Was sind die Koshas?

Seit tausenden von Jahren behaupten die Yogis, dass die Existenz des Menschen weit über das hinausgeht, was das Auge sehen kann. Natürlich nimmt jeder sich selbst durch die Fähigkeit des Denkens und des Erkennens wahr. Aber die menschliche Existenz ist sehr viel mehr als nur Materie und Intellekt. Wenn wir nun Körper und Bewusstsein durch feinere Augen sehen könnten, wenn wir den Körper hinter dem Körper und das Bewusstsein hinter dem Gemüt entdecken könnten, was würden wir sehen?

Zuerst einmal würden wir die tiefer liegende Energiestruktur erkennen, die unseren physischen Körper zum Leben erweckt. Noch sehr viel feinstofflicher ist dann der Ablauf, der durch unser Bewusstsein und unsere Gedanken entsteht. Hinter diesem Bewusstsein würden wir erkennen, dass ein noch höheres Bewusstsein arbeitet, wir nennen es die Intuition. Und hinter der Intuition würden wir etwas erleben, was nichts weiter ist als die absolute Wirklichkeit unseres Seins.

Pancha Kosha - Die fünf Hüllen

In Swara Yoga wird der Mensch so betrachtet, dass er aus fünf Existenzebenen aufgebaut ist, den `Pancha Koshas'. Jedes Kosha weist auf eine bestimmte Existenzsphäre hin; und das Wort `Maya', das in den folgenden Namen auftaucht, bedeutet sich bilden. `Annamaya Kosha', die erste Hülle, bildet sich aus Anna, aus Nahrung. Es ist der physische Körper und das Gehirn. `Pranamaya Kosha', die zweite Hülle, bildet sich aus Prana. `Manomaya Kosha', die dritte Hülle, bildet sich aus Manas, den Gedanken. `Vigyanamaya Kosha', die vierte Hülle, bildet sich aus dem inneren Wissen, der Intuition. Und `Anandamaya Kosha' besteht nur noch aus der subtilsten, allerfeinsten Erfahrung von Ananda, der Glückseligkeit.

Kosha oder Körper erfahren als:



Psychologische Dimension Physiologische Ebene
Annamaya Kosha
(fester Körper)
Wahrnehmung des physischen Körpers
Pranamaya Kosha
(Pranakörper)
Wachbewusstsein, wache Bewusstheit
Wahrnehmung der Körperfunktionen wie Verdauung Kreislauf usw.
Mananomaya Kosha
(Mentalkörper)
Wahrnehmung mentaler u.emotionaler Abläufe
Unterbewusstes, träumende Bewusstheit
Vigyanamaya Kosha
(Intuition)
Wahrnehmung von psychischen u. kausalen Dimensionen
Anandamaya Kosha
(Glückseligkeit)
volle Bewusstheit
Unbewusstes
Tiefschlaf, homogene Wahrnehmung, Meditation, Unbewusstes



Die drei Bewusstseinszustände - Wachbewusstsein, Unterbewusstes und Unbewusstes - erleben wir in den verschiedenen Hüllen. Jede der Bewusstseins- und Körperfähigkeiten wird aus dem Material dieser Hüllen gebildet.

Alle Hüllen durchdringen einander, beeinflussen einander und wirken aufeinander ein. Pranamaya Kosha ist die Verbindung zwischen Wachbewusstsein und Unterbewusstsein. Vigyanamaya Kosha ist die Verbindung zwischen Unterbewusstsein und Unbewusstem. Aus diesen fünf Hüllen ist jeder menschliche Körper gebildet, was du als physischen Körper wahrnimmst, ist nur ein winziger Teil des ganzen Gebildes.

Wenn du in Swara Yoga den körperlichen Atem in der Nase spürst und mit dem Swara Fluss im Einklang handelst, dann benutzt du dein Bewusstsein und deinen physischen Körper, Annamaya Kosha. Wenn du den Atem und den pranischen Fluss manipulierst, stimulierst du Pranamaya Kosha. Zur Konzentration wird Manomaya Kosha benutzt. Wenn man mit einem Tattwa Yantra die Übung Trataka ausführt, dann erweckt man Vigyanamaya Kosha. Um auf Anandamaya Kosha einzuwirken, ist keinerlei Meditation mehr notwendig, denn hier ist das Bewusstsein so ausgedehnt, und die rein sinnliche Wahrnehmung so weit gewichen, dass keinerlei Möglichkeit der Steuerung mehr besteht.

Evolution durch die Koshas

Während der verschiedenen Inkarnationen hat sich das Bewusstsein simultan mit den mentalen und physischen Fähigkeiten, durch die es etwas erfahren konnte, entwickelt. Wir verweisen hier nicht auf Darwins Theorie der natürlichen Evolution der Spezie und des Tierkörpers. Hier sprechen wir vom Aufstieg und von der Evolution des Bewusstseins. Mit Hilfe der Materie entwickelt sich das Bewusstsein und geht darüber hinaus. Somit ist die Evolution ein Prozess der Transformation.

In den unteren Stufen ist das Leben von den Naturgesetzen abhängig, aber wenn wir in die Sphäre der menschlichen Erfahrungen kommen, eröffnet sich die neue Fähigkeit der bewussten Wahrnehmung. Diese Wahrnehmung, die es uns ermöglicht, den Evolutionsprozess zu beschleunigen, ist Yoga. Die Bedeutung von Swara Yoga liegt darin, dass wir uns sehr viel schneller auf die höheren Schwingungsebenen begeben können.

Im Laufe der Zeit entwickelt sich Materie in Energie, und dann in reines Bewusstsein. Energie hat sich aus Materie entwickelt. Was die natürliche Evolution des menschlichen Körpers betrifft, ist dies ein langsamer, allmählicher Prozess. Vor Millionen von Jahren war die menschliche Form fast die gleiche wie heute. Vielleicht war sie ein bisschen größer, kleiner, dicker oder dünner, das hing von den Umweltbedingungen ab. Das menschliche Gehirn war allerdings viel kleiner, aber es ist auch jetzt noch nicht voll intakt, denn, wie wir wissen, ist nur ein Bruchteil des Gehirns in bewusster Tätigkeit, neun Zehntel warten noch darauf, erweckt zu werden. Es ist eine physiologische Tatsache, dass der instinktive Teil des Gehirns ständig benutzt wird, während die höhere, vordere Region nur selten in Tätigkeit kommt. Der Sinn von Swara Yoga ist es, diese schlafenden Zentren zu erwecken.

Was die Evolution betrifft, ist unser Bewusstsein noch immer in Annamaya Kosha verhaftet, im Reich der Materie. Erst die höheren Hirnzentren dringen in die feinstofflichen Koshas ein. Der modernen Wissenschaft ist bisher nur wenig über die `stillen Bereiche' des Gehirns bekannt, erst langsam wird man sich der verschiedenen Funktionsweisen bewusst.

Der Mensch muss die verbleibenden neun Zehntel seines Gehirns aktivieren, da gibt es keinen Zweifel. Dies ist der Evolutionsverlauf, und er kann durch ein wissenschaftliches System nur beschleunigt werden. Die vollkommene Transformation kann in einem einzigen Leben stattfinden, wenn man regelmäßig Yoga macht. Genauso wie Materie durch Hitzeanwendung künstlich in Gas verwandelt werden kann, ebenso kann das grobe Bewusstsein durch das `Feuer von Yoga' in reines Bewusstsein transformiert werden.

Die Yogatechniken regulieren das innere Körpersystem so, dass der Pranafluss sich ohne Blockierung frei entfalten kann. Das Quantum an Prana muss erhöht werden, wenn es vital und kraftvoll sein soll. Nur so können wir die schlafenden Bereiche im Gehirn erwecken. Und dafür ist Swara Yoga essentiell.

Evolution bedeutet das Aufsteigen der individuellen Wahrnehmung aus der materiellen Welt in subtilere und höhere Ebenen der Existenz, wo die Bewusstheit größer wird und sich von Annamaya Kosha zu Vigyanamaya Kosha und dann sogar zu Anandamaya Kosha ausdehnt. Nur das ist das Ziel von Swara Yoga. So sollten wir die Wissenschaft der Rishis, der großen Seher der Vergangenheit, erkennen, sie richtig interpretieren und in unser tägliches Leben integrieren, so dass wir an ihrer Verwirklichung teilhaben können.