Das Erbrechen von Salzwasser

Das Verdauungssystem kann uns helfen, das Leben zu genießen, wenn wir uns richtig darum kümmern, und ein Weg dahin führt durch Kunjal Kriya. Wir weisen immer wieder darauf hin, dass das Verdauungssystem für die meisten Menschen der Schlüssel zu besserer Gesundheit ist. Durch diesen Zugang kann der ganze Körper mit all seinen Systemen zu seinem normalen, d.h. guten Gesundheitszustand zurückgebracht werden. Obwohl diese Reinigungstechnik das Verdauungssystem direkt betrifft, wird man ihre Auswirkungen und Rückwirkungen im ganzen Körper spüren.

Die Durchführung von Kunjal Kriya

Kunjal wird durchgeführt, indem du lauwarmes Salzwasser trinkst bis zu dem Punkt, an dem du Brechreiz verspürst. Das Wasser sollte lauwarm sein und ungefähr ein bis zwei Teelöffel Salz auf einen halben Liter Wasser enthalten. Du solltest mindestens sechs Gläser Wasser trinken, aber wenn du kannst, trink mehr - bis zu dem Punkt, an dem du nicht einmal mehr ein Schlückchen zu dir nehmen kannst. An diesem Punkt wirst du vielleicht automatisch brechen, wenn nicht, leg zwei Finger in den Hals und massiere den Zungenrücken so weit unten wie möglich. Wenn du ihn drückst, wirst du den Brechreiz spüren, den "Mundsperre-Reflex", wie er in der medizinischen Terminologie genannt wird. Wasser wird aus deinem Mund kommen in einer schnellen Serie von Schwällen. Übe weiter Druck aus, bis der Magen leer ist.

Diese Technik sollte am Morgen auf nüchternen Magen durchgeführt werden. Anschließend machst du Jala Neti.

Nach Beendigung der Übung ist es am besten, wenn du zwanzig Minuten oder eine halbe Stunde wartest, bevor du etwas isst. Die Magenschleimhaut sollte Gelegenheit haben, sich zu erneuern, bevor der Verdauungsprozess anfängt, Säuren auf ihre empfindliche Oberfläche auszugießen. Beachte: Diejenigen, die an irgendeiner chronischen entkräftenden Krankheit leiden, an akutem Magengeschwür, Magendurchbruch oder Leistenbruch, hohem Blutdruck, einem Herzleiden oder Speiseröhrenkrampf, sollten Kunjal nur unter der Anleitung eines qualifizierten Yogalehrers oder in einem Ashram praktizieren.

Kunjal und Erbrechen

Kunjal hat keine unangenehmen Empfindungen, die gewöhnlich mit Erbrechen assoziiert werden, wie Ekel und schlechter Geruch. Das Wasser, das hochkommt, ist gewöhnlich sauber und geruchlos. Das beigegebene Salz entfernt die Säure, indem es sie neutralisiert, und dies beseitigt das Gefühl des Brennens. Das Wasser enthält keine festen Bestandteile, und so kommt es schnell und leicht heraus. Nachdem man es einige Male gemacht hat, wird Kunjal ein Vergnügen.

Auf viele Leute wirkt Kunjal Kriya zunächst eigenartig und fremd. Diese geistige Haltung ist die größte Barriere gegen die Durchführung von Kunjal Kriya. Aber sie kann überwunden werden, wenn man die Erfahrung macht, dass Erbrechen, das nicht von Übelkeitsgefühlen begleitet wird, ein Vergnügen sein kann. Erst wenn du Kunjal praktiziert hast und die Ergebnisse wahrzunehmen beginnst, erst dann kannst du urteilen, nicht vorher. Wenn du durch diese Technik immer gesünder wirst, wird dein Körper morgens und abends nach Kunjal verlangen.

Wir haben viele Leute getroffen, die nicht einen Tag auslassen, ohne Kunjal durchzuführen, da sie sich sonst innerlich "schmutzig" fühlen und die Wohltaten dieser wundervollen Technik vermissen. Für sie ist die Durchführung dieser Technik so schnell und einfach geworden, wie das tägliche Zähneputzen.

Direkte Auswirkungen von Kunjal Kriya

Auf der physischen Ebene kann Kunjal helfen, einen guten Gesundheitszustand zu erhalten, ebenso kann es helfen, folgende Krankheiten zu heilen:

  • zu viel Säure und Gas im Magen
  • Gallenleiden
  • Übelkeit
  • Lebensmittelvergiftung
  • Selbstvergiftung
  • Verdauungsstörungen
  • Entzündung der Speiseröhrenschleimhaut
  • Husten
  • Asthma
  • Bronchitis
  • Atembeschwerden
  • Kopfweh (aufgrund von Spannungen und Migräne)
  • Krankheiten des Nervensystems

Auf der pranischen Ebene bewirkt Kunjal Kriya, dass der ganze Körper durchströmt wird, dass Knoten gelöst und Nadis (psychische Nervenbahnen, die Träger des Prana sind) von Blöcken befreit werden, so dass der ganze Körper sich neubelebt und lebendig fühlt.

Auf der geistigen Ebene kann das Erbrechen von Salzwasser bei vielen Arten von Geisteskrankheiten und Problemen helfen, da es wie eine Schocktherapie bewirkt, dass Gehirn und Geist wieder aufgeladen werden. Es hilft besonders bei Depression, Lethargie, Apathie, Spannungen, Angst, Neurosen und Phobien.

Indirekte Auswirkungen

Indirekt bewirkt Kunjal Kriya, dass das Nervensystem gekräftigt wird und wieder ins Gleichgewicht kommt, und so hilft es dem ganzen Körper, sich zu verjüngen. Die Energie, die durch den pranischen Strom freigesetzt wird, hilft, das Kreislaufsystem zu stärken, ebenso das Atemsystem, das Urogenital-System und das Muskel- und Knochensystem. Der Grund dafür ist, dass jedes System des Körpers von jedem anderen System abhängt, um im richtigen Gleichgewicht zu sein und reibungslos zu funktionieren.

Wenn ein System, in diesem Fall das Verdauungssystem, beginnt, vor Energie überzufließen, dann schüttet es diese Energie in die anderen Bereiche des Körpers aus und lädt sie wieder auf. Geist und Körper funktionieren zusammen als Einheit; es gibt keine Trennlinie zwischen ihnen. So wird auch der Geist aufgeladen, wenn der Körper aufgeladen wird. Dies erklärt, wie Krankheiten des Geistes durch physische Techniken geheilt werden können. Dieses Prinzip kann auf alle yogischen Techniken und Methoden angewendet werden, die positive Energie in unser Leben bringen.

Physische Wirkungen

Was passiert, wenn wir Kunjal Kriya durchführen? Wir stimulieren die Sinneskanäle unseres Nervensystems, das ein Signal zum Gehirn sendet. Das wiederum sendet ein Signal hinunter ins motorische System, um den Körper zu veranlassen, zu erbrechen: das Zwerchfell, der Magen und der Kehlkopf ziehen sich zusammen und bewirken, dass sich das Wasser in umgekehrter Richtung bewegt.

Es gibt drei Vorgänge im Körper, die Gehirn und Geist für einen Moment vollständig lähmen und dich in einen "ichlosen" Zustand bringen, der an meditative Zustände erinnert. Dies sind:

  • Orgasmus
  • Niesen
  • Erbrechen

Wenn du darüber nachdenkst und über deine eigenen Erfahrungen reflektierst, wirst du dich daran erinnern, dass du in dem Augenblick, in dem du einen dieser drei Zustände erlebt hast, eine Welle der Energie durch deinen Körper und Geist strömen fühltest, die einen Moment lang alles Denken und Handeln stoppte.

Wenn das Gehirn diesen Energiestrom fühlt, befindet es sich in einem Zustand äußerster Stimulation. Viele seiner Schaltkreise sind zeitweise unterbrochen, nur die notwendigsten sind noch in Funktion. Diese Situation ist analog, aber viel subtiler, sanfter und wirksamer als ECT (elektrische Schocktherapie), wie sie in Krankenhäusern zur Behandlung von depressiven Patienten angewendet wird. Energie strömt in jeden Nerv des Gehirns, aber im Falle von Kunjal Kriya, nicht beim ECT, ist es pranische Energie, die durchfließt und jeder Zelle Leben und Verjüngung bringt. Danach, wenn der Energiestoß nachlässt, nehmen diese Schaltkreise wieder ihre Funktionen auf - in harmonischer Weise.

Das Gehirn schüttet dann über die Nerven diese Energie in den restlichen Körper. Diese zusätzliche Energie wirkt reinigend, in dem sie die Zellen des Abfallbeseitigungssystems aktiviert, und dann wird sie zu den Organen des Körpers weitergeleitet. Als Ergebnis erhöht sich spontan die körperliche Leistungsfähigkeit.

Das autonome Nervensystem ist besonders wichtig, wenn wir verstehen wollen, wie physische Krankheiten eingeschränkt werden. Es besteht aus zwei Teilen: dem parasympathischen System, das für die Entspannungszustände des Geist zuständig ist, und dem sympathischen System, das für Stress und Zeiten der Aktivitäten zuständig ist. Diese zwei Systeme stellen ständig miteinander ein Gleichgewicht her.

Wenn zum Beispiel unser Geist in eine angespannte Situation gerät, dann wird das sympathische System dominant, indem es die Produktion der Adrenalin veranlasst. Natürlich arbeitet das parasympathische System auch noch - auf halber Flamme - indem es gerade genügend Entspannung im physischen Körper aufrecht erhält (als Rückwirkung nach unten vom Geist aus), so dass es kein Extrem gibt und der Körper auf seinem Höhepunkt funktionieren kann.

Durch Kunjal Kriya wird der Vagusnerv durch erhöhten Energiestrom, der vom Magen ausgeht (auf der physischen Ebene) und von Manipura Chakra (auf der psychischen Ebene), aktiviert, und zwar in seinen sensorischen und seinen motorischen Funktionen. Sensorisch ist der Vagus für Herz, Lungen, Bronchien, Luftröhre, Rachen und Verdauungstrakt; und motorisch ist er für das Herz, Lungen, Bronchien und Verdauungstrakt. Er speist direkt den Hypothalamus des Gehirns über seine parasympathischen Fasern. Der Hypothalamus kontrolliert das ganze autonome Nervensystem. Der Vagus ist verantwortlich für den "Mundsperre-Reflex" und das Erbrechen.

Die zusätzliche Energie, die durch Kunjal entsteht, fließt in beide Systeme, das sympathische und das parasympathische, aber da der Geist auf Erbrechen vorbereitet ist, eine Stressituation also, dominiert das sympathische System. Die folgenden Ergebnisse stellen sich ein:

  • Verdauungssystem: verminderte Peristaltik und vermehrte Glukosewirkung im Blut von der Leber her.
  • Lungen: Erweiterung der Bronchien; stoppt akutes Asthma.
  • Speicheldrüsen: beginnen, Sekret abzusondern und werden daher ausgespült und gereinigt

Das Herz schlägt schneller und die Blutgefäße erweitern sich und geben dem Herzmuskel dadurch mehr Sauerstoff.

Die Lungen werden durch die Bewegung des Zwerchfells und des Unterleibs aktiviert; das hilft beim Atmen und bei Pranayama. Schleimabsonderungen aus Mund, Nebenhöhlen und dem unteren Atmungstrakt werden angeregt und spülen somit diese Zonen aus. Es entsteht ein momentaner Blutstrom zum Gehirn, der die Sauerstoffzufuhr vermehrt und die Leistung erhöht.

Pranische Wirkungen

Der Magen und die Verdauung werden beherrscht vom Manipura Chakra, dem psychischen Zentrum, in dem Prana, die lebensspendende Kraft des Menschen, aufbewahrt wird. Diese Kraft wurde von Wissenschaftlern, die die Kirlian-Photographie und Parapsychologie erforschten, Bioplasma genannt, und sie ist eine bewiesene und dokumentierte Größe.

In dem psychischen und feinstofflichen Körper finden viele Auswirkungen statt, aber wir sind ihrer nicht bewusst. Kunjal hilft, Prana freizusetzen, und dadurch Energie in den Körper zu bringen. Tatsächlich ist Prana die Basis für alle körperlichen Energien und ist somit lebenswichtig für unser Wohlbefinden.

Wenn Prana fließt, fließt auch die Energie in den Nerven. Auf diese Weise wird jede Zelle in Körper und Geist von Prana mit Energie geladen. Wir fühlen uns lebendig und glücklicher. Wir machen eine Art Katharsis durch, nachdem wir Kunjal praktiziert haben, ein gereinigtes, geläutertes und entspanntes Gefühl, das uns auch belebt. Prana, diese goldene lebensspendende Substanz, ist die Ursache und Kunjal, zusammen mit vielen anderen yogischen Techniken, ist ein Mittel, um es freizusetzen und zu beherrschen.

Der Mundsperre-Reflex

Dieser Reflex, der das Erbrechen auslöst, ist ein mächtiges und wertvolles Werkzeug. Selbst wenn du keine Zeit hast, jeden Morgen Kunjal zu machen, kannst du den Mundsperre-Reflex nutzen, um Prana auf schnelle und einfache Art zu erwecken. Du kannst es verbinden mit deinem morgendlichen Zähneputzen. Nimm Zeige- und Mittelfinger und reinige damit die Zunge, indem du sie vor- und rückwärts reibst. Wenn du zum hinteren Ende der Zunge kommst, hab' keine Angst, sondern fahre fort mit der Massage, selbst wenn du spürst, dass du brechen musst. Wenn etwas hochkommt, ist das gut, denn es bedeutet, dass offenbar etwas Unverdautes im Magen war, das herauskommen musste. Der Mundsperre-Reflex ist in vielerlei Hinsicht von Nutzen.

Um den Schauspieler Orson Bean aus seinem Buch "Me and the Orgone" zu zitieren: "Ich pflegte morgens aufzuwachen und im Badezimmer zu "würgen". Baker hatte mir gesagt, dass der Mundsperre-Reflex (die Finger in den Hals hinunter stecken) von Angstgefühlen befreie und eine Technik sei, die ich mit Nutzen jeden Morgen bis an mein Lebensende anwenden könne. Es funktioniert tatsächlich, so seltsam es klingt...."

Wirkungen auf das Gemüt

Der Magen ist äußerst empfänglich für emotionale Schwankungen und kann wie das Gesicht erbleichen oder erröten. Er ist ein Spiegel des Mind. Depression verursacht Anorexie oder Appetitlosigkeit, begleitet von einem schweren Gefühl des Sinkens in der Magengrube, die tatsächlich einige Zentimeter sinkt, soweit die stützenden Muskel und Bänder es zulassen. Ständige Sorge kann reichlich Gas im Magen erzeugen, was Blähungen und Druck auf das Herz zur Folge hat. Dies kann sich wie ein Herzleiden äußern.

Magengeschwüre sind das Endergebnis einer langen Periode emotionaler oder mentaler Spannung, verbunden mit einer genetischen Anfälligkeit für die ständige Überproduktion von Magensäften, die letztlich die Magenschleimhaut zerstören und sich in dich hineinfressen (Auto-Digestion). Dies zeigt an, dass dich auf der mentalen Ebene "etwas auffrisst".

Kunjal ist eine der yogischen Techniken, die die mentalen Wurzeln vieler Krankheiten beseitigen: Hass, Eifersucht, Furcht und Unsicherheit. Die Herabsetzung nervöser Spannung nach Kunjal ist es, die das bewirkt. Aber diese Wirkung ist nicht unmittelbar, sie nimmt eher einen langsamen und stetigen Verlauf.

Wie führst du die Übung aus?

Du solltest Kunjal in Verbindung mit anderen Yoga-Techniken machen, so dass innere Bewusstheit sich Schritt für Schritt entfalten kann. Und so kannst du Kunjal in deine täglichen spirituellen Übungen mit einbeziehen:

Nach dem Aufstehen am Morgen und nach dem Waschen machst du Kunjal. Dann folgt Neti. Ruh' dich einige Minuten aus und geh nach innen. Werde dir der Auswirkungen von Kunjal und Neti bewusst. Mache dann deine Asanas und Pranayama. Am frühen Morgen ist Kunjal sehr wirkungsvoll, weil du durch den verstärkten Zufluss von Prana in Körper und Geist aufgeweckt wirst. Die Meditation wird ebenfalls intensiviert. Lasse das jeden Morgen zur Routine werden, dann werden sich bald Ergebnisse einstellen in Form von physischer, mentaler und spiritueller Gesundheit, Glück und Frieden.

(Aus: Yoga Magazin 4/77; YOGA Heft Nr. 4) - von Dr. Swami Shankardevananda Saraswati