Ostern und Yoga

Jesus Christus wurde am Karfreitag gekreuzigt und drei Tage später, am Ostersonntag, ist er wieder auferstanden; so finden wir es im orthodoxen christlichen Glauben. Es gibt Beispiele von Yogis, die vom Tode wieder auferstanden sind. Adi Shankaracharya, der im siebten Jahrhundert lebte, soll seinen physischen Körper einen Monat verlassen haben, danach kam er wieder zurück zum Leben. Ein Yogi unserer Zeit, Sri Ramana Maharshi aus Tamil Nadu, begab sich oft in den Zustand von Samadhi. In diesen Minuten setzte sein Herzschlag aus, was von Ärzten bestätigt wurde, sein Körper war praktisch tot, aber nach einigen Minuten wurde er wieder lebendig. Diese Beispiele zeigen, dass es für einen Menschen möglich ist, aus dem klinischen Tod zum Leben zurück zu kehren.

Es gibt Aussagen, dass Christus vom Kreuz herunterkam und noch einige Jahre in der Einsamkeit lebte. Einige Heilige interpretieren die Kreuzigung als Entsagung des individuellen Egos und die Auferstehung als göttliche Gnade und spirituelle Neugeburt. Bei den orthodoxen Christen wird am Karfreitag gefastet und der Ostersonntag wird in Freude und Dankbarkeit gefeiert.

In der Bibel heißt es, dass Jesus am dritten Tag auferstand, als es im Osten dämmerte - Oster-Sonntag. Die Zeit der Dämmerung heißt in Sanskrit Brahmamuhurtha, die Zeit, die für alle spirituellen Aktivitäten besonders günstig ist, weil in dieser Zeit die alles durchströmende Kraft besonders spürbar ist. Der Osten repräsentiert neues Leben und spirituelles Erwachen. Die Auferstehung in der Dämmerung stimmt mit den Yoga-Prinzipien vollkommen überein.

Es ist beachtenswert, wie man überall auf der Welt den Zeitpunkt des Oster-Sonntags errechnet. Ausgangspunkt ist der 21. März; der Sonntag, der auf den Vollmond nach dem 21. März folgt, ist Oster-Sonntag. Zu dieser Zeit tritt die Sonne in das Zeichen Widder, dem Zeichen von Mars. Diese Zeit geht einher mit Prana, Vitalität, Lebenskraft. Der Sonntag ist entsprechend der Bibel Gottes Schöpfungstag. Er sagte: `Es werde Licht.' Christi Auferstehung am Sonntag, kurz nach dem 21. März geht in der nördlichen Hemisphäre, wo Christus lebte, mit verstärkter Wärme, Licht und Vitalität einher. Eine Veränderung der äußeren Umgebung ist einer inneren Neugeburt förderlich.

Wenn wir all' dies in Betracht ziehen, ist es sicher nicht verfehlt, die Auferstehung als ein inneres Ereignis zu betrachten, wenn das göttliche Prinzip sich aus dem Grab der Unterdrückung und des Unglaubens erhebt. Sicher können wir Ostern als ein Fest der inneren Freiheit bezeichnen.

„Einer mit allumfassendem Christusbewusstsein - Jesus - hat sich im Herz jeder Blume erhoben, aus jedem Sonnenstrahl, jedem noblen Gedanken. Er ist im Atomzeitalter auferstanden, und alle Verwüstungen können die Geburt seines Geistes des neuen Lebens, neuer Menschlichkeit, die aus der Wiege der Weisheit und universeller Liebe aufsteigt, nicht verbergen. Er ist in unserem Bewußtsein, unseren Herzen, unseren Seelen auferstanden - es gibt keine Trennung zwischen ihm und uns. Er ist von den Begrenzungen des physischen Körpers, des Astralkörpers und des Kausalkörpers auferstanden in das Allumfassende; durch unsere Meditation werden wir mit ihm aus dem Grab unseres Körpers und unseres sterblichen Bewusstseins in die immerwährende glückliche Unendlichkeit des Geistes auferstehen.“

Paramahansa Yogananda

(Aus: Yogaheft Nr. 20) - Swami Satyananda Saraswati