällt es sehr schwer, auf solche Probleme in der richtigen Weise zu reagieren, da sie nicht psychologisch geschult sind und eine subjektive Sichtweise auf die Probleme ihrer Kinder haben. Verhält sich zum Beispiel ein Kind arrogant und unfolgsam, dann stempeln seine Eltern es vielleicht als 'ungehorsam' ab und forschen nicht weiter nach, was die Ursache für ein solches Verhalten sein könnte. Will das Kind nicht zuhause bleiben und stattdessen ständig mit seinen Freunden draußen 'herumhängen', ob in guter oder schlechter Gesellschaft, wird es von seinen Eltern vielleicht als Herumtreiber oder Gammler beschimpft. Ein Psychoanalytiker würde versuchen, den Grund für ein solches Verhalten herauszufinden, aber den meisten Eltern ist das nicht möglich. Nicht, weil sie dazu nicht in der Lage wären, sondern einfach, weil sie die Eltern und damit voreingenommen sind.

Kinder im Alter zwischen sieben und zwölf Jahren sind häufig emotional unausgeglichen. Ihr körperliches und seelisches Wachstum verläuft nicht in gleichen Schritten. Manchmal ist das physische Wachstum in Bezug auf Gehirn, Nerven- und Hormonsystem größer als die mentale Reife und häufig verhält es sich genau umgekehrt. Hier liegt die Hauptursache für viele Schwierigkeiten, die Kinder in diesem Alter haben.

Wir sollten unangemessenes Verhalten bei Kindern nicht nach ethischen und moralischen Maßstäben beurteilen. Bei einem Überschuss an Nebennierenhormonen z.B. neigt das Kind zu ängstlichem Verhalten. Es ist nicht in der Lage, sich gegenüber Menschen, die ihm Angst machen, zu behaupten. Hat es einen strengen Lehrer in der Schule, so wird es diesen Lehrer meiden und auch das Fach nicht mögen, das dieser unterrichtet. Die Ursache des Problems liegt weder in ethischem oder moralischem noch sozialem Fehlverhalten, sondern ist psycho-physiologischen Ursprungs. Die Adrenalinausschüttung der Nebennierenrinden muss lediglich in ein Gleichgewicht gebracht werden, um den Charakter des Kindes zu verändern und zu stabilisieren. Wer sich mit problematischem Verhalten von Kindern beschäftigen will, sollte die Wirkung der Hormone auf das Gefühlsleben von Kindern studieren. Ähnliche Probleme werden auch durch ein Ungleichgewicht der Schilddrüsenhormone verursacht. Im Alter von sieben oder acht Jahren beginnt der Degenerationsprozess der Zirbeldrüse. Ist dieser Prozess bis zu einem bestimmten Grad fortgeschritten, dann beginnt im Körper die Produktion von Sexualhormonen. Bis zu diesem Zeitpunkt hat die Zirbeldrüse das sexuelle Bewusstsein des Kindes ebenso blockiert wie das rasche Wachstum seiner emotionalen und mentalen Persönlichkeit. Sobald die Rückbildung der Zirbeldrüse abgeschlossen ist, nimmt das emotionale Wachstum enorm zu und das Kind ist starken Gefühlsschwankungen unterworfen. Lässt sich jedoch das emotionale Wachstum auf die körperliche Wachstumsrate reduzieren, trägt dies enorm zur Stabilisierung des Kindes bei. Hierzu muss die Rückbildung der Zirbeldrüse aufgehalten werden, was durch die Übung von Shambhavi Mudra (Konzentration der Augen auf das Augenbrauenzentrum) ermöglicht wird.

Die Zirbeldrüse ist von großer Bedeutung. In der Yoga Lehre wird sie als das Ajna Chakra bezeichnet und liegt im Gehirn oberhalb der Medulla Oblongata. Es ist eine sehr kleine Drüse, die als Verschluss dient. Solange die Zirbeldrüse voll funktionsfähig ist, entsteht kein unangemessenes sexuelles Verhalten. Sexualität sollte erst dann in das Bewusstsein des Kindes treten, wenn es fähig ist, seine Reaktionen mental zu steuern und auszugleichen. Steigen sexuelle Phantasien in ihm hoch, bevor es dafür Ausdrucksmöglichkeiten besitzt, kann das emotionale Gleichgewicht des Kindes stark gestört werden. Möglicherweise leidet es dann unter wirren Träumen oder gar Albträumen und ist im Alltag damit beschäftigt, sie aus seinem Bewusstsein zu verdrängen. Gleichzeitig wird es versuchen, in seinem Alltagsleben seine sexuellen Gefühle durch ein Verhalten zu überspielen, das vielleicht das Missfallen anderer Menschen erregt. Erwachen sexuelle Gefühle zu einem zu frühen Zeitpunkt, kann dies den Geist eines Kindes völlig verstören. Bei Ausschüttung weiblicher Sexualhormone beispielsweise treten beim Mädchen Brustdrüsen, Eierstöcke und Uterus gleichzeitig in Funktion. Ist nun die Zirbeldrüse zu früh abgeschaltet, steigen alle diese verwirrenden Gefühle zum falschen Zeitpunkt hoch. Das Kind wird unruhig, da es physisch noch nicht reif genug ist, auf diese neue Entwicklung angemessen zu reagieren.

Daher ist es förderlich für Kinder, Shambhavi Mudra zu üben, um so innerlich auf das Ajna Chakra einzuwirken und den sexuellen Reifungsprozess solange aufzuhalten, bis der richtige Zeitpunkt dafür gekommen ist. Um diese Übung interessanter zu gestalten, fordern wir das Kind auf, sich gleichzeitig mehrere Dinge vorzustellen. Wir nennen etwa fünfzig Gegenstände und bitten das Kind, die entsprechenden Bilder nacheinander aufzurufen. Seine Achtsamkeit wandert von einem zum anderen, indem es jedes benennt und sich dabei eine Vorstellung macht von einer rosa Rose, einem dahinfließenden Fluss, einem schneebedeckten Berg, einem fahrenden Auto, einem fliegenden Flugzeug, einer Guave, einer Kirche usw.

Es gibt drei Bereiche von Gegenständen, die visualisiert werden können: solche, die das Kind bereits gesehen hat, die es noch nicht gesehen hat, sowie abstrakte Begriffe, wie Liebe/Hass. Diese Übung hilft dem Kind nicht nur, sein psychisches und emotionales Gleichgewicht aufrechtzuerhalten, sondern entwickelt auch seine Fähigkeit zu visualisieren. Ist es dann später in der Schule gefordert, Geographie, Geschichte und Mathematik zu erlernen, stehen ihm dazu nicht nur die Denkfähigkeit sondern auch die Vorstellungskraft zur Verfügung.

Auch wenn es dazu keine gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnisse gibt, bin ich der festen Überzeugung, dass auch andere Yoga Übungen den Degenerationsprozess der Zirbeldrüse aufhalten und sie länger funktionstüchtig erhalten können. Aus diesen Gründen unterrichten wir Kinder in Indien in Surya Namaskara (einer dynamischen Yoga Übung), Nadi Shodhana Pranayama (um die Zirbeldrüse gesund und im Gleichgewicht zu erhalten), Mantras (um den zerstreuten Geist des Kindes herauszufordern) und Shambhavi Mudra, kombiniert mit Visualisierungen (zur Erhaltung der Zirbeldrüse).

Yoga mit Vorschulkindern

Das Wachstum eines Kindes folgt eigenen Gesetzen, und wenn wir ihm helfen wollen zu wachsen, müssen wir ihm folgen, anstatt ihm unsere Vorstellungen aufzuzwingen.

Maria Montessori

1968 wurde Swami Satyananda Saraswati gefragt, welche Jahre die wichtigsten im Leben eines Kindes seien. Seine Antwort lautete: Die Zeit vom vierten oder fünften Monat der Schwangerschaft an bis zum Ende des dritten Lebensjahres, wenn das Kind beginne, über etwas nachzudenken, sei die wichtigste. Seit damals haben wir noch präzisere Instrumente zur Untersuchung der Entwicklung des Fötus im Mutterleib und bei Neugeborenen entwickelt, und die Ergebnisse wissenschaftlicher Forschungsprojekte in den USA und in Schottland haben diese Aussage bestätigt.

Swamiji wies auch darauf hin, dass die Gefühle der Mutter während der Schwangerschaft eine starke Wirkung auf die Entwicklung des Fötus ausübten. Beobachte einfach nur eine nervöse Mutter in einem Flugzeug und ihren Säugling. Dann wirst du sehen, wie stark sich ihr emotionaler Zustand auf ihr Kind überträgt, auch wenn es sich jetzt nicht mehr in der Gebärmutter befindet. Ein Fötus in der Fruchtblase reagiert auf Geräusche, was Wissenschaftler zu der Frage veranlasst hat, ob bereits vor der Geburt kognitive Erfahrungen gemacht werden. Die Musik von Beethovens Fünfter Symphonie, die der Mutter eine halbe Stunde vor der Geburt vorgespielt wurde, war durch ein in die Gebärmutter eingeführtes Hydrophon hörbar. Dieses Experiment veranlasste einen Entwicklungspsychologen, darüber nachzudenken, wie ein musikalisches Wunderkind entsteht.

Nachahmendes Verhalten scheint ein natürlicher Reflex oder Instinkt bei Neugeborenen zu sein, der bereits in der ersten Stunde nach der Geburt sichtbar ist. Andrew Meltzoff von der Washingtoner Universität hat die Fähigkeit von Neugeborenen untersucht, den Gesichtsausdruck von Erwachsenen nachzuahmen. Auf Videos mit Nahaufnahmen der Gesichter von Säuglingen war zu sehen, dass diese ihre Zungen weiter herausstreckten, wenn die Versuchsleiter dies vormachten und ihren Mund öffneten, wenn die Versuchsleiter das taten. Die beste Unterrichtsmethode bei Kindern dieses Alters wäre daher, wenn die Eltern selbst Yoga üben würden.

Kognitive Entwicklung

Abgesehen von Swami Satyanandas Empfehlung, das von Dr. Montessori entwickelte pädagogische Konzept zu studieren und mit Kindern zu arbeiten, veranlassten mich auch meine Yoga Schüler, die Eltern von Vorschulkindern waren, dazu, dass ich begann, Kindern dieser Altersstufe Yoga nahe zu bringen. Meine Schüler hatten die heilsame Wirkung der Yoga Übungen am eigenen Leib erlebt und wollten ihren Kindern das ermöglichen, was ihnen selbst in ihrer Kindheit nicht vergönnt gewesen war: gleichermaßen einen geschmeidigen gesunden Körper und kreative Denkfähigkeit zu entwickeln und intellektuelle Stimulierung zu erfahren. Das Leben eines Kindes kann nicht zweigeteilt werden, den Körper durch Sport bewegen und den Geist durch Lesen. Das Leben muss als Ganzes erfahrbar sein, vor allem in den ersten Lebensjahren, wenn sich die Persönlichkeit des Kindes herausbildet. Die Yoga Lehre hat das Kind als Ganzes im Blick.

Während der ersten Lebensjahre wird die rasante körperliche Entwicklung von einer noch größeren geistigen Entwicklung begleitet. In dieser Phase durchläuft die mentale Entwicklung einen Prozess des Erwachens. Die angeborene Neugierde des Kindes wird fortwährend von Reizen aus seiner Umwelt stimuliert und fortwährend nimmt sein Gehirn an Größe und Anzahl der Nervenverbindungen zu. Die frühe Kindheit ist die Zeit, in der sich allmählich unterschiedliche Formen der Selbstkontrolle entwickeln. Die Entstehung einer gewissen Kapazität willentlicher Selbstkontrolle ist eindeutig die zentralste und signifikanteste.

Vygotsky, ein bekannter russischer Entwicklungspsychologe, formulierte dies folgendermaßen: "Kognitive Entwicklung besteht teilweise aus der allmählichen Übertragung der Kontrolle durch andere auf das Selbst. Diese neuen Fähigkeiten bewirken eine Transformation im Leben des Kindes und seiner Bezugspersonen, da es zunehmend lernfähiger und erziehbarer wird." Die Entwicklung des Sprechens, der Kommunikation, einer immer differenzierteren Wahrnehmungsfähigkeit und des logischen Denkvermögens finden in dieser Entwicklungsphase des Kindes statt. Daher findet es unmittelbar Zugang zu Yoga Übungen.

In seinem 1974 im Observer Magazine veröffentlichten Artikel 'Living with Children' mahnt B. Jackson, Leiter der Child Minding Research Development Unit an, dass in unserer Gesellschaft "die schwindelerregenden Möglichkeiten und Fähigkeiten unserer Kinder stark unterschätzt werden". Er begründet: "Der späte Beginn des systematischen Lernens und die vorherrschende enge Auffassung von Bildung beschränken unsere Möglichkeiten enorm, unsere eigentlichen Talente zu entwickeln. Im Alter von drei Jahren ist ein Kind in der Lage, die komplexeste Fertigkeit, die es jemals im Leben erwerben wird - die Sprache - zu meistern. Im Alter von fünf Jahren hat das kindliche Gehirn bereits 90 Prozent des Gewichts eines erwachsenen Gehirns erreicht. Dies sind nur zwei Beispiele von vielen. Soviel Entwicklungspotential ist bereits verwirklicht oder unwiederbringlich verloren, bevor ein Kind überhaupt in die Nähe einer Schule kommt."

Wie wichtig diese Zeit für den Erwerb von Fähigkeiten ist, wird auch von anderen bedeutenden Entwicklungspsychologen unterstrichen. Dr. T. Bower von der Universität Edinburgh, weltweit bekannt für seine Forschungsarbeit zu kleinen Kindern, kommt zu dem Schluss: "Die Lernfähigkeit Neugeborener ist so groß wie zu keinem anderen Zeitpunkt im späteren Leben." Auch Dr. Montessori (1948) spricht sich in ihrem Buch The Formation of Man dafür aus, dass ein Kind bereits bei Schulbeginn im Alter von sechs Jahren über die Grundwerkzeuge der Bildung, Lesen und Schreiben, verfügen sollte. Sie schreibt: "Die Schriftsprache kann von vierjährigen Kindern weit leichter erlernt werden als von sechsjährigen, zu dem Zeitpunkt, an dem die Schulpflicht normalerweise beginnt. Kinder im Alter von sechs Jahren brauchen mindestens zwei Jahre, um schreiben zu lernen, was ihnen in dem Alter große Schwierigkeiten bereitet und nicht ihrer natürlichen Entwicklung entspricht. Dagegen lernen vierjährige Kinder diese zweite Sprache (wobei die gesprochene Sprache die erste ist) innerhalb von wenigen Monaten."

Sie argumentiert völlig zu Recht, dass die Pflichtschulbildung, die bei Kindern im Alter von sechs Jahren einsetzt, die noch nicht lesen und schreiben können, dann massive geistige Anforderungen an sie stellt und zwangsläufig zu einer gewissen Abscheu gegenüber dem Lernen und jeglichem intellektuellen Lehrstoff führen müsse. Ihr Wissensdurst wird ihnen genommen, bevor sie ihn stillen können. Die gleiche Kritik an unserem Bildungssystem klingt auch bei M. Donaldson (1972) in ihrem herausragenden Buch Children's Minds an, wenn sie die Frage aufwirft, warum unser Bildungssystem bei so vielen Kindern versagt, die vor Schulbeginn neugierige und wissensbegierige Kleinkinder waren. Ein Grund könnte sein, dass Pädagogen oft darauf bestehen, dem Kind ihre eigenen Vorstellungen aufzudrängen, anstatt der natürlichen Entwicklung des Kindes zu folgen. Viele Wissenschaftler, die sich mit kindlicher Entwicklung befassen, sind der Überzeugung, dass die Vorschulzeit die ideale Zeit sei, Kinder an Disziplin zu gewöhnen und Kreativität in ihnen zu entfachen. Diese beiden wichtigen Aspekte der Persönlichkeit eines Kindes lassen sich bestens mit Hilfe von Yoga Übungen fördern.

Heranführung von Vorschulkindern an Yoga Übungen

Wie führen wir Kinder im Alter zwischen zwei und sechs Jahren an Yoga heran? In diesem Alter sollten Kinder Yoga spielerisch lernen und nicht im Kontext eines formalen Unterrichts. L.S. Vygotsky (1933) stellte die These auf, dass Spielen zwar nicht die vorrangige Form der Aktivitäten eines Kindes sei, jedoch in gewissem Sinne die treibende Kraft in der vorschulischen Entwicklung. Das Spiel ist eine absichtsvolle Tätigkeit eines Kindes. In den frühen 'primitiven' Kulturen imitierten Kinder im Spiel immer das, was ihre Eltern im realen Leben taten. So schnitzten sich zum Beispiel Jungen des Cheyenne Volks im Mittelwesten Amerikas Pfeile und Bogen und gaben vor, damit Wild zu erjagen. Dieses Spiel diente natürlich dazu, das Kind auf seine späteren Aufgaben als Erwachsener innerhalb seines Stammes vorzubereiten. Im Spiel erschafft sich ein Kind eine imaginäre Welt, was als Vorstufe auf dem Weg zur Entwicklung abstrakten Denkens gesehen werden kann. Fantasie ist eine im Vorschulalter neu erworbene Fähigkeit, die zuvor im Kleinkindalter nicht vorhanden war. Den Tieren geht diese Fähigkeit völlig ab. Sie ist eine spezifisch menschliche Form bewussten Handelns. Im Spiel ist das Handeln unabhängig von Objekten, es wird von Vorstellungen gespeist und nicht von Dingen. Handeln auf imaginärer Ebene, in einer Fantasiewelt, willentliches, absichtsvolles Handeln und die Erschaffung realer Lebensentwürfe und willentlicher Beweggründe - all dies ist Gegenstand des Spielens und ist als höchste Form vorschulischer Entwicklung anzusehen. In der Schule erlischt das Spiel nicht einfach, sondern färbt die Einstellung des Kindes gegenüber der Realität. Es setzt sich im Inneren im Unterricht fort.

Menschen lernen nicht, indem ihnen etwas beigebracht wird. Sie lernen aus Erfahrung, aus den Folgen ihres Handelns. Dem spielerischen Lernen wohnt nachweisbar eine Reihe von vorteilhaften Eigenschaften inne, unter anderem die Eigenschaft, die Aufmerksamkeit zu fokussieren. Spiele fesseln die Aufmerksamkeit stärker als die meisten sonstigen Lehrmethoden. Im Spiel ist es leichter, bei einer Tätigkeit aufmerksam zu verweilen als bei anderen Lehrmethoden. Ein Grund liegt darin, dass die aktive Beteiligung des Schülers gefordert ist, nicht nur seine passive Aufmerksamkeit. Spielen und das Spiel sind eine sehr alte und weit verbreitete Form des Lernens. Aufgrund der umfangreichen Forschungsergebnisse zum Thema Spiel dient es neuerdings auch als Lehrmethode für ältere Kinder und Teenager, nicht nur für Vorschulkinder. Rollenspiele haben sich als hilfreiches Werkzeug bei der Erziehung von verhaltensgestörten Kindern und Teenagern in Wohngruppen, Erziehungsheimen oder Schulen erwiesen. Sie werden verhaltenstherapeutisch zum Erwerb emotionaler und sozialer Fähigkeiten eingesetzt.

In Untersuchungen zur Rolle des Spiels bei der Lösung von Problemen durch Kinder im Vorschulalter, Sylva, K.Bruner, (1974), wurde festgestellt, dass jene Kinder, die vor dem Versuch der Problemlösung mit den Versuchsgeräten spielen durften, besser abschnitten. Begründet wird dies folgendermaßen:

      Problemlösung erfordert eigenständiges Handeln. Die spielenden Kinder waren die einzigen in der Untersuchung, die zu eigenständigem Handeln fähig waren.
      Die Erfindung von Werkzeugen (das zu lösende Problem) erfordert eine sinnvolle Anordnung der daran beteiligten Handlungen.
      Spielen verringert den Erwartungsdruck bezüglich Erfolg oder Versagen. Somit waren diese Kinder in der Lage, Anregungen aufzunehmen und sich der Lösung allmählich zu nähern, ohne zuvor frustriert aufzugeben. Spielen und Spiele müssen jedoch dem Alter der beteiligten Kinder entsprechend unterschiedlich präsentiert werden.

Nach Dr. Montessori (1948) steht es außer Frage, dass Spielen einen großen Einfluss auf die Entwicklung des Kindes hat. Eine der wesentlichen Eigenschaften des Spielens, auf die sie hingewiesen hat, ist "dass ein Kind eine Tätigkeit, die es in Form eines Spiels ausführt, viele Male wiederholt." Seit langem ist bekannt, dass Kleinkinder und Kinder dazu neigen, jede neu erworbene Fähigkeit von sich aus zu "üben". Daher kann man dieselbe Yoga Übung von Kindern dieser Altersstufe problemlos viele Male wiederholen lassen, da Kinder von sich aus häufig fordern, das zu tun, was sie bereits getan haben. Jeder, der in einem Kindergarten gearbeitet hat, weiß, dass während jeder Märchenstunde eine Lieblingsgeschichte auf Wunsch der Kinder mindestens zwei bis drei Mal erzählt werden muss. Handelt es sich um ein Spiel oder einen Tanz, bei dem Kinder mitwirken, dann wollen kleine Kinder jede Rolle einmal selbst spielen, so dass sie immer wieder von neuem beginnen. Vorschulkinder müssen somit auf spielerische Weise an Yoga herangeführt werden. Die Lehrperson muss dabei jedoch im Hinterkopf behalten, dass hinter dem Spiel eine klar umrissene Lehrabsicht steckt, eine Vorstellung davon, wie ein Geist und eine Persönlichkeit wachsen können, und ein realistisches Ansteuern der Ziele. Dr. Montessori schreibt dazu: "…die Ansätze der sogenannten modernen Erziehung, die lediglich zum Ziel haben, das Kind aus angeblicher Unterdrückung zu befreien, sind nicht zielführend. Schüler einfach das machen zu lassen, was sie wollen, sie mit leicht zu lösenden Aufgaben bei Laune zu halten, sie in einen nahezu wilden Zustand zurückzuversetzen, löst nicht das Problem."

B. Jackson vertritt hierzu die gleiche Auffassung, wenn er anführt: "man muss wissen, wohin die Reise geht und warum. Ansonsten handelt es sich lediglich um ein Bespaßen der Kinder". Auch wenn er das Spiel mit den Kindern genießt, will der Yoga Lehrer sie nicht einfach unterhalten, sondern ein Umfeld bereitstellen, in dem alle Yoga Übungen der ausgewogenen Entwicklung der Persönlichkeit des Kindes in ganzheitlicher Form dienen. Wird das Kind älter und kommt zur Schule, dann kann der Yoga Unterricht eine strukturiertere Form annehmen, wie auch der andere Schulunterricht.

Yoga Unterricht beginnt im Alter von acht Jahren

Dr. Swami Karmananda Saraswati

In Indien erhalten Kinder im Rahmen der Upanayanvidhi, der Fadenzeremonie, traditionell ihren ersten Yoga Unterricht im Alter von acht Jahren. In jener uralten Kultur wurden Mädchen und Jungen, die dieses magische Alter erreicht hatten, das das 'Ende der Kindheit' repräsentiert, in Surya Namaskara, Nadi Shodhana Pranayama und Gayatri Mantra initiiert. Jetzt erschließt sich die Bedeutung dieser Altersstufe modernen Wissenschaftlern, die erkennen, dass das achte Lebensjahr einen entscheidenden Meilenstein in der physiologischen und psychologischen Entwicklung eines jeden Menschen darstellt. Es kennzeichnet in der Wahrnehmung des Kindes den Beginn des Übergangs von der Kindheit zum Erwachsenen. Nachfolgend einige Fakten, die Wissenschaftler über Kinder dieser Altersstufe bisher herausgefunden haben. Bis zum achten Lebensjahr nimmt die Zahl der Alveolen (Lungenbläschen) stetig zu. Danach wachsen die Alveolen nur noch in ihrer Größe, es findet keine weitere Verdopplung statt. Ärzte halten dieses Alter für ideal, um mit der täglichen Übung von Pranayama zu beginnen. So werden Herz und Lunge systematisch trainiert, eine Grundvoraussetzung für Vitalität und hochgradige Widerstandskraft und Belastbarkeit während der verschiedenen Lebensphasen.

Die Entwicklung und Programmierung des Immunüberwachungssystems, die im Fötus, im Säuglingsalter und in der frühen Kindheit rasch voranschreitet, endet in diesem Alter, wenn das lymphatische Gewebe der Thymusdrüse, das den unteren Bereich des Herzens und der Lungenflügel umschließt, sich allmählich zurückbildet. Art und Sensibilität der im späteren Leben aktivierten Immunreaktionen entscheiden sich somit bis zum achten Lebensjahr. Der psychische und physiologische Unterscheidungsprozess zwischen dem 'Selbst' und dem 'Anderen', der sich auf spiritueller Ebene als machtvolle, wenn auch illusorische, vom 'Ego' gebildete Barriere manifestiert, ist auf zellulärer Ebene ebenfalls verantwortlich für Immunschwächekrankheiten wie Asthma, allergische Reaktionen, Arthritis, Tumore und Krebserkrankungen,. Yoga Übungen, wie Surya Namaskara und Nadi Shodhana Pranayama, sorgen dafür, dass sich das Immunsystem lebenslang ohne Unterbrechungen weiterentwickelt. So ist ein Yogi immer fähig, auf neue Situationen und Lebensumstände angemessen zu reagieren. Hierdurch ist sichergestellt, dass er immer in gesunder, anpassungsfähiger Weise reagieren kann anstatt gemäß dem kodierten 'zellulären' Immungedächtnis, das beim Durchschnittsmenschen bis zum achten Lebensjahr abgeschlossen ist. Diese Unfähigkeit, Umstände und Situationen des späteren Lebens in das bestehende Zellgedächtnis zu integrieren, ist ein Grund für die in den heutigen Gesellschaften so häufig anzutreffende Immunschwäche und Überempfindlichkeit..

Die Zirbeldrüse, die eine Kontrollfunktion auf die Hypophyse und das gesamte Hormonsystem ausübt, bildet sich im achten Lebensjahr allmählich zurück. Dieses winzige Organ im Zentrum des Gehirns ist entscheidend für die Bewahrung des erweiterten Wahrnehmungszustands beim Kind, frei von sexueller Wahrnehmung und Orientierung. Im Alter zwischen acht und neun Jahren beginnt allmählich die Ausschüttung der von der Hirnanhangdrüse produzierten Sexualhormone und die Pubertät setzt ein, während sich die Zirbeldrüse zurückbildet. Bei Kindern, die in diesem Alter mit Yoga Übungen beginnen, setzt die Pubertät mit Verzögerung ein, wodurch sie noch einige Jahre länger Kind bleiben dürfen. Das sexuelle Erwachen mit den entsprechenden Gefühlen wird somit auf einen Zeitpunkt verschoben, wenn Heranwachsende in der Lage sind, mit den emotionalen, psychischen und physiologischen Umwälzungen fertig zu werden, die die männliche oder weibliche soziale und sexuelle Identität ankündigen. Kinder, bei denen Pubertät und erste Menstruation zu einem späteren Zeitpunkt einsetzen, sind nachweislich als Erwachsene generell weit intuitiver, intelligenter und einfühlsamer als Kinder, deren Pubertät und erste Menstruation früh eingesetzt haben. Diese sind mit Konflikten und dem Gefühlschaos eines Erwachsenen konfrontiert, bevor sie fähig sind, das, was in ihrem Körper und Geist vor sich geht, zu verstehen und damit angemessen umzugehen.

Nach Aussage der Psychologen setzt die Fähigkeit, abstrakt zu denken, Ideen und Konzepte zu begreifen, die Grundlage der weiteren formalen und moralischen Erziehung des Kindes sind, im Alter von acht Jahren ein. Erst dann kann von einem Kind erwartet werden, dass es wirklich lern- und konzentrationsfähig ist. In der Zeit zuvor bestimmen Spiel und Fantasie die Welt des Kindes. Nach diesem Wendepunkt im Leben des Kindes sollten ihm jedoch nach und nach immer mehr Disziplin und Konzentration nahegebracht werden. Kindern, die ab diesem Alter Yoga üben, ist es möglich, ihre natürlichen Eigenschaften, Fähigkeiten und Begabungen vollständig zu entwickeln. So können sie später ein erfolgreiches, sinnerfülltes und freies Leben zu führen.

Vom achten Lebensjahr an sollten Kinder in einer kulturell internationalen Atmosphäre erzogen werden. Nicht Bücher, Gebete, Kirche oder Tempel sollten Grundlage ihrer spirituellen Erziehung sein. Die spirituelle Erziehung eines Kindes sollte bei der Selbsterziehung ansetzen. Egal ob es in einem Ashram, einem Kloster, einem Internat oder zuhause bei seinen Eltern lebt, einem Kind sollte die Möglichkeit gegeben werden, sich an der täglich zu verrichtenden Arbeit zu beteiligen. Eine Arbeit im Sinne von Karma Yoga ist die beste Methode, spirituelle Erfahrungen und spirituelle Samskaras einzuschärfen. Denken wir an die Worte von Swami Satyananda Saraswati: Das Schicksal der ganzen Welt liegt in den Händen der kleinen Kinder. Nicht du oder ich bilden den Silberstreifen am Horizont, sondern allein die Kinder, die geistig entsprechend vorbereitet werden müssen."

Yoga und das Jugendproblem

Swami Satyananda Saraswati

Sind unsere jungen Menschen rettungslos verloren und gibt es keinerlei andere Möglichkeiten, sie auf den rechten Weg zu führen, als durch Strafjustiz und soziale Hilfsprogramme? Ein in der alt-indischen Kultur entstandenes ideales Bildungskonzept beinhaltete einen Prozess 'eigenständigen mentalen' Lernens, der jahrhundertelang von Studenten gelernt und angewendet wurde. Nachdem er einige hundert Jahre lang in Vergessenheit geraten war, haben wir heute den Inhalt des alten, das Leben gestaltenden Systems wiederentdeckt, das zukünftige Generationen überall in der Welt mit neuer Energie erfüllen wird. Die Grundlage dieses viel gepriesenen Systems ist Yoga.

Die heutige Jugend trachtet danach, die gesellschaftlichen Schranken niederzureißen, neue Ausdrucksformen zu erschaffen, die Gesellschaft besser zu gestalten und das Unrecht, das ihnen überall begegnet, zu überwinden. In dieser Hinsicht gleichen sie allen jungen Menschen, die jemals zu irgendeiner Zeit in der Geschichte der Menschheit gelebt haben. Immer haben junge Menschen danach getrachtet, die bestehende Ordnung, ob in ihrem Elternhaus, ihrem Dorf, ihrer Stadt oder in ihrem Land zu verändern. Was sich allerdings in der jetzigen, modernen Zeit geändert hat, sind die Möglichkeiten, die jungen Menschen im heutigen Kommunikationszeitalter zur Verfügung stehen. Sie erfahren, was junge Menschen in anderen Ländern denken, können Ideen weltweit austauschen, neue Ausdrucksmöglichkeiten kreieren und verbreiten oder Ungerechtigkeiten überall auf diesem Planeten anprangern. Es ist völlig normal und natürlich, dass junge Menschen gegen Traditionen 'rebellieren'. Täten sie dies nicht, dann fände keine Entwicklung statt. Indem sie sich weigern, traditionelle Vorstellungen zu übernehmen, versuchen sie, sich ein Umfeld zu schaffen, in dem sie ein glückliches Leben führen können, das sie nach ihren Vorstellungen gestalten und wo sie nicht gegen, sondern mit ihrer eigenen Natur leben können.

Popularität von Yoga bei jungen Menschen

Derzeit geschieht etwas sehr Merkwürdiges. Während junge Menschen fast alle herkömmlichen Vorstellungen ablehnen, sogar solche, die nur zehn Jahre zuvor populär waren, fühlen sich immer mehr von ihnen von der uralten Yoga Lehre und Tradition angezogen. In allen Altersgruppen nimmt die Zahl der Menschen, die Yoga üben, zu. Doch gerade bei jungen Menschen wird Yoga immer beliebter. Warum ist das so? Warum haben junge Menschen überall auf der Welt begonnen, ihre Lebensweise nach der Yoga Lehre auszurichten? Ältere Menschen sollten diesem Phänomen Beachtung schenken und dabei bedenken, dass jede große Umwälzung in der Geschichte der Menschheit ihre Wurzel in der Unzufriedenheit junger Menschen mit den bestehenden Verhältnissen hatte, die sie dann als Erwachsene in konkrete Veränderungen umsetzten. Somit ist es mehr als wahrscheinlich, dass das Interesse, das junge Menschen Yoga entgegenbringen, sich nach und nach in der gesamten Gesellschaft ausbreiten wird.

Von je her hat die ältere Generation geklagt, dass die jungen Menschen zu viel Freiheit hätten und ihre Zeit mit sinnlosen Dingen vergeudeten. Dass ihr Interesse einer Musik gilt, die in den Ohren älterer Menschen unmusikalisch oder sogar grauenhaft klingt. Dass die Kleidung, die sie tragen, bei älteren Mitmenschen nur ein Kopfschütteln erntet. Dass Drogen zu nehmen, als völlig inakzeptabel gilt. Dabei wird der eigene hohe Alkoholkonsum von ihren Kritikern geflissentlich übergangen. Die Liste der Beschwerden ließe sich unendlich fortsetzen. Eine solche Kritik mag begründet sein oder nicht, unbestreitbar ist jedoch, dass es noch nie eine Gruppe von Menschen gegeben hat, die so stark nach Wahrheit strebte, wie unsere heutige Jugend. Was immer junge Menschen tun, ob es nun in den Augen ihrer Mütter und Väter für gut oder schlecht befunden wird, sie haben in einem Ausmaß, wie noch keine Generation vor ihnen, mit Tabus und Traditionen gebrochen, Restriktionen überwunden und Heuchelei entlarvt. Möglich wird dies aufgrund der heutigen Gegebenheiten. Die modernen Kommunikationstechniken und eine breite Bildung eröffnen jungen Menschen größere Perspektiven und die Möglichkeit, ihren eigenen Weg zu gehen. Allein die Tatsache, dass sich junge Menschen in so viel unterschiedlichen Bereichen ausprobieren, ist ein positiver Beitrag zur Evolution der Menschheit. Ältere Menschen sollten auf sie achten und von ihnen lernen.

Ihre Suche nach Wahrheit hat junge Menschen überall auf der Welt zu Yoga geführt. Sie haben entdeckt, dass die Yoga Lehre ihnen nicht abverlangt, Dogmen oder stereotype Konzepte zu übernehmen. Stattdessen werden ihnen Angebote gemacht und sie werden aufgefordert, selbst herauszufinden, was ihnen hilft und nützt. Yoga eröffnet ihnen eine Lebensweise, die nationale Grenzen durchbricht, was Menschen zu früheren Zeiten und auch viele Menschen heutzutage nicht verstehen können. Bin ich Inder, so muss ich Indien mehr als jedes andere Land lieben. Als Engländer muss England für mich das großartigste Land sein usw. Die meisten Menschen stellen natürlich den Sinn dieser Denkweise nie in Frage. Ein junger Mensch von heute ist jedoch klug genug, um zu wissen, dass dies nicht der Wahrheit entspricht, sondern ein sinnentleerter Glaubenssatz ist, der im Verlauf der Geschichte Ursache für so viele sinnlose Kriege war. Nachdem die Yoga Lehre über einen langen Zeitraum in Vergessenheit geraten war, beginnt sie wieder neu zu erblühen, da kluge junge Menschen ihrer jetzt bedürfen. Würde sie Dogmen, Unwahrheiten oder Hassparolen gegen ihre Mitmenschen predigen, dann wären junge Menschen nicht einmal versucht, sich mit ihr zu befassen oder sie gar zu befolgen. Würde die Yoga Lehre propagieren: "Dies ist der einzige Weg, wie du zu leben hast, und alle anderen Lehren sind Irrwege", dann hätte sie jungen Menschen nichts anzubieten.

Wir befinden uns heute, mehr als je zuvor in unserer Geschichte, in einer existenziellen Krise. Nur wenige Menschen sind sich ihres Platzes in Raum und Zeit, in der Welt, in ihrem Land, in ihrer Arbeit oder in ihrer Familie sicher. Das gilt gleichermaßen für Junge und Alte. Den meisten Menschen stehen so viele Möglichkeiten offen, sie fühlen sich von so vielen einander widersprechenden Ideen angezogen. Und angesichts all dieser unterschiedlichen Vorstellungen, wie sie ihr Leben gestalten könnten, ist die Verwirrung groß. Sie wissen nicht mehr, welchen Weg sie einschlagen sollten. Wie viel leichter war es doch in der guten alten Zeit, als jeder noch in die Fußstapfen seiner Eltern treten konnte und wusste, was er nicht nur am nächsten Tag, sondern auch noch in zwanzig Jahren tun würde.

Was können junge Menschen also tun? Wie können sie sich für das entscheiden, was die Grundlage ihres Lebens sein sollte? Sie könnten sich Rat bei ihren Eltern holen, aber sie wissen instinktiv, dass es ihren Eltern nicht anders geht als ihnen. Glück und Zufriedenheit ist das, was sie suchen, und nur wenige der Älteren wissen, wie dies zu erlangen ist. Es ist wirklich so, wie ein großer Geist schrieb: "Die meisten Menschen führen ein Leben in stiller Verzweiflung". Wie kann man dann erwarten, dass junge Menschen ihren Eltern folgen, wenn sie sehen, dass diese unter all dem äußeren Gehabe und Prunk in dem Leben, das sie führen, unglücklich sind? Sie sehen, dass die Lebensweise ihrer Eltern diesen nur in flüchtigen Momenten Glück beschert, möglicherweise dann, wenn ihnen eine große Summe Geld unverhofft zuteilwird oder sie einen schönen Film sehen oder eine vorzügliche Mahlzeit genießen. Junge Menschen glauben zu Recht, dass das Leben aller der Ausdruck immerwährender Freude sein sollte.

Yoga: Der Weg zum Glück

Glück ist der wahre Zustand des Menschen. Daher fühlt sich die jüngere Generation in ihrer Suche nach ihrer wahren Natur so von Yoga angezogen, da dort dauerhaftes Glück zu finden ist, das das flüchtige, im sinnlichen Genuss zu findende Glück überschreitet. In der Yoga Lehre eröffnet sich ihnen eine Lebensweise, die alle Facetten menschlichen Seins umfasst. Sie erkennen, dass die Übungen der Asanas und Pranayama ihren Körper und Geist gesund erhalten, eine Grundvoraussetzung für dauerhaftes Glück. Wie ganz anders ist es bei der älteren Generation, die sich im Allgemeinen kaum Gedanken über diesen Aspekt ihres Seins macht. Funktioniert der Körper, dann ist alles gut, auch wenn er wegen falscher Lebensgewohnheiten unter Schmerzen oder Verdauungsstörungen leidet. Junge Menschen haben eine positive Einstellung zur Gesundheit. Sie warten nicht erst ab, bis sie krank werden, sondern werden vorbeugend tätig. Sie wissen, dass eine gute mentale und psychische Gesundheit ein weiterer Schritt zu dauerhaftem Glück ist. Ältere Menschen scheinen diesem Aspekt in ihrem Leben kaum Beachtung zu schenken, auch wenn sie ständig angespannt sind. Nur wenn sie unter schwerwiegenden mentalen oder psychischen Problemen leiden, werden sie aktiv.

Wiederum ist es die jüngere Generation, die auf dem guten Weg zu innerem Frieden voranschreitet, denn mit wachsendem Bedürfnis beziehen sie überall auf der Welt Meditation und andere Yoga Übungen in ihren Alltag ein. Und wie verhält es sich mit der spirituellen Seite des Lebens? Während ältere Menschen die ihnen seit alters her überlieferten religiösen Vorstellungen einfach übernommen haben, ohne wirklich zu verstehen, worauf diese beruhen, oder Religion sogar als 'Unsinn' abtun, was heutzutage in Mode zu sein scheint, beschreiten junge Menschen wiederum neue Wege. Sie haben damit begonnen, die allen Religionen innewohnenden Wahrheiten zu erkennen und 'zu erfahren'. Sie haben Religionen weder einfach übernommen noch abgelehnt. Stattdessen behandeln sie diese Themen von einem stärker wissenschaftlich geprägten Ansatz aus, indem sie die Wahrheit mittels praktischer Methoden zu erkunden suchen. Bei diesem Unterfangen haben sie die Übungsmethoden von Yoga entdeckt und übernommen.

Vor einiger Zeit sprach ich mit einem jungen 18jährigen Mann. Dieser erzählte mir, dass er seinen Platz innerhalb der Gesellschaft nicht finden könne. Seine Eltern hätten sich wegen seines rebellischen Charakters bereits von ihm distanziert. Er sprach davon, dass er und seine Freunde viele 'verrückten' Dinge machten, allein aus dem Grund, dass sie nicht einsähen, warum sie sie nicht machen sollten. Er sagte mir, dass er auf der Suche nach etwas sei, auch wenn er nicht genau wisse, wonach. In allen seinen Handlungen versuche er, das, was er im Inneren fühle, zum Ausdruck zu bringen. Er glaube, dass es für jeden Menschen eine ihm vorbestimmte richtige Handlungsweise gebe, auch wenn er nicht wisse, welche dies sei. Wohin er auch blicke, sehe er nur Heuchelei. Menschen handelten nicht ihrer Natur, ihrem Dharma, gemäß, sondern lebten ein Leben, das nicht ihrer wahren Natur entspreche. Sie handelten automatisch und täten das, was ihre Mitmenschen von ihnen erwarten würden.

Er habe das Gefühl, dass Menschen ständig Zwängen unterworfen seien, da sie sich immerzu "bemühten, so zu leben, dass die Menschen in ihrer Umgebung von ihnen beeindruckt seien." Als Reaktion auf die Lebensweise der meisten Menschen habe er 'verrückte Dinge angestellt', wie er sich ausdrückte. Er sagte, er habe gehört, dass Yoga lehre, das eigene innere Wesen kennenzulernen und auf diese Weise glücklich zu werden. Sei das richtig? Ich versicherte ihm, dass dies absolut zutreffe. Ich erklärte ihm, dass er eine Yoga Schule, deren Adresse ich ihm später gab, aufsuchen könne, wenn er mehr darüber erfahren und Yoga üben wolle. Sechs Monate später begegnete ich ihm wieder. Ich brauchte ihn nicht zu fragen, ob er Yoga übe. Sein Gesichtsausdruck sagte alles. Er sagte mir, Yoga hätte sein ganzes Leben verändert. Endlich hätte er den Weg zu dauerhaftem Glück im Leben gefunden. Jetzt wisse er, derzeit noch bruchstückhaft, dass allem eine Wahrheit innewohne, der nichts Scheinheiliges und Oberflächliches anhafte. Jetzt verstehe er sich wieder gut mit seinen Eltern und versuche sie dazu zu bringen, ihre Lebenseinstellungen zu hinterfragen und Yoga zu üben.

Positive Entwicklung

Stell dir vor, was passieren würde, wenn Yoga genauso selbstverständlich wie Mathematik oder die Naturwissenschaften an allen Schulen der Welt vermittelt würde. Angesichts der Tatsache, dass etwa sechzig Prozent der Weltbevölkerung Kinder sind, wären die Auswirkungen nicht auszudenken. Überall wären junge Menschen ausgeglichen, gesund und glücklich. Mit offenen Augen und Verständnis, körperlich und geistig gesund, wären sie sich ihres eigenen Potentials bewusst und weitaus mehr als heute in der Lage, es voll auszuschöpfen. Aufgrund ihrer spirituellen Erfahrungen könnten sie auf einer anderen und höheren Bewusstseinsebene agieren. Das würde sich positiv auf ihr Leben, ihre Arbeit und ihren Umgang mit anderen Menschen auswirken. Die Yoga Lehre ermutigt zum Dienen und diese Haltung könnte die Geschicke der Menschheit deutlich zum Positiven verändern. Wäre Yoga Bestandteil des Lehrplans an Universitäten und Fachhochschulen, dann wären ihre Absolventen besser in der Lage, ihre intellektuellen Fähigkeiten einfühlsam in ihre Arbeit einzubringen.

Yoga sollte allen zugänglich werden, den Jungen und den Alten. Wollen junge Menschen und die Welt eine Zukunft haben, so nur auf Grundlage eines Systems, wie es die Yoga Lehre bereithält. Yoga bedeutet 'Vereinigung'. Genau das ließe sich dadurch erreichen - eine Vereinigung aller Menschen weltweit. Durch Yoga kann ein jeder die eigene Kultur und Lebensweise in einem nie zuvor für möglich gehaltenen Ausmaß erkennen und durchschauen. Eine solche Kraft wohnt Yoga inne. Yoga ist keine Religion, sondern eine Wissenschaft des Lebens gemäß unserer Möglichkeiten und der Gesetze des Lebens. Wenn wir uns für die Zukunft verantwortlich fühlen, für unsere eigene und die unserer Kinder, dann müssen wir dafür sorgen, dass sich die Entwicklung der Menschheit positiv gestaltet. Nur dann werden wir nicht länger Kriege gegeneinander führen. Nur dann werden wir fähig sein, einander zu lieben. Und nur dann werden die Alten die Jungen verstehen und die Jungen die Alten.

Erziehungs- und Bildungssysteme auf dem Prüfstand

Dr. Swami Shankardevananda Saraswati

Die Suche nach neuen und besseren pädagogischen Methoden, wie sie die Menschheitsgeschichte durchzieht, setzt sich fort. Mit der Entdeckung und Anwendung der Yoga Lehre scheint jedoch ein entscheidender Durchbruch in Reichweite zu sein. Die wissenschaftliche Entdeckung der unterschiedlichen Funktionen der beiden Gehirnhälften stützt die Aussagen der Yoga Lehre und fördert die Erweiterung des Bewusstseins, denn sie liefert eine Erklärung dafür, wie notwendig die Einbeziehung dieser Lehre in unser Leben ist.

Das Gehirn ist in zwei Hirnhälften unterteilt. Jede scheint eine eigene und weitgehend andere Aufgabe wahrzunehmen. Die rechte Gehirnhälfte ist für unsere intuitiven und räumlichen Fähigkeiten zuständig, wohingegen die linke mit unseren analytischen und linearen Fähigkeiten in Verbindung gebracht wird. Bisher lag der Schwerpunkt der Bildungsbemühungen auf den Funktionen der linken Gehirnhälfte, indem lineare, wissenschaftliche und rein logische Fächer, wie Lesen, Schreiben und Rechnen, im Vordergrund standen. Die wenigen, künstlerische, intuitive Fähigkeiten fördernden Fächer, wie Kunst, Tanz und andere kreative Tätigkeiten, spielten bisher eine eher nebensächliche Rolle, sowohl in finanzieller Hinsicht als auch in den Lehrplänen. Pädagogen sehen dieses Bildungskonzept als zu einseitig. Es führe zu einer Teilbildung und wirke sich sogar nachteilig auf unser Leben aus.

So beklagt Jerry Smith, Professor für Pädagogik an der Indiana University, USA, dass Lehrer aufgrund eng gesteckter Bildungsziele den Bezug zu ihrer Berufung verloren hätten. Die heutigen Lehrpläne sind zu starr. Sie eröffnen uns weder die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung, noch befriedigen sie unsere Grundbedürfnisse, nach denen wir alle im Leben streben.

In einer Sonderausgabe der Zeitung des Instituts für Erziehungswissenschaft heißt es: "Lehrer müssen ihren pädagogischen Auftrag erweitern und das Metaphorische und Metaphysische, Ästhetische und Dramatische, Spirituelle und Inspirierende mit einbeziehen. Wir Lehrer haben uns zu lange auf die traditionellen Methoden des Frontalunterrichts, der Lehrpläne und Schulbücher, Klassenarbeiten und Noten verlassen."

Ganzheitliche Entwicklung des Gehirns

Die Bildungsforscherin Vivian Sherman hat davor gewarnt, dass unser derzeitiges Bildungssystem ein großes Hindernis für die Vereinigung der intellektuellen und der intuitiven Fähigkeiten (linke und rechte Gehirnhälften) darstellt. Sherman behauptet, dass die Stimulierung der linken Gehirnhälfte (nach dem rein intellektuell ausgerichteten Bildungskonzept) auf einem falschen und ungenauen Wissenschaftsbegriff basiere. In ihrer Mehrzahl sind die großen wissenschaftlichen Entdeckungen, wie die von Newton und Einstein, intuitiven Eingebungen zu verdanken, einer kosmischen Einsicht in die Natur des Ganzen und einem Verständnis der Zusammenhänge, auf der das materielle Universum beruht. Erst danach kamen diese Wissenschaftler durch die analytische Überprüfung ihrer Einsichten zu ihren logischen und praktischen Schlussfolgerungen.

In ihrem Bemühen, die beiden Gehirnhälften besser zu verbinden, haben Forscher die Wirkungen von Meditation, Yoga Asanas, Pranayama, Biofeedback usw. untersucht. Dabei versuchten sie herauszufinden, was genau im Gehirn vorgeht und wie sich die einzelnen Prozesse beeinflussen lassen. Diese Forschung hat einiges Staunenswertes zu Tage gebracht. So hat Banquet nachgewiesen, dass bei der Übung von Kriya Yoga beide Gehirnhälften miteinander verbunden sind und als eine Einheit funktionieren, anstelle des heillosen, chaotischen Durcheinanders, als das viele Menschen ihre Gedanken erleben. Viele gaben an, dass dies für sie eine beglückende und lebensbejahende Erfahrung war. Häufig betonen Menschen, dass sie sich nach einer Kriya Yoga Übungsstunde sehr lebendig fühlten und mit der kreativen Energie und dem Wissen des Universums in Kontakt gekommen seien. Sie bekommen Zugang zu dem inneren Wissen, das in uns allen steckt, und das in vielen Büchern und externen Wissens- oder Informationsmedien wiedergegeben ist. Diese Fähigkeit scheint zutage zu treten, wenn beide Gehirnhälften miteinander verbunden sind.

In der Yoga Sprache wird die Vereinigung der beiden Gehirnhälften als Erweckung von Sushumna Nadi bezeichnet, dem Energieweg, der in der Wirbelsäule verläuft. Die linke Gehirnhälfte, die logische und aktive Seite, findet ihre Entsprechung in Pingala Nadi auf der rechten Körperseite. Entsprechend spiegelt sich die rechte Gehirnhälfte in Ida Nadi, den inneren Aspekten des Geistes und der formlosen Energie. Indem sie in ihrer Forschung von den bereits gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnissen der Yoga Lehre ausgingen, stellten Wissenschaftler fest, dass die Erklärungen für ihre Testergebnisse bereits in den uralten Yoga Lehrbüchern (Shastras) zu finden sind.

Yoga: Der evolutionäre Katalysator

Es wurde eine neue Methode entwickelt, wie sich Meditation, Natur- und Erziehungswissenschaften miteinander verbinden lassen, um die bisher vorhandenen pädagogischen Möglichkeiten zu erweitern. Die von Georgi Lozanov / Bulgarien entwickelte Methode des beschleunigten Lernens nutzt die wesentlichen Elemente der Übung Yoga Nidra, um zu ermöglichen, dass Informationen und Wissen über die tiefere Ebene des Unterbewussten in das Gehirn und den Geist einfließen. Dadurch wird der verstandesmäßige Lernprozess umgangen und nicht mehr benötigt. Diese subtile Lernmethode setzt sich weltweit immer mehr durch. So berichtete Don Schuster von der Iowa State University, dass Judy Tyler, eine Lehrerin von Drittklässlern in Atlanta, Schüler durch Anwendung der Methoden von Yoga Nidra und Suggestopädie befähigt hat, den Lernstoff von zwei Jahren in nur einem Schulhalbjahr (etwa vier Monaten) nachzuholen.

Die neue Sicht im pädagogischen Denken zeichnete sich im Mai 1978 ab, als die California State University eine Konferenz für Erzieher, pädagogische Berater, Betreuer, Schulpsychologen und klinische Psychologen, Lehrer und Verwaltungspersonal abhielt. Es wurden Workshops zu den Themen metaphorisches Denken, Biofeedback, T'ai Chi Chuan, Meditation, Phantasiereisen, Traumdeutung, Psychotherapie und psychische Entwicklung bei Kindern angeboten. Unter dem Begriff 'Transpersonale Psychologie' wurde eine Vielfalt positiver innerer Erkenntnisse und ihre wissenschaftliche Validierung zusammengefasst.

Ein Ergebnis der Konferenz scheint zu sein, dass in naher Zukunft transzendentale oder mystische Erfahrung als Ergänzung zu kognitivem, psychomotorischem und effektivem Lernen von Lehrern und Lehranstalten anerkannt werden. Meditation und Methoden, sich auf natürliche Weise in einen erweiterten Bewusstseinszustand zu versetzen, werden an Schulen gelehrt werden. Ziel ist dabei nicht nur, Körper, Geist und Psyche zu entspannen, sondern auch, Zugang zur rechten Gehirnhälfte zu erlangen, wodurch neue Erfahrungs- und Wissensbereiche erschlossen werden. Dies stellt eine enorme Bereicherung des Bildungswesens dar. Die Yoga Lehre wird dabei eine große Rolle spielen, denn sie ermöglicht es Schülern und Lehrern, mittels systematischer, sicherer und praxisorientierter Methoden zu höheren Wahrnehmungsebenen zu gelangen.

Durch Verstärkung unserer natürlichen Intuition unterstützen uns die Yoga Übungen darin, aus den verschiedenen Elementen unserer Umwelt ein strukturelles Ganzes zu erstellen. Auf diese Weise können wir das große Ganze besser erkennen. Wir erkennen, wie alles in unserer Umwelt und in unserem Inneren miteinander in Beziehung steht und miteinander verwoben ist. So entsteht ein Denkmuster, das uns darin unterstützt, die Welt als einen immerwährenden Wachstumszyklus zu verstehen. Die Entwicklung unserer Intuition hilft uns auch auf der logischen Ebene. Bei Nutzung der Fähigkeiten eines visualisierenden Geistes können Inhalte bestimmter Schulfächer besser aufgenommen werden. Die Gültigkeit dieser Theorie wurde bereits in der 'alternativen' Magnet Arts Grundschule in Eugene, Oregon, USA, nachgewiesen, wo Lesen und Schreiben gelehrt werden, indem die Schüler Stücke schreiben und sie aufführen. Elemente des Tanzes fließen in die Vermittlung von Mathematik und in den naturwissenschaftlichen Fächern wird auch die Herstellung von Musikinstrumenten gelehrt. Das Ergebnis spricht für sich: die Schülerinnen und Schüler der sechsten Klasse schnitten in einem Bezirkswettbewerb der Schulen als Beste im Lesen und als Fünftbeste in Mathematik ab.

Sowohl aus Sicht der Schüler als auch der Lehrer ist Yoga der Schlüssel zu einem besseren Bildungssystem. Hierdurch verstärkt sich der Kristallisationsprozess während der Wachstumsphase des Gehirns und des Geistes. Es werden praktische Methoden angeboten, um die dualen Aspekte unseres Wesens miteinander in ein Gleichgewicht zu bringen: Gehirn und Geist, Innen und Außen, Links und Rechts, intuitive und analytische Fähigkeiten. Jungen Menschen eröffnen sich lohnenswerte Ziele, wodurch die katastrophalen Auswirkungen einer schlecht bewältigten Identitätskrise vermieden und ihrem Leben eine positive Richtung gegeben wird.

Entspannung für Schulkinder

Suchen wir nach Wegen, die Gesellschaft, in der wir leben, besser zu gestalten, dann fällt der Bildung eine Schlüsselfunktion zu. Wie finden wir aber heraus, was die wichtigsten Inhalte sind und wie sie am besten zu unterrichten sind? Bisher lag der Fokus auf der Vermittlung von fachlicher Kompetenz und Entwicklung unserer intellektuellen Fähigkeiten. Ein großes Defizit war stets die Vermittlung sozialer Fähigkeiten, die uns zu besseren Menschen machen. Dieser Bereich wurde den Eltern und religiösen Institutionen überlassen. Angesichts des Zustands und der Möglichkeiten der heutigen Welt gibt es sicherlich vieles, was sich noch verbessern ließe.

Die Einführung von Yoga Übungen in den Lehrplan an unseren Schulen wäre ein großer Schritt zum Auffüllen der Lücken in unseren derzeitigen Bildungssystemen. Wir würden uns nicht nur zu besseren Menschen entwickeln, sondern auch besser Lesen, Schreiben und Rechnen lernen, da wir uns besser entspannen und konzentrieren könnten. Ein Forschungsbericht des Psychologen S.H. Harlem bestätigt diese Behauptung. Harlem griff bei seinem Experiment auf eine leicht abgewandelte Version der Yoga Entspannungsübungen zurück, die die Grundlage für die moderne Biofeedback-Methode sind. Die Versuchsgruppe bestand aus neunundzwanzig Schulkindern (im Alter von durchschnittlich sieben Jahren) und die Kontrollgruppe aus dreißig Schulkindern. Die Versuchsanordnung bestand darin, dass die Kinder in der Versuchsgruppe neben ihrem Unterricht täglich zehn Minuten Entspannungsübungen ausführten. Die Kinder in der Kontrollgruppe verbrachten diese zehn Minuten mit freiem Spielen. Nach zwei Wochen wurden die Kinder einer psychologischen Testreihe zur Untersuchung kognitiver Fähigkeiten und Muskelspannung unterzogen.

Bei den Kindern in der Versuchsgruppe wurden signifikante Veränderungen in allen Messwerten festgestellt: Bessere Werte bei Wahrnehmung, Konzentration, Gedächtnis und kognitiver Anpassung. Die Elektromyographie-Messwerte EMG der Muskelspannung ergaben eine größere körperliche Entspannung, was gleichzeitig ein Hinweis auf eine mentale Entspannung ist. Zudem waren die Kinder in der Lage, diesen Entspannungszustand über einen längeren Zeitraum aufrechtzuerhalten. Den Wert einer besseren Konzentrations- und Gedächtnisleistung schon in jungen Jahren wissen sicherlich alle zu schätzen, die die lange Schulzeit durchlaufen und die Torturen der jährlichen Abschlussprüfungen ertragen mussten. Wenn wir das alles nur schon damals gewusst hätten.

Sollte man darauf drängen, dass Kinder Yoga lernen, oder sollte man es ihnen überlassen?

Wenn du das in Bezug auf Yoga fragst, dann solltest du auch alles andere dem Kind überlassen. Kinder sind formbar, unschuldig und voller Hingabe. Sie glauben an eine höhere Wirklichkeit; aber sie brauchen das richtige Training. Es wäre gut, wenn die Erziehung für ein spirituelles Leben, zur Disziplin und Yoga so früh wie möglich beginnt.

Wenn beide, Eltern wie Kinder ein diszipliniertes und regelmäßiges Leben führen, wird sich das auf das Verhalten und die Persönlichkeit der ganzen Nation auswirken. Deine Nation, Regierung und Familie sind dein Stolz, und dieser Stolz ist Disziplin. All das, was Amerika, Deutschland, Russland und China geschaffen haben, entstand durch Disziplin. Das erste Yoga Sutra von Patanjali heißt: "Atha Yoga Anushasanam", was bedeutet, dass Yoga Disziplin ist. Es heißt nicht einmal, dass Yoga Übung ist.

Gib deinem Kind Disziplin, zuerst wenig, dann immer etwas mehr. Wenn du einen Bleistift zu stark aufdrückst, wird die Spitze abbrechen. Ein Kind sollte Disziplin im Lichte eines spirituellen Lebens und Yoga erhalten.

Gibt es allgemeingültige Regeln in Yoga, um Kinder aufzuziehen?

Eltern machen sich zu viel Sorgen um ihre Kinder. Kinder sollten unter Kindern leben; man sollte sie in Ruhe lassen, so dass sie allein wachsen können. Die Pflicht der Eltern ist es, auf die Kinder aufzupassen, solange sie unschuldig sind, so dass sie nicht in Schwierigkeiten kommen. Ich kann beobachten - und ich denke, die meisten werden mir zustimmen - dass Eltern sich so viel um ihre Kinder sorgen, dass sie aus diesem Grunde Fehler machen.

Yoga Unterricht für Kinder

Im 8. Lebensjahr mit Yoga-Unterricht beginnen!

Es ist Tradition, dass indische Kinder im Alter von 8 Jahren in Yoga eingeführt werden, und zwar während 'upayanvidhi', der Zeremonie des heiligen Bandes. In der frühen indischen Kultur lernten Knaben wie Mädchen Yoga-Übungen wie Surya Namaskara, Nadi Shodana Pranayama und das Gayatri Mantra, was gleichzeitig die erste Etappe ihrer Kindheit abschließt und den Beginn in das 'magische Alter` einleitet. Für die moderne Wissenschaft ist jetzt dieses Alter augenscheinlich wichtig geworden, da festgestellt wurde, dass das 8. Lebensjahr ein entscheidender Meilenstein in der physiologischen und psychischen Entwicklung eines jeden Individuums darstellt. Hier beginnt das Bewusstsein des Kindes in das eines Erwachsenen überzugehen. Es folgen einige Erkenntnisse über Kinder dieses Alters, die die Wissenschaftler entdeckt und gesammelt haben.

Die Anzahl der winzigen Luftbläschen (Alveoli) in den Lungen vermehrt sich bis zum 8. Jahr. Danach ist nur noch eine Vergrößerung der Luftbläschen möglich, eine Vermehrung findet jedoch nicht mehr statt. Ärzte haben festgestellt, dass dies der ideale Zeitpunkt ist, um mit täglichen Pranayama-Übungen zu beginnen. Auf diese Weise wird der Mechanismus des Gefäß- und Atemsystems systematisch trainiert und garantiert Vitalität, große Widerstandskraft und Ausdauer in allen Lebenssituationen.

Die Entwicklung und Programmierung des immunen Überwachungssystems erweitert sich schnell, schon im ersten Lebensabschnitt, d.h. in der Gebärmutter und der frühen Kindheit. Im Alter von 8 Jahren kommt dieser Prozess zum Ende, weil das lymphoide Gewebe der Thymusdrüse, eingewickelt um die Basis des Herzens und die Wurzel der Lungen, verkümmert und sich auflöst. Das Wesen und die Empfindsamkeit des Immunsystems, das später in jedem Individuum ansteigt, hat deshalb mehr oder weniger um das 8. Lebensjahr herum seinen Ausgangspunkt. Der psychologische und physiologische Prozess der Unterscheidungsfähigkeit zwischen 'ich` und 'den anderen`, das sich im spirituellen Leben als gewaltige doch illusorische Schranke des Ego manifestiert, ist durch den Zellstoffwechsel auch verantwortlich für Immunschwächen wie Asthma, allergische Reaktionen, Arthritis, Tumor und Krebs.

Yoga-Übungen wie Surya Namaskara und Nadi Shodana garantieren eine kontinuierliche und fortschreitende Entwicklung des Immunsystems ein Leben lang. Der Yogi ist also in der Lage, immer wieder die richtige Antwort oder Reaktion für eine Situation zu finden und sich der Realität des Lebens zu stellen. Das garantiert, dass er immer passend und positiv auf gesunde Art reagiert und nicht dem bis zum 8. Lebensjahr vorprogrammierten Zellencode folgt, bis zu dem Scheidepunkt nämlich, wo die Entwicklung des Immunsystems beim Durchschnittsmenschen beendet ist. Diese Unfähigkeit, Lebensumstände und Situationen in das vorher existierende zellulare Gedächtnis zu integrieren, ist eine der Ursachen von Immunschwäche und Überempfindlichkeitskrankheiten, die in der modernen Gesellschaft so sehr wuchern.

Die Zirbeldrüse, die einen kontrollierenden Einfluss über die Hypophyse und das ganze endokrine Drüsensystem hat, verkümmert allmählich im 8. Jahr. Dieses winzige Organ im Zentrum des Gehirns ist verantwortlich für die Erhaltung des erweiterten Bewusstseinszustandes des Kindes, ohne das in diesem Lebensalter störende sexuelle Bewusstsein und Rollenverhalten. Nach 8 Jahren beginnen allmählich die Fortpflanzungshormone zu fließen, die die Hypophyse produziert, und der Beginn der Pubertät setzt mit der Verkümmerung der Zirbeldrüse ein. Bei Kindern, die im 8. Lebensjahr mit Yoga beginnen, zieht sich der Anfang der Pubertät hinaus, so dass sie noch einige Jahre in der Kindheit leben können.

Das Erwachen emotionaler und sexueller Impulse und Leidenschaften des Erwachsenseins wird auf diese Art und Weise hinausgeschoben, bis der junge Mensch dazu bereit ist, es mit dieser emotionalen, psychologischen und physiologischen Revolution aufzunehmen, welche die männliche oder weibliche soziale Identität ankündigt. Bei Kindern, deren Pubertät und die erste Regelblutung später einsetzen, ist deutlich sichtbar, dass sie generell intuitiver, intelligenter und sensitiver aufwachsen, als Frühreife, die gezwungen sind, sich mit Konflikten und emotionalem Durcheinander des Erwachsenen auseinanderzusetzen, bevor sie dazu imstande sind, das zu bewältigen und zu verstehen, was innerhalb ihres Körpers und Verstandes geschieht.

Entsprechend der Aussagen von Psychologen entwickelt sich im ca. 8-jährigen Kind die Fähigkeit für abstraktes Begründen, Verständnis für Konzepte und Ideen, was Grundlage für die nun beginnende technische und moralische Erziehung ist. Es ist der Zeitpunkt, wenn ein Kind ernsthaft dazu bereit ist, zu lernen und sich zu konzentrieren. Vor dem 8. Lebensjahr besteht die Welt des Kindes aus Spielen und Fantasien; nach diesem Wendepunkt sollte das Kind allmählich mit Disziplin und Konzentration vertraut gemacht werden. Kinder, die von diesem Alter an Yoga praktizieren, sind auf dem Wege dahin, ihre natürlichen Eigenschaften, Kapazitäten und Talente zum vollsten Ausmaß auszuweiten, um ein erfolgreiches, sinnvolles und freiheitliches Leben zu führen.

Ab dem 8. Lebensjahr sollten Kinder in einer kulturellen und internationalen Atmosphäre erzogen werden. Es sind nicht Bücher, Gebete, Kirchen oder Tempel, die die Basis der spirituellen Bildung werden sollten. Die spirituelle Erziehung eines Kindes sollte mit der Kultivierung des eigenen Lebens beginnen. Ob es in einem Ashram, Kloster, Heim oder bei seinen Eltern lebt, ihm sollte die Gelegenheit gegeben werden, an der alltäglichen Arbeit teilzunehmen. Karma Yoga auf der ganzen Linie zu leben, ist die beste Möglichkeit, spirituelle Erfahrungen und spirituelle Samskaras in sich aufzunehmen.

Das Schicksal der gesamten Welt liegt bei den kleinen Kindern. Der silberne Streifen am Horizont wird nicht von dir oder mir gebildet, sondern von den Kindern, die Spiritualität in sich tragen.

Dr. Swami Karmananda Saraswati

Gebt euren Kindern die Möglichkeit zu wachsen!

Kinder sollten nur eine einzige Botschaft bekommen: "Steh auf und tu!" Nicht ein einziger Moment sollte mit nutzlosem Trachten vertan werden. Sie müssen abenteuerlustig und unternehmungsfroh werden. Wie lange können sie von jemand abhängig sein? Hilf ihnen, dass sie ihre Willenskraft stärken, sich für etwas Endgültiges entscheiden und sich dann Tag und Nacht da hineinstürzen. Das Leben verträgt keinen Aufschub. Tod ist eine Herausforderung, eine Warnung, ein Ruf, mit den Realitäten des Lebens fertig zu werden; diese Realitäten sind sehr aufregend, sehr romantisch und so neu!

Wenn ein Kind zur Welt kommt, bringt es dreierlei Samskaras mit. Erstens trägt es Karmas aus vergangenen Inkarnationen; zweitens die von seinen Eltern, und drittens die aus der Umgebung. Aus diesen Quellen hat es genug, um seine Karmas zu entwickeln, wachsen zu lassen, aufzubauen, zu zerstören oder zu vervielfältigen.

Eltern sind sicher ein wichtiger Faktor und Elternschaft ist ganz sicher eine bedeutende Lebensstufe. Kinder lieben die Freiheit - gib ihnen Freiheit. Kinder möchten sich nach ihren eigenen Vorstellungen entwickeln - gib ihnen die Möglichkeit. Versuche nicht, sie etwas anderes werden zu lassen. Wenn sie spielen möchten, lass sie. Wenn sie lesen möchten, lass sie. Wenn sie essen möchten, lass sie. Ob sie sich gut oder schlecht kleiden möchten; ob sie schreien, weinen oder leise sein möchten; ob sie sich auf dem Boden wälzen möchten - lass sie tun, was sie möchten.

Versuche nicht, sie sein zu lassen, wie du. Du gibst ihnen einige Spielsachen und sagst ihnen: "Sei brav, benimm dich gut, schrei nicht, sei anständig." Etikette, Manieren, Kultur. Nein! Du belästigt sie mit diesen Dingen zu früh. Wenn sie 19 oder 20 Jahre ihres Lebens hinter sich haben, dann kannst du ihnen sagen, wie sie sich benehmen sollen. Was ist Etikette, was sind Manieren für ein Kind von fünf Jahren? Mein Gott, du mordest sie, indem du ihnen deine Philosophie aufdrückst!

Was für dich richtig ist, ist für sie nicht richtig. Wenn dein Kind fünf Jahre alt ist, bist du mindestens 25 oder 30 Jahre älter. Was ist der Unterschied? Ein Abstand von mindestens 25 Jahren zwischen dir und dem Kind. Das, was du sprichst, ist vom Geisteszustand her 25 Jahre von dem deines Kindes entfernt. Du bist schon weit gereist. Ich bin 60, was kann ich einem 10-jährigen Kind beibringen? Ich weiß nicht, wie es denkt. Wenn wir Kinder etwas lehren wollen, müssen wir werden wie Kinder, denken wie Kinder, nur dann können wir das.

Noch etwas Wichtiges: Kinder von 5-10 Jahren oder auch älter, sollten immer mit Gleichaltrigen zusammenleben. Du kannst sie nur beschützen, versorgen, führen. Du kannst ihnen kein Lehrer sein, weil du zu alt für sie bist. Du kannst ihnen ein hübsches Zimmer einrichten, Bücher und dies und jenes besorgen, aber das ist auch alles! Lass sie mit Gleichaltrigen zusammen sein. Lass sie kämpfen und sich schlagen; lass sie schreckliche Dinge sagen und miteinander diskutieren, wie immer sie möchten; lass sie lesen oder nicht lesen. Natürlich musst du sie laut Gesetz zur Schule schicken, aber ansonsten mache dir keine Gedanken um deine Kinder.

Sie sind mit ihrer eigenen Lebensversicherung gekommen, ihrem eigenen Karma, sie sind mit allem ausgerüstet. Sie haben ihr eigenes Schicksal, ihre eigene Zukunft, alle körperlichen, mentalen, emotionalen, philosophischen und spirituellen Wachstumsmöglichkeiten. Wenn dein Kind philosophisch reden möchte, dann lasse es. Das bedeutet, wenn du nicht willst, dass dein Kind von deinen eigenen Persönlichkeitskonflikten belastet wird, dann ist das einzige, was du tun kannst (und du solltest es in jedem Fall tun, denn jeder hat seine Konflikte), ihm eine freie Atmosphäre zu geben. Wenn es sich vollkommen frei fühlen kann, dann wirst du später merken, dass dein Kind deine guten Karmas übernommen hat, aber deine Persönlichkeitskonflikte hat es nicht übernommen. Es entwickelt sich vollkommen anders als du, was die Lebensäußerung betrifft.

Dies ist sowohl in den westlichen als auch in den östlichen Ländern ein sehr heikles Thema. Ich bin schon müde, immer wieder darüber zu sprechen, denn ihr versteht nicht. Ihr versteht nicht, weil Kinder für euch euer Spielzeug sind. Auf sie habt ihr eure Neurosen gepackt; auf sie häuft ihr alle eure Eigenheiten, eure Verrücktheiten. Ihr schaut sie an und wisst nicht, warum ihr sie zur Welt gebracht habt. Ihr kennt den Sinn nicht. Ihr nennt es Liebe, aber es ist keine Liebe; es ist Neurose, und ich möchte sagen, dass die meisten Eltern neurotisch sind.

Wenn dein Kind nicht in die Kirche möchte, zitterst du und sagst: "Mein Gott! Mein ganzes Leben habe ich auf die Bibel vertraut; ich habe Christus und der Kirche vertraut; nicht einen Sonntag habe ich ausgelassen. Dieses Kind spricht solchen Unfug 'Wo ist Gott?'. Es ist nicht mein Kind. Das kann nicht mein Sohn sein, er ist nicht wie ich!" Und du bist ständig über ihn verärgert.

Weil du Katholik oder Protestant oder Hindu bist, soll dein Kind ebenfalls Katholik oder Protestant oder Hindu werden. Weil du Yoga machst, soll dein Kind ebenfalls Yoga machen. Weil du dich so kleidest, soll dein Kind sich auch so kleiden. Wenn es möchte, lasse es. Wenn es eine Yogaklasse im Ashram besuchen möchte, du magst den Platz aber nicht, lasse es trotzdem dorthin gehen, denn seine Wahl muss respektiert werden, nicht deine Wahl. Wenn du sein Vater oder seine Mutter bist, ist es auch dein Kind. Wer ist besser, höher? Sage es mir. Wer ist übergeordnet? Wer ist größer? Wer ist wichtiger, dein Kind oder du? Du kannst nicht sagen, dass du wichtiger bist. Dein Kind ist wichtiger, und du weißt es, möchtest es aber nicht wahrhaben.

Das ist ein großes Problem in der ganzen Welt, und ich glaube, ich kann keinen besseren Rat geben als diesen: Lasse deine Kinder mit der Natur leben; lasse sie denken, wie sie möchten, essen, was sie möchten, sagen, was sie fühlen; lasse sie glauben oder nicht glauben. Lasse sie Yoga oder Bhoga machen. Lasse sie Hindus, Christen oder Moslems sein oder gar keine Religion haben. Wenn sie in einer neuen Welt leben möchten, dann gib ihnen totale Freiheit, so dass sie sich ihren eigenen Lebensstil formen und aufbauen können.

So oft kann man in den Zeitschriften Artikel lesen wie 'Die neue Welt`, 'Der neue Weltorden`. Ein neuer Weltorden mit diesem alten Plunder? Wir sind verrottetes altes Zeug, indoktriniert von unseren Eltern, Sklaven unserer Philosophie. Wir folgen ihnen. Der Weg, den wir gehen, ist nicht unser eigener Weg. Wir gehen in ihren Fußspuren. Lasst unsere Kinder anders sein!

Ein oder zwei Generationen wird Anarchie sein, Durcheinander, Verwirrung - Kinder, die ihre eigenen Sachen machen, Fußball mitten auf der Straße spielen, und wild hupende Autos, so wie in Indien. Aber nach drei oder vier Generationen wird sich alles von allein verändern, eine neue Evolution wird einsetzen, und der neue Weltorden wird spontan, selbst erschaffen und kollektiv sein. So ein Weltorden ist kein von der Regierung gelenkter Orden. So etwas kann nicht durch Regierungen entstehen; Gesellschaft und Recht schaffen es nicht und Religionen erst recht nicht. Wir werden ganz einfach so leben, und das ist 'Der Himmel auf Erden'. Ist Yoga gleichbedeutend mit Rückzug aus dem Leben? Macht uns Yoga egoistisch, introvertiert und entfernt uns dem christlichen Leben?

(Aus: Yoga Heft Nr. 5) - Swami Satyananda Saraswati

Wie wir die Bürger von morgen formen/h2>

Kinder im Geiste von Yoga erziehen

Kinder sollten von Eltern und Lehrern in der richtigen Weise geformt werden. Sie sind hochgradig beeinflussbar, so wie weiches Metall. Sie tun alles, was man ihnen sagt. Sie machen von Natur aus alles nach, dein Verhalten werden sie kopieren. Sie sind äußerst lernbegierig. Sie sind mutig. Vor nichts haben sie Angst, auch nicht vor ablehnender Kritik.

Wenn wir ihnen den Weg eines guten Lebens zeigen, wenn wir sie zu physischer und mentaler Gesundheit und hohen Idealen inspirieren können, dann werden sie die idealen Menschen werden. Jeder pflichtbewusste Lehrer sollte eine gesunde Lebenseinstellung und das Gefühl des Glücklichseins in den Kindern, für die er verantwortlich ist, fördern.

Er selbst sollte ein hervorragender Mensch sein. Er selbst sollte den Sonnenschein in sich tragen, wenn er die Kinder strahlend und gesund sehen will. Er selbst sollte voller Leben, Licht und Freude sein.

Er sollte mit göttlichen Attributen und guter Gesundheit ausgestattet sein, voller Elan, Energie und Vitalität. Ein unglücklicher, sorgenvoller, kränklicher Lehrer, angefüllt mit privatem Kummer und Jammer, kann die Kinder nicht führen und sie zu einem hohen Lebensideal emporheben. Er sollte sich zuerst selbst einer Erziehung unterziehen.

(Aus: Yoga Heft Nr. 18) - Swami Sivananda Saraswati

Können Mantras und Musik Kindern beim Lernen helfen?

Eine Methode, um die Aufnahmefähigkeit zu erhöhen, ist die Entspannung des Gehirns durch ein Mantra. Noch wirkungsvoller ist jedoch die Visualisierung eines Yantra, was wenig Eltern wissen. Diese Methode ist direkter, weil sie nicht ganz so entspannend wirkt, wie ein Mantra. Durch ein Yantra entsteht eine innere Dynamik und ein inneres Erwachen.

Wenn gewünscht wird, dass sich Kinder entspannen, wird das meistens mit Musik versucht. Wenngleich das nicht verkehrt ist, so sollte immer bedacht werden, dass das Hören von Musik in gewisser Weise Inaktivität erzeugt. Natürlich gibt es Musik, die Kinder ausdrucksstark macht, sie wachrüttelt (und dazu gehört Kirtan), doch meistens erzeugt sie eine Art Trägheit oder Schläfrigkeit im Geist. Trägheit und Inaktivität sind keine yogischen Eigenschaften, besonders dann nicht, wenn es Sinn und Zweck ist, die Potentiale in einem Kind zu erwecken.

Musik ist zwar ein Teil von Yoga und Musik nimmt auf dem Yogaweg einen wichtigen Platz ein. Es spielt jedoch eine große Rolle, für welche Musik wir uns entscheiden. Das Chanten von Mantras und Kirtan hat eine positive Wirkung auf das Gehirn. Bei unsystematischer oder die Sexualität stimulierender Musik wissen wir oft nicht, was wir damit anrichten können.

Noch immer wenig bekannt ist dagegen das Visualisieren eines Yantras. Diese yogische Übung ist ausgesprochen dynamisch und aktivierend. Durch die Wahrnehmung des Yantras werden ununterbrochen Schwingungsmuster im Bewusstsein erzeugt, die allmählich auf höhere Wahrnehmungsebenen führen und von hier kann keine Rückwärtsbewegung eintreten. Die Konzentration auf ein bestimmtes Yantra regt einen entsprechenden Archetyp im Gehirn an, so dass ein Erwachen auf höherer Ebene stattfinden kann.

Wir sollten also darauf bedacht sein, das kindliche Gehirn auf aktive Weise wach zu rütteln. Jede Übung, die wir einem Kind geben, sollte Bewegung oder eine Art Erwachen möglich machen und hier nehmen Yantras einen herausragenden Platz ein.

(Aus: Yoga Heft Nr. 18) - Swami Satyananda

Yoga Unterricht in der Schule

Ich bin Englischlehrerin und unterrichte außerdem auch Yoga. Lange Zeit trennte ich beides voneinander; Englisch unterrichtete ich in meiner Schule und Yoga in meinem Ashram. Aber plötzlich änderte sich etwas: ich stellte fest, dass mein Englischunterricht auf fast unmerkliche Art besser wurde, weil ich Yoga lernte und weitergab. Das war zwar eine wichtige Erkenntnis, aber es kam noch etwas hinzu.

Ich bekam eine Antwort auf die Frage, die ich mir seit Beginn meiner Karriere als Englischlehrerin immer wieder stellte. Ist Unterrichten das, was ich gelernt habe, ist es wirkliches Lehren, oder verändere ich die Kinder nur aus ihrer ursprünglichen Form? Schließlich konnte ich sehen, dass ich durch meine eigene Veränderung in einer Weise unterrichtete, die sowohl für mich selbst wie auch für die Kinder zufrieden stellender war. Ich machte mir Gedanken über den Unterrichtsverlauf und experimentierte in meiner Klasse. Ich brachte den Kindern Yoga nahe, ohne Yogaunterricht zu geben. Es gab nicht freitags oder mittwochs Yogastunden, sondern ich bringe Yoga in den Klassenraum in dem Moment, wenn ich sehe, dass die Kinder nicht weiterkommen. Sie können dem gar nicht entfliehen.

Da ich außerhalb der Schule Yogalehrerin bin, ist das mein Image, d.h. die Kinder haben eine Englischlehrerin, die mit Yoga zu tun hat; das ist einfach nicht zu übersehen, und sie scheinen auch ihre Freude daran zu haben. Da sie mich nun einmal haben, müssen sie meine Methode annehmen. So wurde ich in Frankreich bekannt als Lehrerin, die Englisch mit Hilfe von Yoga unterrichtet.

Das alles begann mit dem Ereignis, als Swamiji Satyananda in Condorcet, der Oberschule, an der ich unterrichte, einen Vortrag hielt. Journalisten waren anwesend und hörten ihn sagen, dass Yoga für Kinder so gut sei, und sie fragten natürlich, wo man das einmal in life sehen könnte. Nach den Ferien kamen sie in meine Klasse und schauten zu. Das war 1979. Seitdem wird über dieses Experiment immer wieder in den Zeitungen berichtet.

Es war ein Glück, dass wir die Hilfe eines jungen Mannes aus der Schweiz hatten, sein Name ist Jacques de Coulon. Er ist Lehrer und hat ein Buch mit dem Thema 'Yoga für Kinder` geschrieben. Er führte seine Schüler in die Yoga-Übungen ein, die er während eines Bildungsurlaubs in der Coptic Schule in den USA gelernt hat. Er lernte dort Übungen, die aus dem antiken Ägypten stammen. Nach seiner Rückkehr schrieb er einen Artikel: 'Erwecken und Harmonisieren der kindlichen Persönlichkeit'. Er hörte von meinen Experimenten in Paris und schrieb mir, dass ihm unsere Experimente sehr verwandt erscheinen. Ich las sein Buch, traf den Autor, und heute arbeiten wir zusammen und organisieren Seminare.

Mit dem theoretischen Hintergrund und der praktischen Arbeit am College Condorcet in Paris sind wir in Frankreich anerkannt, und heute geben viele Lehrer unsere Übungen in ihren eigenen Klassen weiter. Die Bewegung, die gerade erst begonnen hatte, wuchs schnell, und ich versuche, den Grund für diesen Erfolg zu erklären.

In den regelmäßig stattfindenden Yogaklassen besteht ein großer Teil der Teilnehmer aus Lehrern oder Erziehern. Warum machen so viele Menschen aus Lehrberufen Yoga?

Ich glaube, im Laufe der Zeit werden sich immer mehr Lehrer Yoga zuwenden. In Frankreich, England, Schottland, Irland, Deutschland - überall auf der ganzen Welt kommen immer mehr Lehrer zu Yoga. Sie machen Yoga, weil ihre Vitalität durch ihre tägliche Anwesenheit im Klassenraum nachlässt.

Früher war es so, dass die Menschen körperlich hart arbeiteten: Holzhacken, Wassertragen, Fußböden scheuern - mit Hand, nicht mit Maschinen - und vieles andere. Obwohl sie jetzt nicht mehr so hart arbeiten, sind sie trotzdem sehr müde. Im allgemeinen sind Lehrer physischer Arbeit gegenüber nicht abgeneigt, und sie haben häufig Ferien (das ist jedenfalls ihr Ruf), trotzdem sind sie extrem übermüdet. Wenn die Ferien vor der Tür stehen sind sie vollkommen erschöpft. Sie wissen, dass diese Müdigkeit durch Schlaf nicht überwunden werden kann. Es muss Wege geben, wie die durch das Unterrichten wegfließenden Energien wieder zurückgewonnen werden können.

Man kann wirklich schwerlich erkennen, woher diese Müdigkeit kommt. Als ich Yoga machte, nahm meine Energie plötzlich zu. Ich erkannte, dass ich durch Yoga das gewinne, was zur Ausübung meines Berufes notwendig ist. Ich glaube, dass es für andere Lehrer genauso ist, wie für mich: Yoga hilft ihnen. Ich versuche, einige Punkte zu klären, die Probleme betreffen, denen der Lehrer im traditionellen Klassenraum begegnet und wie durch Yoga Hilfe kommen kann.

Erstens ist der Beruf so ermüdend, weil Kinder viel Bewegung brauchen, und wenn sie für 3 bis 6 Stunden im Klassenraum sitzen müssen, werden sie sehr nervös. Durch die Nervosität werden sie sehr unruhig und wild, möchten herumlaufen und reden. Der Lehrer muss also ständig auffordern: "Seid still!" "Hört zu!" "Passt auf!" Aber niemand hat ihnen jemals gesagt, wie sie aufmerksam sein sollen. Sie sollen 'aufpassen`, und wenn sie aufpassen, verspannen sich ihre Körper; statt sich für das zu öffnen, was der Lehrer sagt, schließen sie sich ein. Wir müssen ihnen auf irgendeine Art zeigen, wie sie ihre Ohren, ihr Bewusstsein öffnen können, und dafür müssen sie ganz sicher still sein. Das ist das große Problem für Lehrer: Für Kinder ist es sehr schwer, bewegungslos zu bleiben. Wenn wir wollen, dass sie lernen, müssen wir sie irgendwie stille halten, aber nicht verspannt.

Der Lehrer beobachtet die Klasse unentwegt und sieht, was alles vor sich geht: Ein Kind hört nicht zu, ein anderes hampelt dauernd herum - das wiederum bringt den Lehrer in Spannung. Er kann nicht einfach entspannt unterrichten, weil er die ganze Zeit aufpassen muss.

Und weiter: Der Lehrer muss sehr viel sprechen; und Sprechen ist anstrengend, das ist nicht zu verkennen. Wenn man lange spricht, trocknet der Mund aus, man muss sich konzentrieren, man muss laut sprechen, damit alle verstehen, was man sagt. Viele Lehrer haben niemals gelernt, ihre Stimme zu kultivieren, das ist eine Kunst. Als Schauspieler oder Fernsehsprecher (nicht nur als Sänger), musst du wissen, wie und in welcher Höhenlage du deine Stimme lenkst. Weil sie so viel Energie durch das Sprechen verlieren, ermüden Lehrer so leicht oder werden depressiv.

Durch lautes Chanten des Mantras OM, mindestens 24 Mal am Tag, kannst du deine Stimme entwickeln, das jedenfalls habe ich für mich herausgefunden. Ich habe niemals irgendwelche Sprecherziehung gehabt, aber durch diese Übung hat sich meine Stimme zum Positiven verändert.

Ein weiterer Faktor, wie Yoga hilft, ist der, dass jeder Lehrer die Natur des Kindes besser verstehen lernt. Die Yoga-Wissenschaft lehrt, dass keine Trennung zwischen Körper und Bewusstsein existiert. Aber in unserem Beruf neigen wir dazu, nur den Verstand des Schulkindes zu sehen. Sehr bezeichnend für diese Tatsache ist, dass die Kinder immer sitzen und nur ihr Oberkörper sichtbar ist, um den anderen Teil des Körpers kümmern wir uns nicht. Und dann haben sie ihre Arme zu heben. Das Kind ist in zwei Bereiche unterteilt: Der obere muss reagieren, der untere ist nicht existent.

Wenn wir das Kind als Ganzes schon reduzieren müssen, dann wäre es bedeutend besser, sich auf das Gehirn zu konzentrieren; aber zur Kultivierung des Gehirns machen wir nichts. Das Gehirn ist nicht nur ein abstraktes Werkzeug des Intellekts, sondern ebenso ein physisches Organ; die Sauerstoffversorgung ist daher äußerst wichtig. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass das Gehirn mehr Sauerstoff benötigt, als irgendein anderes Organ im Körper. Was tun? Die Kinder müssen fast die ganze Zeit still sitzen - wie soll da das Gehirn vernünftig versorgt werden?

Es ist wirklich kein Wunder, dass junge Menschen in Frankreich und vielen anderen Ländern gegen das System rebellieren. Es wird höchste Zeit, dass wir uns etwas einfallen lassen. In Frankreich ist es gerade Mode, dass jeder irgendwie das System verändern will. Es wird so viel über die Veränderung des Erziehungssystems gesprochen, und ich bin überzeugt, dass Yoga hier eine wichtige Rolle zu spielen hat, weil hier ein Standpunkt für die Evolution existiert und eine Diagnose, wo der Fehler liegt, vorhanden ist. Außerdem gehen wir in Yoga davon aus, dass das Kind nicht nur einen Körper hat, sondern mehrere, und diese verschiedenen Hüllen müssen in Harmonie miteinander kommen.

Ich möchte einige Beispiele geben:

Das Kind hat zu viel Schokolade gegessen und hat am nächsten Tag Mathematik. Es möchte aufpassen, denn es mag den Lehrer gern, der trotz allem ja sehr nett ist; außerdem will er Mathematik lernen, denn seine Eltern haben ihm gesagt, dass er ohne dieses Wissen keinen guten Job findet. Er möchte also aufpassen, aber 'Oh weh, zu viel Schokolade!' Da gibt es kein Ausweichen, denn wenn Körper und Intellekt nicht miteinander harmonieren, gibt es Probleme.

Ein anderes Beispiel: Ein Kind hat sich im Turnunterricht ausgetobt und kommt atemlos in den Englischunterricht. Aus dieser physiologischen Aufwallung heraus kann es sich nicht konzentrieren und das meiste geht in ein Ohr hinein und aus dem anderen heraus. Der Atem müsste nun beruhigt werden, dann erst kann es zuhören und sich konzentrieren.

Ein anderes Beispiel betrifft den Mentalkörper. Am Abend vorher hat das Kind im Fernsehen Fußball oder Dracula oder 'Frankensteins Braut` oder etwas ähnliches gesehen. Während des Unterrichts am nächsten Tag erinnert es sich daran und ist gedanklich ganz woanders. Der Lehrer erklärt etwas, aber das Kind ist abwesend. Es gibt Erwachsene, die sich noch an ihre Visionen und Tagträume auf der Schulbank erinnern können.

Das letzte Beispiel betrifft die Probleme, die so viele Kinder in ihren Familie haben. Auch das stört ihre Fähigkeit, sich zu erinnern. Der physische, der emotionale und der mentale Bereich der Persönlichkeit müssen also ausgeglichen sein, damit Lernen überhaupt erfolgen kann.

Wenn der Lehrer vernachlässigt, auf diejenigen Spannungsbereiche zu achten, die den tiefen Wunsch, zu lernen, verdecken, dann kann sich das Kind nicht konzentrieren. Yoga-Übungen sind hilfreich, um mit diesen Schwierigkeiten umzugehen, z.B. beginnen wir den Unterricht oft mit kurzen Atemübungen - eine außergewöhnliche Methode!

Atemübungen sind nicht so einfach, wie sie aussehen und werden auch erst nach einiger Zeit eingeführt. Ein Lehrer oder Erzieher sollte die Reaktion seiner Schüler immer im Auge haben. Wenn er bemerkt, dass die Kinder müde werden oder sich langweilen, dann muss er sofort mit etwas anderem beginnen. Der Unterricht sollte mit verschiedenen Übungen gespickt sein. Kinder lieben Bewegung und Abwechslung, sie mögen nicht ständig die gleichen Übungen wiederholen. Der Lehrer wird unweigerlich versagen, wenn er nicht viele Tricks anwendet, um Lustlosigkeit in seiner Klasse zu vermeiden. Kinder wollen Veränderung und Unterhaltung, und wenn sie es langweilig finden, dann sei unbesorgt - sie werden es dich schon wissen lassen. Ein Teil meines Jobs wurde es deshalb, eine ganze Skala verschiedener Übungen für den normalen Unterricht zu kreieren.

Ein Lehrer, der Kindern Yoga vermittelt, muss so vor seinen Kindern sitzen, wie ein Pianist vor seinem Flügel. Er hat viele Tasten zur Verfügung, schwarze und weiße. und er muss entsprechend der Situation, entsprechend der Zeit und entsprechend der Altersgruppe spielen. Er muss viele Musikstücke auf Abruf bereit haben. Mit älteren Kindern kann man z.B. nicht alles machen. Kindergartenkinder werden nicht dasselbe machen, wie 15-jährige Teenager.

Zur Zeit wird zu dem Thema Yoga für Kinder viel erforscht. Ich wurde von Swamiji Satyananda inspiriert, aber jeder kann seine eigene Quelle der Inspiration finden. Worauf ich hinaus möchte ist, dass ein Lehrer beides verstehen muss, die Idee von Yoga und die Natur des Kindes. Er muss eine Vorstellung davon haben, wohin Erziehung führen soll. Es gibt eine enge Verbindung zwischen Yoga und Erziehung. Schließlich haben Yogis immer betont, dass das menschliche Wesen noch kein Mensch ist, sondern im Moment eher noch ein höheres Tier. Aber mit und durch Yoga kann er wirklich zum Menschen werden.

Wenn wir Kinder haben, möchten wir, dass sie wachsen. Als wahre Erzieher und Yogis sollten wir das Ziel vor Augen haben, dann werden wir auch einen Weg finden. Wenn du sehr genau weißt, was du willst, dann zeigt sich immer ein Weg, aber wenn du keine genaue Vorstellung hast, wie ein Hinführen zum wahren Menschsein aussehen soll, wirst du dich mit Techniken zufrieden geben und keinen Erfolg haben. Wenn der Wille falsch ist, dann kann der Weg auch nicht richtig sein.

Letztendlich ist die Evolutionsebene des Lehrers am wichtigsten, und ich vertraue darauf, dass du das erst einmal für dich herausfindest. Bevor wir einen Versuch machen, die Klassensituation zu verändern, sollte der Lehrer versuchen, sein Leben durch Selbstdisziplin zu verändern. Und seine innere Erneuerung wird er in die Erziehung hineintragen.

(Aus: Yoga Heft Nr. 18) - von Swami Yogabhakti Saraswati