Was ist ein Sannyasin?

Swami Satyananda ist seit vierzig Jahren Sannyasin. Zwölf Jahre lebte er im Ashram seines Gurus Swami Sivananda von Rishikesh. Zwölf Jahre zog er als mendicant, als wandernder Sannyasin durch Indien, Ceylon und Afghanistan. Vor fünfundzwanzig Jahren gründete er die Bihar School of Yoga in Munger (Indien) und durch seine Inspiration und seine dynamische Kraft finden wir heute diesen wunderbaren Ashram auf dem Hügel über dem Ganges und viele Ashrams und Yogaschulen in der ganzen Welt.

Er wird von unzähligen Menschen geliebt und verehrt und alle Annehmlichkeiten stehen ihm zur Verfügung. Er könnte wie ein König leben. Aber er lässt sich nicht von den vergänglichen Freuden verlocken. Er zeigt uns allen den wahren Sannyasin, den Wanderer, der auf diese Weise die Probleme und Sorgen seiner Mitmenschen kennen lernt.

Im letzten Sommer verließ Swami Satyananda seine Residenz, den Ashram in Munger, um als wandernder Sannyasin - unerkannt und bettelarm - durch Indien zu ziehen. Er geht schweigend und trägt nichts mit sich, außer seiner gheru-farbenen Robe. Wenn er zurückkommt, wird er als Sannyasin kommen und nicht als Guru.

Ich bin zutiefst betroffen und dankbar für sein Beispiel, was er uns gibt - seinen Sannyasins, Karma Sannyasins, Schülern und Freunden - und möchte dieses Heft dem Sannyasin widmen.

Swami Prakashananda Saraswati - Im Januar 1989

Der Sannyasin

Alles in der Natur strebt nach Vollkommenheit. Ein Stück Materie entwickelt sich zu einem Kristall. Kohle verwandelt sich in einen Diamanten. Einfacher Stein verformt sich zu einem Edelstein. Ein ordinäres Insekt entwickelt sich in etwas Besonderes. Vögel werden so schön, dass man sie anschauen muss. Tiere entwickeln sich zu graziösen Geschöpfen. Ein Mensch der Vollkommenheit wird Gott.

Im Konventionellen wird der Sannyasin Gott-Mensch genannt. Dieses Wort hat sowohl negative wie positive Bedeutung. Die negative Bedeutung ist - einer, der dem Weltlichen entsagt hat; die positive Bedeutung ist - einer, der den Höhepunkt der Verwandlung erreicht hat. Dem ordinären Sinnesleben zu entsagen, führt zu der Voraussetzung, das erwünschte göttliche Leben zu leben. Das Weltliche macht Platz für das Göttliche.

Eine voll gereifte Frucht löst die Verbindung mit dem Baum, der ihr einst Nahrung gegeben hat. Sie hat nun andere, kosmische Funktionen zu erfüllen. Genauso so ist es bei einem Sannyasin. Die Erfahrungen, die er in seinen vergangenen Geburten mit dem vergänglichen weltlichen Leben gemacht hat, sind alle in seinem Gemüt gespeichert. Nach Besitz und Nachwuchs hat er kein Verlangen mehr. Jetzt will er das sinnliche Leben in ein geistiges Leben verwandeln. Aus diesem Grunde entsagt er formal dem weltlichen Heim und den weltlichen Verwandten. Die Bindungen schneidet er ab und hat nichts mehr mit ihnen zu tun. Er betrachtet nun alle als gleich. Das Partielle macht Platz für die Gleichheit, Nationalität der Universalität. Der Sannyasin ist bereit, das Göttliche in allen zu sehen.

Das nationale indische Ideal ist Spiritualität, nicht Weltlichkeit. Dieses Ziel im Leben hat sich durch Siva personifiziert, der gleichzeitig idealer Familienvater und idealer Asket ist. Als Familienvater wurde er an anderer Stelle beschrieben. Als Asket wollen wir ihn hier porträtieren. Sein Name ist auch Tyagaraja, der König unter den Sannyasins. Obwohl er der Herr des Universums ist (Viswanatha), hat er beschlossen, ununterbrochen im Krematorium zu verweilen. Was Shiva tut, ist das Vorbild für den Sannyasin. Während er im Körper lebt, weiß er doch, dass dieser einst dem Scheiterhaufen bestimmt ist. Der Entsagende legt die Ocker-Kleidung als Symbol des Feuers an. Der Körper wird als tot betrachtet. Alle Freuden, die den Körper betreffen, werden im Feuer des Wissens verbrannt. Die körperliche Existenz betrachtet er als Krematorium. Was in ihn hinein und durch ihn hindurchgeht, ist nichts weiter als der Akt der Einäscherung. Genauso ist der Sannyasin nicht sein Körper, obwohl er im Körper lebt. Er hat sich auf einen höheren Auftrag des Daseins eingestimmt.

Shivas Residenz ist das Krematorium und das bringt zum Ausdruck, dass er keinerlei weltlichen Besitz hat. Das ist eine Lektion für den Sannyasin. Abgesehen von seiner neuen Robe nennt er nichts sein Eigentum; und selbst an seine Robe ist er nicht gebunden. Es gibt welche, die mit einem Leinentuch zufrieden sind. Kein Metall darf den Körper des spirituellen Menschen berühren. Die Nerven, die durch göttliche Gedanken und Gefühle verfeinert und gereinigt sind, lassen den Körper auf jeden Kontakt mit Metall allergisch reagieren. Der Heilige bewegt sich mit Leichtigkeit, denn er hat kein unnötiges Gepäck. Eine andere Tugend des Nicht-Besitzens ist es, dass kein Teil des Gemütes von dem Ideal, dem er sich verschrieben hat, abgezogen wird. Auch für den weltlich lebenden Menschen hilft es zur Lösung unerwünschter Probleme, wenn er sich von weltlichem Besitz freimacht.

Shiva vervollkommnt seinen asketischen Aspekt, indem er es bevorzugt, als Bettler zu leben. Man nennt ihn Bhikshatana, was so viel bedeutet, wie jemand, der von Almosen lebt. Aus diesem Grunde nennen Hindus und Buddhisten den Sannyasin Bhikshu. Warum aber sollte Shiva als Herr des Universums das Bettelleben wählen? Dahinter steht ein kosmischer Sinn. Das Tun steht über dem Grundsatz. Sein persönliches Leben ist Beispiel, ist eine äußere Quelle der Unterweisung. Shiva ist sowohl für den Familienvater wie für den Sannyasin Lehrer. Wir haben an anderer Stelle gezeigt, wie der Große Gott den Haushalt des Universums mit all seinen Annehmlichkeiten und Konflikten, Harmonie und Zwist, Frieden und Unruhen, Gutem und Schlechtem führt. Das weltliche Leben mit all seinem Wohl und Jammer erfordert gutes Training. Das ist die erste Lektion, die Shiva durch sein Beispiel gibt.

Als Asket lehrt Shiva die letzte Lektion des menschlichen Dramas. Absichtlich entsagt er allem weltlichen Besitz und wählt das Krematorium als Residenz. Diese beiden Handlungen werden als abnormal, an Geistesstörung grenzend, betrachtet. Aber was zeigt das Bild, welches die Natur dem Menschen fortwährend präsentiert? Was zeigt es dem Menschen, der die Natur unbedingt besiegen will und sich die Geschenke, die von ihr zu haben sind, zu eigen macht? Auf den ersten Blick sieht es so aus, als wenn er alles von der Natur bekommt, aber letztendlich verliert er alles. Seit Äonen hat der Mensch es versucht, aber so viel er auch seine Methoden wechselt, er wurde immer nur zurückgewiesen.

Die Suche des Menschen, im äußeren Leben sein Ideal zu finden, ist wie die Jagd nach seinen eigenen Schatten. An diesem Punkt tritt Shiva als der allem entsagenden Sannyasin ins Bild. Er zeigt dem fehlgeleiteten Menschen, dass all das, was er in der äußeren Welt sucht, in ihm selbst liegt, und deshalb ist es notwendig, sich aus der verführerischen Welt zurückzuziehen. Die vergängliche Natur umgaukelt den Menschen mit vielen Versprechungen, ist aber doch unfähig, ihn mit der einzigen Realität zu vereinen. Shiva entsagt den Geschenken der Natur, sehr wohl wissend, dass sie alle vergänglich sind. Der weise Mensch muss das gleiche tun. Das Unwirkliche aufgeben und das Wirkliche umarmen, das ist Askese. Es ist die Erfüllung des Lebens und nicht die Niederlage, wie der grobe Mensch es betrachtet.

So wird das Bettelleben Ausdruck für Entsagung und Askese. Sich für das Morgen abzusichern, ist eine erfolgreiche weltliche Handlung. Wer nicht sein täglich Brot auf rechte Weise für sich verdienen kann, ist kein gutes Mitglied der Gesellschaft. Während der normale Mensch sich so am Leben erhält, ist doch derjenige wahrhaft göttlich, der sich von dieser weltlichen Anstrengung zurückzieht und sich ausschließlich dem Göttlichen widmet. Das Leben eines Heiligen ist zu wertvoll, um für diese weltlichen Angelegenheiten benutzt zu werden. Und es ist die heilige Pflicht der Gesellschaft, den Körper eines göttlichen Menschen zu erhalten. So entstanden in allen Religionen die Bettelorden. Siva selber ist der personifizierte Bettler. Alle Entsagenden sind seine Nachfolger. Indem man ihnen Almosen anbietet, gibt man Shiva seine Verehrung.

Die Position eines Bettlers in der Gesellschaft und die eines geistigen Bettlers verlangt eine genauere Betrachtung. Vom wirtschaftlichen Standpunkt aus sind beide von der Gesellschaft abhängig. Der Bettler will oder kann sein Brot nicht selbst verdienen. Er ist eine Drohne, indem er mit dem Mitleid der anderen rechnet. Er leidet unter einem Minderwertigkeitskomplex. Entweder ist er gefühllos oder er hat Schuldgefühle, weil er von der Gesellschaft abhängig ist. Der Heilige ist ganz versunken in der Göttlichkeit; Essensorgen kommen ihm nicht in den Sinn. Obwohl er in der Lage ist, sein Brot auf ehrenhafte Weise zu verdienen, betrachtet er doch diese Handlung als erdgebunden.

Brotverdienende Mentalität ist niedrig und vulgär. Leben ist eine geheiligte Stiftung, die dem Gottesdienst gewidmet ist. Der Sannyasin denkt nicht an körperliche Bedürfnisse, es geschieht gleichsam als göttliche Fügung. Zweifellos erhält er Nahrung durch menschliche Hilfe, aber der Heilige fühlt sich den Menschen oder Gott gegenüber nicht in Schuld für diese Almosen. Das ist seine Sichtweise. Dankbarkeit gehört zu dem Selbstsüchtigen und nicht zu dem Menschen der Hingabe.

Ein weltlicher Mensch, der sich um seine eigene Nahrung bemüht und ein Sannyasin, der Almosen entgegennimmt - Welten liegen dazwischen. Der erste ißt zur Selbsterhaltung und der zweite betrachtet es als Hingabe zu Gott. Der eine sorgt sich, wenn es keine Nahrung gibt oder wenn das Essen nicht gut ist. Für den anderen sind Essen, Nichtessen oder Armut Fügung. Leben und Tod sind sich gleich.

Wie ein Sannyasin Almosen empfängt und sich ernährt, ist eine Wissenschaft für sich, das gilt für alle Religionen. Es beginnt mit dem frommen Familienvater, der nicht nur für sich selbst lebt. Seine Familie ist ihm ein heiliges Treuhandeigentum. Die tägliche Nahrung, die er kocht, ist in erster Linie zum Wohle der anderen und erst in zweiter Linie für die Familienmitglieder. Die hingebungsvoll gekochte Speise wird zuerst Gott gewidmet, das ist oberster Grundsatz. Der Anteil, der für die Heiligen und die Mittellosen gedacht ist, wird zur Seite gestellt; dann erst werden die Hausbewohner pflichtbewusst bedient.

Auf der anderen Seite möchte der Sannyasin eine einzelne Familie nicht überbeanspruchen. Wie eine Biene den Honig von verschiedenen Blumen sammelt, so nimmt er täglich Almosen von verschiedenen Häusern entgegen. Er ist in Gedanken an Gott versunken. Mit dem traditionellen Stock in der einen Hand und der Bettelschale in der anderen geht er freundlich zu einem Haus, steht ruhig und ernst, oder nennt Gottes Namen oder spricht: Oh Göttin des Hauses, lasse dich herab, Almosen zu geben. Eine Minute vergeht. In dieser Zeit ist entweder verehrende oder keine Erwiderung. Denn nicht alle Weltlichgesinnten haben die gleiche Einstellung.

Aber für den Sannyasin sind sie alle gleichermaßen Gottes Manifestation. Er wird daher jedem von ihnen gegenüber die gleiche heilige Einstellung haben - dem, der gibt und dem, der verweigert. Der Heilige glaubt nicht, Empfänger zu sein und deshalb gibt es keine Enttäuschung. Wenn jedoch Enttäuschung, Ärger und ein ungutes Gefühl in ihm aufsteigen, was ein Zeichen des Egos ist, dann ist das schlecht für ihn selbst und für die Person, gegen die diese Gefühle gerichtet sind. Unter allen Umständen und jedem Wesen gegenüber sollte der Sannyasin eine gütige und göttliche Einstellung behalten. Auch in solchen Menschen, die aus weltlicher Sicht als schlecht gelten, erkennt er Gott. Der Orden, zu dem er gehört, verlangt diese erhabene Einstellung von ihm.

Die Almosen, die er erhält, sind nicht immer gesund, manchmal sind sie sogar gesundheitsschädlich. Trotzdem wird er sie annehmen und sie als göttliche Gabe betrachten. Almosen zurückzuweisen, gilt als unwürdig. Schließlich bewegt sich der Sannyasin nicht deshalb durch die Welt, um Nahrung zu erhalten. Sein Lebensideal liegt darin, zwischen Essen und Fasten keinen Unterschied zu machen. Beides betrachtet er als göttliche Gabe. So macht sich der Sannyasin selber zum Meister.

Der frei fließende Fluss und der sich bewegende Sannyasin werden immer ihre Reinheit bewahren. Der Entsagende leistet den Schwur des Herumwanderns. Er bleibt nicht länger als zwei oder drei Tage an einem Platz und nimmt Almosen nicht öfter als einmal von einem Haus. Das heilige Land von Bharata hat vier bedeutende Tempel in den vier Himmelsrichtungen - Puri im Osten, Badrinath im Norden, Dwaraka im Westen und Rameswaram im Süden.

Der wandernde Sannyasin besucht alle vier heiligen Pilgerplätze und kommt so zu den wichtigsten, die dieses weite Land der Heiligtümer zu bieten hat. Klima, Gebräuche, Kleidung und Sprachen sind unterschiedlich; auch Hautfarbe und Körperbau unterscheiden sich. Während er sich zwanglos der sich verändernden Umwelt ausliefert, bleibt sein Gemüt fest verankert im Göttlichen. Seine spirituelle Disziplin wird durch das sich verändernde Panorama zutiefst gestählt. Der Sannyasin wird durch persönliche Erfahrung herausfinden, dass hinter den unvermeidbaren Veränderungen dieses riesigen Subkontinents Indien eine Einheit besteht.

Das Herumwandern des Heiligen ist nach gewisser Zeit beendet. Er sucht sich einen geistesverwandten Platz und versenkt sich nun noch mehr in das Göttliche. Das zwanglose Herumwandern und um Almosen bitten ist in dem Moment beendet, wenn er sein Körperbewusstsein überschreitet. Bei der Nahrungsbeschaffung spielt nun sein eigener Wille keine Rolle mehr, sondern nur der göttliche. Anhänger finden heraus, wo dieser Gott-Mensch lebt und tragen Nahrung zu ihm. Vielleicht hat er sich in eine Berghöhle vergraben, um in der göttlichen Vereinigung zu verharren.

Auch hier wird für sein körperliches Wohl gesorgt. Wenn nötig, wird die Nahrung in seinen Mund gelegt. Während der normale Mensch und andere hohe und niedere Wesen Tag und Nacht in glühender Suche nach Nahrung verbringen, ist es nun umgekehrt: die Nahrung geht auf Suche nach dem spirituellen Menschen, der sein Körperbewusstsein überschritten hat. Es ist ein göttliches Gesetz, von dem die Natur regiert wird. Erdgebundene Kreaturen würden verhungern, aber den Gott-Trunkenen wird der Körper erhalten, auch dann, wenn er keinen Gedanken daran verschwendet.

Die Institution des Ashrams ergänzt das System der wandernden Sannyasins. Das Herumwandern ist hart und verlangt viel von einem, das Leben im Ashram ist entgegenkommend und milde. Nur solche mit einem starken Körper und unerbittlichem Gemüt können das Wanderleben auf sich nehmen. Der wandernde Sannyasin ist wie ein Löwe, der im Wald umherstreift, während der Novize wie ein Junges ist, um das man sich kümmern muss. Der Ashram ist eine heilige Institution, wo der Entwicklungsprozess vom Menschlichen zum Göttlichen stattfindet.

Loslösung vom weltlichen Leben und Verlangen nach spirituellem Leben ist die Voraussetzung zum Leben im Ashram. So wie das Leben einer brütenden Henne unweigerlich in die Schale des Eis gelenkt wird, so liegt die spirituelle Reifezeit des Jüngers ganz und gar im Ashram. Gegen weltliche Zerstreuungen ist er abgeschirmt, er kann ganz und gar in ethischen und spirituellen Dingen aufgehen.

Indoktrination ist etwas, was den vedantischen Klöstern fern liegt. So wie verschiedene Blumen in ein und demselben Garten blühen, so haben alle Geistesrichtungen - theistisch, atheistisch, agnostisch, ketzerisch, nihilistisch, leichtgläubig, analytisch, kritisch, kontemplativ, aktiv und emotional - auf dem Vedanta-Weg ihren Platz. Der Mensch entwickelt sich nicht vom Falschen zur Wahrheit, sondern vom teilweisen Wissen zur klar erkannten Wahrheit. Studium, Gedankenfreiheit, Debattieren und Diskutieren, das sind die angewandten Methoden für intellektuelle Klarheit.

Das, was am meisten zählt, ist der ethische und spirituelle Hunger. Der Schwung, der durch diesen Hunger erzeugt wird, führt ihn in Regionen des Überweltlichen. Physischer Hunger und Durst werden mit philosophischer Indifferenz gehandhabt, während die Gedanken eines weltlichen Menschen hier zentriert sind. Er dankt Gott für seine tägliche Nahrung und weiß doch nicht, dass jeder Bissen, den er nimmt, ein Verlust für andere Leben ist.

Der Sannyasin sieht in Leben und Tod das gleiche, denn er hat sich selbst Gott hingegeben. Seine Nahrungsaufnahme ist eine Opfergabe an Gott. Er ist sicher kein Sannyasin, wenn er dem Akt des Essens Bedeutung beimisst. Ein gut organisierter und idealer Ashram versorgt mit reiner und angenehmer Nahrung, die der Heilige in Maßen zu sich nimmt, ohne Gaumenfreuden, sondern im Geiste der Selbst-Entsagung.

Der Tagesablauf in einem Ashram ist beachtenswert. So etwas wie spät aufstehen gibt es nicht. Die Verehrung des Höchsten beginnt in den frühen Morgenstunden und findet ein Ende um zehn Uhr abends. Außer einigen Stunden Schlaf werden Tag und Nacht dazu benutzt, dem Schöpfer leidenschaftlich zu dienen. Kommunion, Kontemplation, Meditation, Gebet, Singen, Rezitieren, Dienen, körperliche Arbeit - dies und anderes sind Methoden, um sich im Göttlichen zu verlieren. Hand, Herz und Kopf werden dem Ursprung der Existenz ganz übergeben. Die Phänomene Zeit, Raum und Ursache verlieren sich im Ashramleben.

Die göttlichen Charakterzüge Shivas kann man in unterschiedlichen Abstufungen bei Sannyasins wieder finden, die zu seiner Gefolgschaft gehören. Das Wort Siva bedeutet 'Der Günstige'. Was immer von Shiva ausgeht, dient dem Wohle der anderen. Dazu erzählt man folgenden Mythos: Als das endlose Milchmeer in Bewegung kam und die Annehmlichkeiten des Lebens im Überfluss verteilt wurden, wollte Shiva nicht teilhaben an diesen verlockenden Dingen. Er blieb absolut allein für sich. Als aber aus dem Milchmeer auch Gift hervorquoll und die Vergnügungs-Suchenden zu zerstören drohte, kamen sie bestürzt zu ihm und suchten Schutz und Hilfe bei dem Großen Gott. Gütig nahm er all das Gift in sich auf und rettete die, die in Not waren.

Es ist Shivas Wunsch, die Sorgen und Kümmernisse, die unvermeidbar sind, wenn man anderen Gutes tut, auf sich zu nehmen. Jede gute Handlung trägt gleichzeitig das Schlechte in sich. Normale Menschen suchen das Gute unter Ausschluss des Bösen. Nur der ist Sannyasin, der Selbstverleugnung bis zum äußersten praktiziert. Shivas Wahl, im Krematorium zu residieren, ist Symbol seiner Selbstverleugnung. Körperliche Freuden sind auf die Seite gefegt. Der Körper ist den weltlichen Dingen gegenüber eine Leiche. Er ist tot für alle Selbstsucht. Dieses scheinbare Opfer des Körpers ist in Wirklichkeit die Entwicklung zum Göttlichen.

Auf diese Weise blüht der Sannyasin in Spiritualität und ist nützlich für die Gesellschaft. Der geopferte Körper ist das Gotteshaus. Er wird in und durch seine Kreaturen als Gottesdienst benutzt. So wie Shivas Taten immer Gutes hervorbringen, so bewirken auch die Taten der Sannyasins immer Gutes. Was immer er tut, tut er im Dienst des Schöpfers, und so entspringt nur Gutes. Ein Sannyasin, der im Göttlichen verwurzelt ist, ist das nützlichste Glied in der Gesellschaft.

Der orthodoxe Sannyasin leistet den Schwur, weder mit Gedanken, noch Worten und Taten an Aktivitäten teilzuhaben, die den Kreislauf von Geburt und Tod antreiben. Eingedenk dieses Schwurs denkt oder spricht er nicht über Angelegenheiten, die mit Hochzeit oder Anhäufung von Reichtum zu tun haben. Wo geheiratet wird, ist er nicht anwesend. Er nimmt keine Speise, die im Zusammenhang steht mit Geburt, Hochzeit oder Tod.

Es gibt aber einige menschenfreundliche und sozial notwendige Aktivitäten, die zwar weltlich scheinen, aber durch einen Sannyasin in einen heiligen Akt verwandelt werden. Erdbeben, Epidemien, Überschwemmungen, Hungersnöte und ähnliche Katastrophen bringen der Menschheit viel Leid. Zu so einer Zeit ist der Sannyasin da und bereit, Schmerz zu lindern. Er tut es aus dem Wunsch, zu dienen. Wenn er ein Waisenhaus leitet, ist das ein Akt des Dienens. Er gibt medizinische Hilfe als Akt des Dienens. Er unterweist Menschen in Selbstvertrauen und Selbsthilfe als Akt des Dienens. Der Sannyasin tut der Gesellschaft Gutes, aber betrachtet dies als Verehrung Gottes.

Der Sannyasin verbreitet Licht, wohin er auch geht. Er bringt Licht, erzeugt aber keine Hitze. Er ist ein Friedensbringer. Rechte innere Einstellung, rechtes Verstehen, rechte Beziehung und rechtes Leben - das sind die vier Kardinal-Tugenden, die er propagiert. Er erfüllt, aber zerstört nicht. Der vollkommen erleuchtete Mensch hört auf, zu sprechen. Wie Shiva in seinem Aspekt als Dakshinamurti lebt er schweigsam in der Glückseligkeit des Selbst. In der erhabenen Anwesenheit eines solchen Menschen werden die Sprachbarrieren überschritten. Welche Sprache ein Aspirant auch spricht, er wird für einen Moment absolut schweigend vor einem solchen Gott-Menschen sitzen. Alle Knoten in seinem Gemüt lösen sich ohne Worte. Und das ist der Segen, den der Sannyasin über die Gesellschaft schüttet.

(Aus `Facets of Brahman' von Swami Chidbhavananda; Yoga Heft 25)

Sannyasa und Einweihungen

Sannyas als Lebensart

Sannyasa ist eine Lebensart, in der das ruhende kreative Potential erweckt wird, etwas, das noch nicht entdeckt und nicht zum Ausdruck gebracht wurde, jedoch im Bewußtsein eines jeden Menschen ruht. In unserer Zeit empfinden viele Menschen, dass ihr Leben leer ist, es fehlt ihnen eine kreative Selbstverwirklichung, ein Ausgefülltsein. Man kann sagen, dass sie nur 'halb leben', sie sehnen sich danach, mehr von sich selbst zu erfahren und zum Ausdruck bringen zu können; ihre Lebensart macht sie nicht sehr zufrieden. Sannyasa ist ein Weg, seine eigene Kreativität zu entfalten, bereit und wachsam zu sein, um zu einer höheren Stufe des Bewusstseins vorzudringen. Es ist der Weg des Erwachens für Menschen, die wissen, dass sie mehr zu geben, mehr zu lernen und zu erkennen haben, als das, was die meisten Menschen als ausreichend betrachten. Der Wunsch nach Sannyasa Leben erwächst aus dem Drang, die Einengung und Begrenzung zu sprengen und etwas wirklich Sinnvolles im Leben zu tun.

Menschen, die ein bisschen nachdenken, fragen sich, wie sie ihre Lebensqualität verbessern können. Das Leben, das ihre Eltern führten, möchten sie nicht einfach übernehmen, sie möchten mehr daraus machen. Sie suchen in den Universitäten oder verlassen ihr Zuhause, wandern von Land zu Land auf der Suche nach einem tieferen Sinn. Früher oder später erkennen sie, dass das, was sie suchen, nicht außerhalb von ihnen selbst zu finden ist. Das Geheimnis ruht im Innern. Selbstvervollkommnung besteht nicht darin, dass man dem eigenen Namen Doktortitel und andere Titel hinzufügt, es geschieht nur durch Entwicklung des eigenen Selbst. Wenn jemand das erkennt und sich der inneren Frage hingibt, wird es ihm möglich sein, den Sannyasa Pfad zu betreten.

Wenn man bewusster im Leben wird, fühlt man sich plötzlich wie im eigenen, selbstgebauten Gefängnis. Vergeblich hat man versucht, in den Vergnügungen und Bequemlichkeiten, die die Welt zu bieten hat, Erfüllung zu finden; hier gibt es keine dauerhafte Befriedigung. Sinnliche Vergnügungen, materieller Besitz und emotionale Bindungen machen träge, stillen die Sehnsucht nur für kurze Zeit. Unvermeidlich und voller Schmerzen erwacht man wieder, noch immer in sicherem Gewahrsam der eigenen Begrenztheit gefangen.

Dieses innere Gefängnis, in dem Männer und Frauen ihre Tage und Nächte verbringen, ist uns nicht von außen auferlegt. Eines Tages müssen wir erkennen, dass wir Gefangene des eigenen Bewusstseins sind, dass wir ständig unter psychologischen Blockierungen, Ängsten und Unsicherheiten arbeiten. Obwohl wir uns so nach Auflösung dieser Zwänge sehnen, wissen wir doch nicht, wo wir den Schlüssel finden können, der das Tor zur Freiheit und höherem Selbstverstehen aufschließen kann. Es ist dieser Drang, eigene persönliche Grenzen zu überschreiten, der durch Sannyasa befriedigt wird.

Durch Sannyasa sprengen wir die Tore des eigenen Gefängnisses, die Fenster öffnen sich zu höherem Wissen, alles erstrahlt im Licht, so dass der wahre Sinn und die Aufgabe im Leben vor einem liegt. Wenn du bereit bist, aufzubrechen, die weichen Betten deines Gefängnisses gegen den dornigen und beschwerlichen Weg der Freiheit einzutauschen, dann bist du bereit für Sannyasa.

Sannyasa als Wiedergeburt

Nach der Einweihung in Sannyasa sterben die alten Lebensgewohnheiten und Verbindungen des spirituellen Anwärters. Er beginnt ein neues Leben mit neuen Fähigkeiten, Freuden und Samskaras. Der Name, die Kleidung, die Persönlichkeit verändern sich. Sannyasa ist eine Wiedergeburt, der Beginn eines neuen Lebens. Der Sannyasa Pfad ist ein gut erkundeter Pfad, um die persönliche Verwirklichung voranzutreiben, bis hin zur vollsten Leistungsfähigkeit. Es ist keine ausgestorbene Tradition, sondern stützt sich auf eine einzigartige persönliche Beziehung zum Guru, der die Führung auf dem Weg zur Selbstentdeckung übernimmt. Jeder, der sich der Führung des Gurus anvertraut, kann zum Sannyasin verwandelt werden. Der Guru kann sogar einen Stein in Gold verwandeln. Wen, wann und warum der Guru jemanden für Sannyasa auserwählt, ist schwer zu verstehen, aber jeder, den er als Jünger annimmt, erlebt eine völlige Umwandlung. Sein Leben wird wahrhaftig und erfüllt. Sannyasa ist ein Abenteuer und eine Suche, die dich zum höchsten Verstehen und zur Vollkommenheit führen möchte.

Wenn du Verlangen nach spirituellem Leben hast, den weltlichen Vergnügungen gegenüber überdrüssig bist und dich nach innerem Frieden sehnst, den dir weder deine Familie noch Freunde geben können, dann bist du bereit für die Herausforderung von Sannyasa. Was immer du durch eigenes Bemühen im spirituellen Leben erreichen kannst, wird durch die Gnade und die Führung des Guru tausendfach beschleunigt, wenn du dich einmal auf dem Sannyasa Pfad befindest.

Sannyasa führt zur Selbstbeherrschung

Wenn jemand Selbstbeherrschung und wahres Wissen erlangen will, muss er hart auf sein Ziel hin arbeiten. Um menschliche Schwächen zu überwinden, ist Sannyasa unvermeidlich. Die menschliche Natur ist nun einmal so, dass wir oft unsere Verpflichtungen für uns selbst und andere vergessen, besonders dann, wenn es schwierig zu werden droht. Dann möchten wir gerne zurück in den trägen Schlaf der sinnlichen Vergnügungen, zu unserem sicheren und gewohnten Lebensstil.

Sannyasa ist ein Versprechen, das du dir selbst gibst, nämlich bis ans Ende zu gehen, ohne vorher abzuspringen oder aufzugeben, bis das Ziel erreicht ist. Es ist eine Verpflichtung, das zu vollenden, was du dir auferlegt hast und das in deinem Leben zu vervollständigen, was der Mühe wert ist. Sannyasa macht dir die Reise an das Ende leichter. Für denjenigen, dessen primäres Ziel die spirituelle Suche ist, welch anderen Weg gibt es für ihn, wenn nicht Sannyasa? Für einen solchen Menschen wird Sannyasa eine weitaus größere Erfüllung bedeuten, als das weltliche Leben.

Verzicht und Loslösung

Das Wort Sannyasa kommt von dem Sanskritwort 'samnyas', das sich aus den beiden Wurzeln sam - völlig und nyasa - aufgeben, beiseitelegen ableitet. Das Ideal von Sannyasa ist die völlige Loslösung von deinen materiellen, emotionalen und intellektuellen Bindungen, so dass alles im Leben ohne Zerrspiegel gesehen und zu größerer Bewusstheit und Verstehen genutzt werden kann. Ohne Verzicht und Loslösung kann man die Welt niemals objektiv sehen. Nur wenn du frei von der Identifikation mit dir selbst, von persönlichen Wünschen und von Ehrgeiz bist, kann das Mysterium des Lebens sich lösen, so dass du die Realität erkennen kannst, die sich hinter dem äußeren Schein der Welt versteckt hält. Nur dieses Wissen allein, nichts anderes, kann dir innere Sicherheit und inneren Frieden geben.

Verzicht und Loslösung sind die Grundlagen für Sannyasa. Es sind die beiden Merkmale, die einen Sannyasin von einem anderen Menschen unterscheiden. Ein Sannyasin ist auf dem Weg zu völliger Entsagung und Loslösung, was zu vollkommener Selbstlosigkeit, dem höchsten Bewusstseinszustand, führt.

Verzicht ist eine symbolische äußere Handlung, alle Gewohnheiten und Dinge hinter sich lassen, die uns in ein Lebensmuster einzwängen,, welche es unmöglich machen, ein freies Bewußtsein zu haben und eine höhere Wahrnehmung zu entwickeln und sich darin zu verankern. Loslösung ist dagegen eine innere Einstellung, das Aufbrechen von Bindungen an Besitz und an Menschen. Verzicht und Loslösung können nicht voneinander getrennt werden, sie sind wie die zwei Seiten einer Münze.

Verzicht ist die äußere Handlung, während Loslösung die innere Haltung ist, welche die äußere begleitet. Hand in Hand wachsen sie während des ganzen Sannyasa Lebens. Wenn jemand diese beiden Prinzipien lebt und von seinem Guru in das spirituelle Leben eingeführt wurde, nennt man ihn Sannyasin.

Was bedeutet verzichten wirklich?

Manche glauben, es sind die selbstsüchtigen Motive, während andere glauben, dass man der Welt entsagen muss. Wieder andere meinen, dass es nur solche Taten wären, die ohnehin nicht förderlich für die menschliche Wohlfahrt sind oder aber Schwierigkeiten für andere schaffen, denen man entsagen muss. Deshalb braucht ein Sannyasin Unterscheidungskraft, um für sich selbst zu entscheiden, was er aufzugeben hat.

Äußerer Verzicht ist wirklich von geringem Wert ohne zuerst das Ego loszulassen - das Prinzip der Eigenmotivation. Andrerseits, je mehr auf Äußerlichkeiten verzichtet wird, desto stärker wird das Ego. Wenn aber ein Sannyasin prinzipiell seinem Ego entsagt, dann werden die Verhaftungen an Dinge ganz automatisch und ohne Anstrengung langsam verschwinden. Niemals ist es das Objekt, auf das verzichtet werden muss, sondern der Besitzdrang, die Gier, die Verhaftung daran. Erst, wenn die Verbindung zwischen Eigentümer und Objekt klar erkannt wird, entsteht Freiheit von der Illusion des Objektes. Nichts in unserem Leben ist wichtiger, als auf unsere Bindungen und niederen Instinkte zu verzichten. Ein Sannyasin opfert sein kleines Ego, sein Triebleben, um zu einem höheren Leben zu gelangen.

Wie Verzicht zu einem höheren Leben führt

Befreiung kann nicht ohne Verzicht erreicht werden, denn der Schleier der Trägheit kann nicht gehoben werden, solange jemand noch im weltlichen Leben verhaftet ist. Das Geheimnis des Entsagens ist es, keine Wünsche zu haben. Aufgabe der Familie, und materieller Dinge ist nicht genug. Was erforderlich ist, ist die Aufgabe des Egoismus, der Engstirnigkeit und all der negativen Eigenschaften, die der spirituellen Entwicklung im Wege stehen.

Verzicht macht furchtlos und glücklich. Der Reichtum der ganzen Welt gehört nur demjenigen, der alle eigenen Bedürfnisse aufgegeben hat. Die Natur sorgt für ihn, wo immer er hingeht und seine materiellen Bedürfnisse werden immer befriedigt. Jemand, der die göttlichen Tugenden der Entsagung und Loslösung besitzt, strahlt Frieden und Glückseligkeit aus und ist überall gern gesehen. Er ist nirgends ein Fremder, die ganze Welt ist sein Zuhause.

Im weltlichen Leben sind die Menschen für fünf Minuten glücklich und weinen in den nächsten fünf Minuten. Nur das höchste Bewußtsein, das durch Verzicht und Loslösung erreicht werden kann, bedeutet immerwährende Glückseligkeit. Darum kann auch niemand das Lächeln eines Sannyasin nachahmen.

Verzicht oder größere Befriedigung?

Obwohl Sannyasa den Weg des Verzichts bedeutet, entscheidet sich jemand für diesen Weg einzig und allein, weil es sein innerster Wunsch ist. Die einzig wahre Sehnsucht der Menschheit richtet sich auf ein höheres Leben, und im Sannyasa-Leben wird die Befriedigung aller niederen Wünsche umgelenkt und auf ein einziges höheres Ziel hin ausgerichtet. Man kann Ehrgeiz und soziale Ideale haben, in der Sinnenwelt leben oder irgendein anderes großes oder kleines Verlangen haben; trotzdem kann man den Weg der Entsagung gehen. Wie kann dies in ein spirituelles Leben verwandelt werden?

Jeder hat Bedürfnisse und Wünsche, der spirituelle Anwärter nutzt diese jedoch, um damit sein Bewußtsein zu stabilisieren. Ein Sannyasin sieht, fühlt und erlebt alles ebenso, er entsagt jedoch dem Gefühl, das wir erleben, wenn uns etwas weggenommen wird. Er entsagt nicht dem Objekt, sondern dem Gefühl. Das Objekt wird immer da sein, aber die Bindung an das Objekt, die Sehnsucht danach, das Objekt zu besitzen, muss vernichtet werden.

Die Energie, die unmittelbar auf einen Wunsch gerichtet ist, ist so stark und trägt so viel Kraft in sich, so dass sie ausgedrückt werden muss, um Unterdrückung und Krankheit zu vermeiden. Die meisten Menschen bringen sie nach außen auf physischer Ebene zum Ausdruck, auf eine Art, die niemals Erfüllung findet. Somit werden aus den Knospen Blüten und produzieren die Früchte der Unzufriedenheit, Ruhelosigkeit, Frustration und inneren Leere.

Ein Sannyasin lernt, diese verschwenderischen Energien zu sammeln und unmittelbar einer höheren und größeren Erfüllung entgegen zu führen. Durch selbstlosen Dienst und totale Hingabe werden alle Wünsche vereinigt und verwandeln sich in einen einzigen Wunsch. Energie und Konzentration wachsen, das Bewußtsein wird kraftvoll, wie ein Laserstrahl, der fähig ist, bis zum Kern deiner Existenz durchzudringen.

Verzicht und Verantwortlichkeit

Obwohl ein Sannyasin ohne Bindungen in dieser Welt lebt, handelt er niemals nachlässig oder verantwortungslos. Verantwortung bedeutet: Die Fähigkeit zu antworten. Es ist die Loslösung, die den Sannyasin befähigt, alle Lebenssituationen schöpferisch zu beantworten. Loslösung ist kein gleichgültiges 'Sich-abschließen' von der Welt, es ist vielmehr eine lebendige Opferbereitschaft. Durch die Loslösung bemüht er sich nach Vollkommenheit, jedoch ohne Erwartung auf Früchte oder Ergebnisse seiner Arbeit.

Die Dringlichkeit des Sannyasa Lebens

Jeder, der den spirituellen Pfad betritt und nach höherem Bewußtsein strebt, muss irgendwann auf seiner Leiter das Sannyasa Leben annehmen. Der Fortschritt wird zu einem Stillstand kommen, wenn man nicht ein Leben führt, in dem persönliche Verhaftungen aufgelöst werden. Ohne Loslösung kann ein höheres spirituelles Bewußtsein inmitten des weltlichen Lebens mit all seinen Aktivitäten nicht aufrechterhalten werden.

Man kann sich zwar einreden, 'Sannyasin im Inneren' zu sein und dabei alle Bequemlichkeiten, Bindungen und Besitz beibehalten. Aber mit diesen Fesseln wird es niemals möglich sein, spirituell wachsam zu bleiben. Mentale Loslösung ist für schwankende und labile Menschen ein nicht zu erreichendes Ideal. Erst durch ein Sannyasa Training in einem Ashram, wo Bindungen und Verwicklungen nicht möglich sind, wird sich das Bewußtsein stabilisieren und die schlafende Spiritualität ausgegraben.

Deshalb sollte niemand zögern, sich auf ein Sannyasa Training einzulassen. Gleichgültig, welche Rolle du im Leben spielst oder welchen Hintergrund du besitzt, Sannyasa wird dich dem höheren Lebensweg und klareren Gedankengängen näher bringen. Du musst dich nicht von deinem Mann oder deiner Frau scheiden lassen; verzichte vorübergehend auf dein Heim und die Kinder, um dich dem Ashramtraining zu widmen.

Danach kannst du in deine gewohnte Umgebung zurückkehren. Du wirst zwar die gleiche Person sein, aber du wirst in dir eine höhere Lebensweise, eine höhere Denkweise, mehr Festigkeit und eine wirkliche Annäherung an ein höheres Bewußtsein tragen. Du wirst nun wirklich wissen, was spirituelles Leben bedeutet und damit deine Umgebung bereichern, in der du lebst.

(Aus: Yoga Heft 17)

Die Sannyasa Tradition

Eine alte Tradition

Sannyasa ist eine uralte Tradition. Sie hat der Menschheit über Äonen hinweg sowohl spirituelle Weisheit als auch materielles Wissen bewahrt. In Sanskrit wird dieses Wissen vidya genannt. Menschen, die dieser Tradition angehören, nennt man Sannyasins.

Den alten Schriften zufolge haben Sannyasins in jedem Bereich des Lebens, also auch auf dem Gebiet der Wissenschaft, Großes geleistet. Wir betrachten Einstein heute als den Vater der Atomtheorie, aber schon vor fünftausend Jahren hat ein Sannyasin die Relativitätstheorie und die atomaren Gesetze entdeckt. Er hat uns in schriftlicher Form etwas hinterlassen, klarer und mehr in die Tiefe gehend als alles, was wir heute über diese Theorie lesen können.

Freud und Jung betrachten wir als die Väter der Psychologie. Wenn wir uns aber schon Patanjalis Werk anschauen, können wir sehen, dass es sich ausschließlich mit Psychologie befasst. So lassen sich viele Menschen namentlich nennen, die einen Beitrag zur Entwicklung der menschlichen Gesellschaft geleistet haben. Und diese Menschen waren Sannyasins.

Wir sind daher stolz darauf, dieser Tradition anzugehören. Wir vertreten eine bestimmte Lebenseinstellung, sind aber keiner religiösen Gemeinschaft verbunden. In der heutigen Zeit besteht unsere Aufgabe darin, Yoga weiterzugeben.

Sannyasa und Yoga

Sannyasa und Yoga sind zwei unterschiedliche Wege. Zu Yoga gehören verschiedene Techniken und Übungen, mit deren Hilfe die Menschen ihre innere Natur entdecken und verwirklichen können. Yoga ist für jeden geeignet, er mag jung oder alt sein, im weltlichen Leben engagiert oder zurückgezogen von allen weltlichen Verpflichtungen. Mit Yoga können wir uns nach innen bewegen und durch die Übungen Körper, Bewusstsein und Geist in Harmonie bringen. Yoga und Sannyasa sind nicht dasselbe, und um Yoga zu machen, braucht man nicht unbedingt Sannyasin zu werden.

Sannyasa ist eine Lebensweise, die sich völlig von der Theorie, der Übung und der Philosophie des Yoga unterscheidet. Sannyasa wird gern mit klösterlichem Leben verglichen, aber in meinen Augen ist diese Vorstellung zu eng. Sannyasa wird auch mit Rückzug gleichgesetzt; mit Menschen, deren Wunsch es ist, sich der Gesellschaft und ihrem Einfluss fernzuhalten und ein Leben in Einsamkeit zu führen, um an sich selbst zu arbeiten. Diese Entsagenden werden Sannyasins genannt. Aber auch das ist ein extremes Beispiel der Sannyasa Lebensweise.

Wenn wir nur den Gesetzen unserer inneren Natur folgen, können wir so leben, wie wir es wollen, wo es auch sei, in alles mögliche verwickelt sein, und trotzdem die innere Klarheit und unser inneres Gleichgewicht aufrecht erhalten. Um diese innere Klarheit müssen wir allerdings ringen. Wir müssen uns einer Lebensweise zuwenden, die es uns erleichtert, das innere Gleichgewicht zu finden. Das ist unter Sannyasa zu verstehen.

Das Wort Sannyasa birgt in sich zwei Elemente mit folgender Bedeutung: ‘San’ bedeutet (eine) harmonische Ausdruckskraft; ‘nyasa’ bedeutet richtige Anwendung der ihr innewohnenden kosmischen Stärke. Man muss nicht in der Einsamkeit der Berge leben, um die innere Ausgeglichenheit zu finden. Wozu soll man der Welt entsagen, wenn es ebenso möglich ist, mitten im Leben das innere Gleichgewicht aufrecht zu erhalten?

Einweihung - Diksha

Bevor ich weiter über Sannyasa und die verschiedenen Formen von Sannyasa spreche, möchte ich erklären, was Einweihung bedeutet. Es handelt sich keineswegs um den Beitritt zu einem Verein von Yogis oder Sannyasins. Es ist keine Eintrittskarte zum spirituellen Leben, es ist vielmehr ein Ausdruck des Vertrauens, das zwei Menschen ineinander setzen. Durch dieses Vertrauen wird es uns möglich, zu sehen und zu erfahren. Das Sanskritwort für Einweihung ist diksha, es bedeutet, erkennen zu können, was sich hinter dem Vorhang verbirgt, dem Schleier von maya. Maya ist sowohl kosmischer wie auch individueller Natur, wir müssen jedoch mit etwas beginnen, mit dem wir uns identifizieren können, und das ist die individuelle Natur. Das Ziel von diksha ist es, das wirkliche Selbst hinter dem, das im Körper existiert, zu erkennen und zu erfahren.

Durch diksha wird ein Mensch in die Lage versetzt, das wahre Selbst hinter dem, der den Körper bewohnt, zu erkennen und zu erfahren. Es gibt verschiedene Formen von diksha; Yoga Diksha und Sannyasa Diksha sind die bekanntesten. Yoga Diksha ist für Menschen, die den Yogaweg gehen, und hier gibt es eine weitere Unterteilung: Einweihung in ein Mantra und Einweihung in einen Namen. Das sind zwei bekannte Formen von Yoga Diksha. Es gibt noch eine dritte Form - Sankalpa Diksha, die Stärkung der Willenskraft. Ich möchte kurz über diese drei Formen der Einweihung sprechen, bevor wir uns Sannyasa zuwenden.

Mantra Diksha

Mantra Diksha ist die Einweihung in die Dimension von Schwingungen und Prana. Hier kommen wir unserem inneren Fühlen – den Emotionen - näher und bewegen uns vom Kopf- zum Herzraum, wodurch die Schwingungsnatur, die pranische Natur, der fühlende Aspekt des Lebens erfahrbar wird.

Ein Mantra ist eine Kombination von verschiedenen Klängen. Yogis haben herausgefunden, dass schlafende Bereiche unserer Persönlichkeit und unseres Bewusstseins durch die Kraft des Klanges angeregt und erweckt werden können. Es sind die Schwingungen von bestimmten Klängen, die durch ein Mantra auf unseren psychischen Körper einwirken.

Die Musik ist ein gutes Beispiel dafür, wie klangliche Schwingungen unsere Persönlichkeit beeinflussen. Bestimmte Arten von Musik regen uns an, andere bringen führen uns in einen nach innen gezogenen Zustand. Klangliche Schwingungen berühren auch die instinktiven Ebenen. So werden Tiere, die nur eine instinktive Intelligenz besitzen, vom Klang oder der Schwingung eines Tones berührt. Yogis wissen, wie durch Mantras verschiedene Ebenen von Energie und Bewusstsein in unserem Körper berührt und transformiert werden können.

In Kundalini Yoga finden wir einige Erklärungen für das Mantra System. Wenn wir z.B. das Mantra "Om Namah Shivaya" chanten, verändern wir damit das Muster eines bestimmten Chakras, und wir verändern den Energiefluss in unterschiedlichen Chakras. Nach außen zeigen sich solche Veränderungen des psychischen Körpers durch größere gedankliche Klarheit, Aufnahmefähigkeit, innere Stärke, die Fähigkeit, mit Stress besser umzugehen und unsere Kreativität besser zu nutzen. Durch das richtige Wiederholen eines Mantras können wir aber auch die Chakras erwecken. Das also ist eine Form von Yoga diksha.

Einweihung in einen spirituellen Namen

Die zweite Form von Yoga diksha ist die Einweihung in einen Namen. Diese Einweihung ist für Menschen gedacht, die schon ein Stück des Yogaweges gegangen sind und Wert darauf legen, eine innere Identität mit dem Höheren Selbst aufrechtzuerhalten. In der gleichen Weise, wie wir uns mit dem legalen Namen identifizieren, so wird unsere Verbindung mit dem inneren Geist dadurch erkannt, dass wir uns mit dem Aspekt und der Qualität des Geistes, wie er sich im Leben zum Ausdruck bringt, namentlich identifizieren.

Als Beispiel nehme ich meinen Namen: niranjana. In sich selbst ist dieser Name bereits ein Mantra. Die wörtliche Bedeutung ist 'makellos', 'unbefleckt'. Das drückt auch die Natur des Geistes aus, mit dem ich mich identifizieren kann. Ich habe es zu meinem Lebensziel gemacht, mich mit dieser meiner Eigenschaft zu identifizieren und sie zu erfahren. Durch die Einweihung in einen Namen kommt die Verbindung des Individuums mit der höheren, inneren Natur zum Vorschein.

Sankalpa diksha

Die dritte Form ist sankalpa diksha. Auf diese Form der Einweihung möchte ich hier nicht genauer eingehen. Ich will nicht die Leckerbissen auf einem Regal ausbreiten, von dem jeder nach seinen eigenen Wünschen auswählen kann. Yoga ist kein Supermarkt, es ist ein langsamer Prozess der Wandlung. Wenn sich Herz und Bewusstsein durch die innere Wandlung allmählich öffnen, erlangt man Verständnis und gewinnt Vertrauen.

Sannyasa diksha

Und nun kommen wir zu Sannyasa diksha. In Sannyasa liegt die Betonung auf zwei Aspekten: viveka und vairagyaa, Unterscheidungskraft und Nicht-Anhaften. Um Viveka und Vairagya zu erlangen, muss man sich bemühen. Die Kraft der Unterscheidung ist ein Ausdruck für Weitblick und beinhaltet ein natürliches Verständnis für Lebenssituationen. Erst, wenn wir Lebenssituationen begreifen können, sind wir in der Lage, die uns innewohnende Unterscheidungskraft einzusetzen, um die rechte Mitte zu finden.

Diese Unterscheidungskraft erlangt man nicht mit dem Verstand, sondern durch das Erkennen von richtig und falsch. Falsch im Sinne von Sannyasa ist alles, was dem Erkennen unseres eigenen Selbst im Wege steht, was den Prozess des inneren Erwachens verhindert, was dem Wachstum unseres Bewusstseins nicht zuträglich ist. Wenn wir die Kraft der Unterscheidung einsetzen, sind wir uns dessen bewusst, was uns gut tut und was uns nicht gut tut, und wie wir zwischen den beiden einen Ausgleich schaffen können.

Der zweite Aspekt ist das Nicht-Anhaften, was als Vairagya bezeichnet wird. Es ist in unserem Leben etwas ganz Normales, Zuneigung zu etwas oder jemandem zu empfinden, was mit emotionalem Engagement einhergeht. Es intensiviert das Besitzdenken, die Vorstellung von 'mein'. Wenn wir dann gezwungen werden, uns davon zu lösen, ist das mit Leid verbunden. Deswegen müssen wir uns bemühen, nicht anzuhaften, sondern auf natürliche und entspannte Weise anzunehmen. So verhindern wir, dass wir uns nicht lösen müssen, indem wir gewisse Dinge zurückweisen und wir dabei einen inneren Konflikt, ein Leid oder einen innerlichen Schmerz schaffen.

Der Mittelweg zwischen Anhaften und Entsagung ist Nicht-Anhaften, und das ist Vairagya. Die Dinge um uns herum können sein, ohne dass wir davon Besitz nehmen. Gedanken und Verhalten bleiben unbeeinflusst, weil wir uns nicht an die Dinge klammern. Ein Lotos wächst in Sumpf und Wasser, aber die Blume bleibt vom Wasser unberührt. Die Blätter der Blume weisen das Wasser ab. Selbst wenn man Wasser auf sie tropfen lässt, werden die Tropfen herunterfallen. Weder Blätter noch Blüte werden jemals nass oder feucht, sie verlieren nie ihre Frische und Reinheit. Mit Nicht-Anhaften können wir in der Welt leben und bleiben doch von ihr so weit unberührt, dass wir unser inneres Gleichgewicht nicht verlieren. Viveka und vairagya sind die wichtigen Stützpfeiler des Sannyasa Lebens.

Die Fünf Glieder des Sannyasa Lebens

Sannyasa ist eine Lebensweise, in der fünf Qualitäten auszubilden sind: Die erste ist svadhyaya, das Studium des eigenen Selbst: das Beobachten der menschlichen Natur und das Harmonisieren derselben durch das Befassen mit dem eigenen Selbst. Die zweite ist sadhana, eine Übung zur Vollkommenheit zu bringen. Um das zu erreichen, sind Regelmäßigkeit, Wahrhaftigkeit und Überzeugung erforderlich. Der dritte Aspekt des Sannyasa Lebens ist seva, Seva bedeutet, unseren Mitmenschen selbstlos zu dienen. Der vierte Aspekt ist satsanga, mit der Wahrhaftigkeit Hand in Hand zu gehen. Der fünfte Aspekt ist samarpan, sich bedingungslos dem Willen Gottes zu fügen. Ist uns das möglich, dann können wir unsere göttliche Natur unmittelbar erfahren. Das also sind die fünf Komponenten von Sannyasa, die die Kraft der Unterscheidung und das Nicht-Anhaften im Leben erfahrbar machen.

Paramahamsaji wurde einmal gefragt, ob es irgendwelche Zeichen gibt, die uns erkennen lassen, wie weit wir uns spirituell schon entwickelt haben. Seine Antwort war: "Ja, du wirst bemerken, dass Wünsche, das Anhaften und das Verliebtsein in weltliche Dinge allmählich nachlassen. Wenn sie zunehmen - sei es bezüglich Name oder Anerkennung, Geld oder Status - kannst du daraus entnehmen, dass du in die falsche Richtung gehst. Wenn dich das alles aber in keiner Weise tangiert, wenn du hier und jetzt lebst, die Zukunft deutlich vor dir siehst und deine Gedanken klar sind, dann darfst du annehmen, dass du dich weiter entwickelst."

Ich habe das im Leben von Sannyasins, die die Kraft hatten, ernsthaft an sich zu arbeiten, beobachten können. Sannyasa steht nicht im Widerspruch zum materiellen Leben. Ich habe sogar das Gefühl, dass das Sannyasa Ideal noch vertieft werden kann, wenn man es mit dem materiellen Leben verbindet. Auf diese Weise kann man nämlich die Bedürfnisse und Wünsche des Körpers, der Sinne und des Bewusstseins leben und erfüllen, und gleichzeitig eine veränderte Wahrnehmung entwickeln, eine neue Einsicht gewinnen, und mit und an sich selbst arbeiten. Dann muss man auch später nicht sagen, dass man irgendeine Erfahrung im Leben verpasst hat.

Der formende Aspekt von Sannyasa

Eine der Stufen von Sannyasa ist kutichak. Hier lernt man, in eine verantwortliche Wechselwirkung einzutreten. Das ist der formende, der prägende Aspekt des Sannyasa Lebens und gleichzeitig einer der wichtigsten, weil er das Fundament für Sannyasa ist. Das Sannyasa Ideal beinhaltet, ein Leben im Einklang mit der eigenen Natur zu führen, ohne sich selbst bestimmte Strukturen und Disziplinen aufzuerlegen.

Shankaracharya gab dazu folgendes Beispiel: Der Kringelschwanz eines Hundes kann gestreckt werden, indem man ihn in ein Rohr zieht. Solange er sich in dem Rohr befindet, bleibt er gerade. Entfernt man jedoch das Rohr, wird der Schwanz in seine alte Kringelform zurückspringen. Nun, so ist es wirklich. Äußerlich haben wir eine Robe angelegt; äußerlich haben wir bestimmte Bedingungen und Disziplinen angenommen, weil wir ursprünglich gerne 'dazugehören' wollten. Aber innerlich, vom Bewusstsein her waren wir nicht richtig darauf vorbereitet, und deshalb werden wir bei der ersten passenden Gelegenheit alle Disziplinen über Bord werfen. Ich möchte deshalb noch einmal betonen, wie wichtig das formende Training ist.

Diese Schulung kann unter der Führung eines Gurus geschehen, während man in einer Gemeinschaft lebt, in der verschiedene Mentalitäten zusammenprallen. Das Leben als Spiel zu erkennen, ist Sinn dieser Schulung. Heute sind die Voraussetzungen für eine solche Schulung nicht mehr so leicht zu finden. Damals, in den Anfangsjahren unseres Ashrams, waren wir einfach eine Horde Kinder. Es ging uns großartig, weil wir mit unserem Guru lebten und alles mögliche taten, was verboten war. Viele konnten dieses Training nicht aushalten und gingen. Viele überlebten, machten noch eine Zeitlang weiter und gingen dann. Von den wenigen, die noch übrig blieben, blieben viele noch ein paar Jahre dabei und gingen dann.

Von diesen wenigen sind einige noch heute dabei. Das zeigt deutlich, dass Sannyasa keine Lebensform ist, durch die man sich im Handumdrehen verändert; es erfordert harte Arbeit. Nur, wenn du bereitwillig an dir arbeitest und alle möglichen Entbehrungen auf dich nimmst, wenn du deiner Natur entsprechend lebst und dein Bewusstsein gefestigt ist, wird sich Sannyasa in deinem Leben verwirklichen.

Die Anwendung von Sannyasa

Die Prinzipien von Sannyasa im in das eigene eigenen Leben zu integrieren, ist ein weiterer Aspekt. Nachdem man das Anfangstraining durchlaufen hat, ist das Einbinden von Sannyasa ins Leben von größter Wichtigkeit. Hier kommt der Moment, in dem das Ego verrückt spielt. Das Ego ist etwas, was man niemals richtig unter Kontrolle bekommt kontrollieren kann, denn es ist eine ungeheure Kraft. Ich begegne oft Menschen, die psychisch sehr weit entwickelt sind.

Wenn sich bei ihnen jedoch das Ego zeigt, verlieren sie jede Kontrolle, denn nun wird auch die Natur des Ego psychisch. Es lässt sich nicht fassen, nicht mit dem Verstand begreifen, man kann es nicht analysieren, rationalisieren, verstehen, kontrollieren, lenken und nicht überwinden. Es wird zu einer starken Kraft und kann sich auch als bindende und negative Kraft bemerkbar machen. Es kann zur Erde zurückziehen, zu den Vergnügungen des Lebens. Um das psychische Ego zu bändigen, ist es so wichtig, das richtige Verständnis von Sannyasa ins Leben zu integrieren.

Wenn man diese Stufe durchlaufen hat, wird man frei und fühlt sich nicht mehr von den begrenzenden Elementen des Lebens angezogen. Diese Freiheit lässt sich in spiritueller Dimension erfahren. Das Karma des Körpers müssen wir, solange wir einen Körper haben, trotzdem weiter erfüllen. Wir müssen essen und Sorge für den Körper tragen. Solange wir Gedanken und Gefühle haben, dürfen wir auch diesen Bereich nicht ignorieren, jedoch mit veränderter Wahrnehmung, veränderter Einstellung und einem veränderten Lebenskonzept, das wir auch leben. Mit diesem veränderten Lebenskonzept und der Übertragung ins eigene Leben wird Sannyasa Wirklichkeit. Die äußeren und die inneren Aspekte des Lebens sind darin integriert.

Durchführbarkeit von Sannyasa

Die yogischen Schriften stellen die Philosophie und das Ziel von Sannyasa genauestens dar. Beide sind spiritueller Natur und übersteigen damit das normale menschliche Verständnis, das von der Umgebung, in der wir leben, beeinflusst ist. Gleichzeitig lehrt uns Sannyasa auch, dass man auch praktisch denken muss und nicht in einer Fantasiewelt leben darf. Samskaras, Wünsche und Karmas müssen wir durch die Praxis überwinden. Deswegen wird der Aspekt der Praxis von Sannyasa besonders stark betont.

Menschen, die dieser Tradition durch ihre Kultur verbunden waren und den entsprechenden Hintergrund hatten, die dem Luxus und den Annehmlichkeiten des Lebens nicht ausgesetzt waren, konnten sich ohne Probleme von einem zum anderen Augenblick aus der Gesellschaft lösen und ein zurückgezogenes Leben führen. Auch heute finden wir noch solche Sannyasins, die in verborgenen Ecken der Welt leben. Das ist für Menschen aus anderen Kulturkreisen nicht so einfach, sie müssen etwas mehr daran arbeiten.

Ich habe die Beobachtung gemacht, dass sowohl Inder als auch Menschen jeder anderen Nationalität aufgrund ihrer kulturellen Konditionierung in ganz bestimmter Weise denken, handeln, sich verhalten und glauben. Solange sie sich mit ihrer Programmierung im Einklang befinden, können sie das Sannyasa System akzeptieren. Doch wenn man sie dort herauslöst, damit sie sich auf etwas anderes einlassen, dann wird es schwierig und sie verlieren leicht den Kontakt mit dem wahren Sannyasa Geist. Ihre ganze Aufmerksamkeit und ihre Energien lenken sie in eine völlig andere Richtung. Weil ich das immer wieder beobachten konnte und auch selbst Menschen in Sannyasa eingeweiht habe, die sich so verhalten, habe ich Einweihungen inzwischen stark eingeschränkt.

Stufen von Sannyasa

Bis vor einiger Zeit war es Swami Sivananda, der sehr großzügig in Sannyasa einweihte. Er sagte immer, dass der Same der Spiritualität in jedem vorhanden ist, dass es nur des richtigen Momentes bedarf, um aufzugehen. Er war der Meinung, dass jeder die Möglichkeit haben sollte, das Sannyasa-Leben zu erfahren. Die gleiche Tradition wurde von Paramahamsa Satyananda fortgeführt. Er teilte Sannyasa in alle Richtungen aus. Er hatte zweifellos die Kraft und Energie, Menschen zu führen und zu inspirieren. Als aber die Last auf meine Schultern fiel, da wusste ich, dass ich nicht die Kraft und Energie von Swami Sivananda und nicht die von Swami Satyananda habe. Ich glaube nicht einmal, dass ich es will, es schafft einfach zu viele Probleme.

Ursprünglich gab es in der Tradition nur purna sannyasa. Paramahamsaji bezog den Aspekt von karma Sannyasa für die Menschen mit ein, die inmitten der Gesellschaft leben und ihre Verpflichtungen haben und trotzdem eine spirituelle Identität in ihrem Leben aufrechterhalten möchten. Als ich meine Aufgabe übernahm, habe ich den Aspekt von jigyasu Sannyasa aufgenommen und gleichzeitig die Einweihung in Purna Sannyasa eingeschränkt, weil letzteres wirklich eine sehr tiefgehende Sache ist.

Sannyasa heute

Meine augenblickliche Aufgabe ist nicht einfach, denn ich habe es mit zwei Generationen zu tun. Da sind zum einen die Jünger von Paramahamsaji und zum anderen gibt es die von mir geschulten Sannyasins. Für die Jünger von Paramahamsaji bin ich Guru-Bruder und nicht ihr Lehrer. Sie denken, sie können sich jede Art von Freiheit mit mir erlauben, weil Paramahamsaji nicht da ist, um sie zu führen und ihnen Richtlinien zu geben. Manchmal müssen wirklich harte Schritte eingeleitet werden, um sie etwas zu lehren, egal wie sehr wir uns mögen und lieben.

Ursprünglich wurde in Sannyasa eingeweiht, um Menschen dabei zu helfen, sich zu entwickeln und ihre eigenen Reaktionen im Leben zu verstehen. Es zeigte sich jedoch, dass einige von denen, die sich in Sannyasa einweihen ließen, unreif waren. Es fehlte ihnen die Fähigkeit, mit verschiedenen Lebenssituationen richtig, positiv und kreativ umzugehen. Sie ließen sich stattdessen vom Gedanken an Macht einfangen und verloren ihre Verbindung zur Weisheit.

Aus diesem Grund habe ich im Jahr 1990 viele Sannyasins, Lehrer der Tradition, Acharyas und Gurus besucht, und mich mit ihnen ausgetauscht und diskutiert. Schließlich kam ich zu der Überzeugung, dass wir in unserer heutigen Zeit ein System brauchen, mit dem Sannyasa erfahren werden kann. Ein System, das ein gutes Training beinhaltet, durch das die Aspiranten bestimmte Eigenschaften in ihrem Leben entwickeln können, um die tiefere Bedeutung von Sannyasa zu verwirklichen. Das war der Hintergrund, aus dem heraus Jigyasu Sannyasa entstand.

Nach weiterer Beratung mit den Acharyas der Sannyasa Tradition wurden 1991 Verhaltensregeln aufgestellt, um den idealen Sannyasa Geist anstreben zu können, ohne diesen Weg falsch auszulegen. Diese Regeln beinhalten, wie man in der Welt, in der Familie und in einem Ashram lebt und wie jeder Moment genutzt werden kann, die eigenen Fähigkeiten wachzurufen.

Jigyasu, Karma und Purna Sannyasa

Die erste Stufe von Sannyasa ist Jigyasu und ist für den Suchenden. Es ist die einfachste Form von Sannyasa. Man kann so leben, wie man möchte: allein oder in der Familie, zurückgezogen oder in der Gesellschaft, mit einem Beruf oder ohne. Man darf durch die Einweihung in Sannyasa nicht mit der gewählten Lebensform in Konflikt geraten. Trotzdem sollte eine Identität und das Wissen darum, sowie das Ziel, auf Suche nach Vollendung zu sein, nicht verloren gehen. Der Leitsatz für Jigyasu Sannyasins ist: 'Ich bin ein Suchender auf dem spirituellen Weg.' Auf dieser Stufe sind es das Sadhana und die einzuhaltenden Disziplinen, die für die eigene Handlung und das Verhalten bewusst machen und die innere Wahrnehmung entwickeln. Dadurch wird sich die Aufnahmefähigkeit im Leben ausdehnen und zu größerer Toleranz und Verständnis für unseren eigenen Lebensweg führen. Das ist die erste Ebene von Sannyasa.

Wenn man dann mit der Jigyasu-Lebensweise gut zurechtkommt und weitergehen möchte, folgt als nächstes Karma Sannyasa. Auf dieser Stufe versucht man, die Handlungen ausgewogener werden zu lassen und den Früchten der Handlung zu entsagen. Das geht Hand in Hand mit dem ganz normalen Leben. Man gibt seinem dharma gemäß bei allem sein Bestes und hegt keinerlei Erwartung. Mit der Einweihung in Karma Sannyasa ist ein anderes Sadhana verbunden, einige weitere Eigenschaften werden kultiviert, und man wird sich noch mehr seiner selbst bewusst. Auf diese Weise kann man sich allmählich von dem Anhaften an alltägliche Handlungen lösen, die uns an die Welt der Sinne ketten.

Wenn dieser Harmonisierungsprozess erfolgreich verlaufen ist und man immer noch weitergehen möchte, dann gibt es Purna Sannyasa. Purna Sannyasa beinhaltet eine völlig andere Lebensweise. Hier zieht man sich für einige Zeit von der Gesellschaft und der Familie zurück und lebt unter der Führung des Gurus. Man verinnerlicht seine Lehren, kommt mit sich selbst ins reine und überwindet schließlich das individuelle Ego. Danach geht man wieder zurück in die Welt und lebt das Sannyasa-Leben entsprechend der eigenen Möglichkeiten. In Purna Sannyasa lebt man die Sannyasa-Ideale in jedem Moment, denn das spirituelle Leben spielt die entscheidende Rolle. Wir erforschen uns selbst, indem wir mit uns selbst experimentieren, um uns weiter zu entwickeln, und dabei gehen wir so weit, wie es uns möglich ist.

Sannyasa ist ein natürlicher Lebensweg, und man sollte vermeiden, sich nun wiederum zu konditionieren. Man bekommt zwar eine bestimmte Kleidung, die deshalb gegeben wird, damit man sich mit dem spirituellen Leben identifizieren kann, die sich jedoch auf den beiden ersten Stufen mit der ganz alltäglichen Kleidung kombinieren lässt. Jigyasu Sannyasins tragen gelb, und bei Karma Sannyasins sieht die Kleidung etwas anders aus. Purna Sannyasins tragen ein Dhoti, wie ich eines trage. Wer an sich selber arbeiten möchte, sollte diese veränderte Lebensweise annehmen, um dem Leben einen tieferen Sinn zu geben, um die eigene Spiritualität zu begreifen und sich so von einer Stufe zur nächsten fortzuentwickeln.

Jede der verschiedenen Stufen ist wichtig. Es geht nicht, sich heute in Jigyasu Sannyasa einweihen zu lassen, morgen in Karma Sannyasa und übermorgen in Purna Sannyasa. Mindestens ein Jahr sollte zwischen der ersten und der zweiten Einweihung verstreichen. Hat man das Gefühl, noch nicht soweit zu sein, dann ist es besser, sich Zeit zu lassen. Man muss sich absolut sicher sein in dem, was man tut, glaubt und erfährt und sich dabei wohl fühlen. Wenn innere Konflikte auftauchen, steht das im Widerspruch zu Sannyasa.

Das Vertrauen des Gurus

Sannyasa gibt uns die Möglichkeit, verschiedene Charaktereigenschaften auszubilden, aber das ist mit Arbeit verbunden. Wenn Menschen in Sannyasa eingeweiht werden, sind sie noch nicht vollkommen. Durch Sannyasa wird ein inneres Vertrauen zwischen Guru und Jünger aufgebaut. Man erhält keine Urkunde, die man sich an die Wand hängen kann, und man wird auch nicht Mitglied in einem Club. Mit der Einweihung in Sannyasa setzt der Guru sein ganzes Vertrauen in seinen Jünger, in der Hoffnung, dass dieser Jünger in der Lage sein wird, Sannyasa zu leben. Es ist, als wenn man ein Zeugnis bekommt, bevor die Erziehung überhaupt beginnt, und wo in der Welt ist das möglich? Das geht nur in Sannyasa, bedeutet aber, dass nach der Einweihung das Ringen um Vollkommenheit beginnt. Dieser Aspekt einer Lehrer-Schüler-Beziehung ist etwas Wunderbares.

Manchmal bekommen wir es vielleicht mit der Angst und glauben, dass wir uns durch die Einweihung dem Guru ausliefern und die Kontrolle und unsere Identität verlieren könnten. Diese Ängste sind unbegründet, denn wir übersehen dabei das in uns gesetzte Vertrauen. Wenn wir aber erkennen können, dass der Guru uns vertraut, dann werden wir die Quelle der Inspiration zu schätzen wissen. Wer seine Verpflichtung ernst nimmt, wird sich entsprechend dem Vertrauen, das in ihn gesetzt wurde, verhalten.

Mit Sicherheit kann Sannyasa dazu beitragen, die Stärken unserer eigenen Natur zum Vorschein kommen zu lassen und daran zu arbeiten, unsere Energien besser zu nutzen. Die richtige Umgebung für diese Arbeit ist zum einen die Familie, zum anderen die Einsamkeit, einige Zeit verbringt man in der Nähe des Meisters und einige Zeit in einer Gemeinschaft oder einem Ashram, in dem die anderen einem ähnlichen Lebensziel anstreben.

Der Weg des Sadhanas

Die meisten der frisch eingeweihten Sannyasins glauben, sie seien über Nacht zu Propheten geworden, hätten damit einen höheren Status erworben und seien nun vollkommen. Aber dem ist nicht so. Sannyasins sind ganz sicher keine perfekten Menschen. Wenn man Perfektion von Menschen erwartet, die noch an ihren Samskaras, Karmas, ihrem Ehrgeiz und ihren Wünschen zu arbeiten haben, dann versteht man das Sannyasa System irgendwie falsch. Sannyasa ist der Weg, sich zu entwickeln.

Durch das Sadhana wird Sannyasa vollkommen, und der Weg ist der des Dienens. Das Sadhana umfasst folgende Lernschritte: Selbstanalyse, Selbstbeobachtung, Ausdehnen des Bewusstseins, Zuneigung für jeden zu empfinden, Sympathie und Antipathie zu überwinden, mit der wahren Natur im Einklang zu sein und schließlich das Opfern des eigenen Willens an den göttlichen Willen. Um sich in dieser Lebensweise zu festigen, muss man sich zuerst einmal seiner selbst bewusst werden und die fundamentalen menschlichen Qualitäten entwickeln. Man muss sich zu einem reifen Menschen entwickeln, denn ein unreifer Mensch ist kein Sannyasin.

Diese Reife muss sich in Gedanken, Gefühlen, dem Verstand und durch die Ausstrahlung zeigen. In den Yoga Sutras wird diese Reife als eine wichtige Lebensqualität bezeichnet, die es zu entwickeln gilt. In den Aspekten der yamas und niyamas drückt sich diese Reife schon aus, und deshalb muss man auf der ersten Stufe beginnen, was bedeutet, sich mit der augenblicklichen Lebensform anzufreunden. Die fünf Elemente - sadhana, seva, svadhyaya, samapan und satsang - werden ins Alltagsleben integriert. So kann Meisterschaft in der Lebensweise eines Sannyasin erlangt und die Kraft eines gesunden Urteilvermögens und des Nicht-Anhaftens gewonnen werden.

Wenn man etwas erreicht, ist das immer mit Macht und Weisheit verbunden. Aber unser Ego zieht die Aufmerksamkeit zur Macht und ignoriert die Weisheit. Wenn jemand aus der Höhe abstürzt, ist immer das Ego die Ursache, und das gilt sowohl für den ganz normalen als auch für den geistig hoch entwickelten Menschen. In Sannyasa muss man sich mit der Weisheit identifizieren und nicht mit der Macht. Diejenigen, die einen Pakt mit der Macht schließen, betrügen sich selbst. Wenn es an Weisheit mangelt, kann es keinerlei Fortschritt oder Wachstum geben und man wird am Ende nichts erreichen.

Sannyasa Schulungskurs

In Anbetracht all dieser wichtigen Faktoren haben wir im Jahr 1991 einen einjährigen Sannyasa Schulungskurs durchgeführt. Wer daran teilgenommen hat, hat diese Art Training durchlaufen, und ich nenne diese Menschen heute stolz 'meine Sannyasins'. Sie können in ausgewogener Weise arbeiten und haben ein größeres Verständnis für die menschliche Natur. Sie arbeiten, um sowohl sich selbst als auch anderen zu helfen und integrieren die fünf Elemente von Sannyasa in ihrem Leben.

Im Jahr 1992 haben wir einen ähnlichen Kurs für Teilnehmer anderer Nationen durchgeführt, der ein halbes Jahr dauerte. Es war eine harte Zeit für uns alle, ununterbrochen galt die Devise: beobachte dich selbst; beobachte deine Reaktionen und harmonisiere sie; entferne dein Ego; sei ernsthaft; sei unschuldig; bringe dein Urteilsvermögen zum Ausdruck. Auf diesen Aspekten lag der Schwerpunkt.

Die Freiheit erfahren

Es gab immer wieder mächtige Gurus, die viele Menschen ohne jegliche Unterteilung gleich in die volle Form von Sannyasa eingeweiht haben. Aufgrund ihrer Stärke und Inspiration waren sie in der Lage, die Aspiranten zu führen. Heutzutage ist es schwer, so einen Guru zu finden, und es ist noch schwerer, Menschen zu finden, die sich so führen lassen. Die meisten von uns möchten jede Regel, die geschrieben steht, übergehen, weil das Missachten von Regeln mit Unabhängigkeit und Freiheit assoziiert wird. Aber in Sannyasa geht das nicht. Die Disziplin ist notwendig, um mentale Begrenztheit zu überwinden, und nur so wird schließlich die innere Freiheit erfahrbar.

Das Sannyasa-Leben sollte nicht dazu dienen, Freiheit im äußeren Leben zur Schau zu stellen. Indem wir erkennen, was Freiheit wirklich bedeutet, kommen wir dem inneren Wesen näher. Das Wissen über diese Freiheit ist kein intellektueller Vorgang, sondern eine lebendige Erfahrung. Wissen muss sich selbst in lebendige Erfahrung verwandeln, sonst ist es wertlos. Wenn Wissen nicht angewandt werden kann, wenn es nicht erfahrbar wird, sollten wir erst gar nicht nach Wissen streben, weil es zu noch größerer Verwirrung und Unwissenheit führt. In den Upanishaden heißt es, Nichtwissen führe in die Dunkelheit, Wissen jedoch, das nicht richtig angewandt wird, führe in noch größere Dunkelheit. Deshalb ist es unsere höchste Pflicht, die unmittelbare Erfahrung zu machen, was dann möglich wird, wenn wir bestimmte Charaktereigenschaften ausbilden. Danach müssen wir streben und daran arbeiten, wenn wir der Tradition gerecht werden wollen.

Der Tradition gerecht werden

Ich glaube, nur durch Willenskraft, Entschlossenheit und Streben kann ein Mensch Großes erreichen. Der von Shankaracharya gegründeten Dashnami Tradition gehören 520.000 Sannyasins an. Man stelle sich nur vor, dies wären alles vollkommene Menschen. Der Anblick der ganzen Erde würde sich über Nacht verändern.

Fünfhundertzwanzigtausend ist eine beachtliche Zahl, aber nur wenige unter ihnen widmen sich ganz und gar dem Erfahren von wahrem Sannyasa. Wir wissen nicht, was in ihren Herzen vorgeht und kennen nicht ihre Wünsche und Ambitionen und das, wonach sie streben. Wir brauchen das auch gar nicht zu wissen. Wichtig ist nur, das Sannyasa Ideal in unser eigenes Leben zu integrieren. Wenn dieses Streben ernsthaft ist, dann können wir Sannyasa gerecht werden und zu den wenigen gehören, die ihr inneres Licht entzündet haben. Wenn diese Inspiration jedoch schwankt, dann können wir überhaupt keiner Tradition gerecht werden, ob nun Sannyasa oder im normalen Leben.

Nicht nur in Sannyasa können wir gewinnen oder verlieren. In allen Situationen des Lebens erfahren wir entweder das eine oder das andere, in der Schule, in der Partnerschaft, im Beruf, als Arzt oder als Wissenschaftler. Erfolg oder Misserfolg können uns im Sannyasa-Leben nicht berühren, solange wir innere Klarheit haben und das Ziel vor uns liegt. Ich glaube, auch Menschen des westlichen Kulturkreises können sich sehr behutsam für die Sannyasa Tradition öffnen. Sie können sich lehren lassen, wie durch bestimmte Disziplinen universale Qualitäten freigelegt werden und wie sich Gedanken und Ego bändigen lassen. Auf diese Weise können ganz sicher auch sie der Tradition gerecht werden. In jedem Falle bleibt es eine individuelle Angelegenheit, denn die entscheidende Frage lautet, wie weit man sich selbst gegenüber Verantwortung übernimmt.

Indem wir ernsthaft, ohne uns selbst zu belügen, wahrhaft menschliche Eigenschaften entwickeln, können wir sogar dazu beitragen, die Sannyasa Tradition neu zu strukturieren. Ein Jigyasu Sannyasin kann den ersten Schritt in diese Richtung gehen und sich vornehmen: "Ich überantworte mich meinem höheren Selbst. Ich bin mir selbst gegenüber aufrichtig." Das ist eine Verpflichtung, die du für dich selber übernimmst und nicht einem anderen gegenüber. Wenn du diese Verpflichtung nicht einhalten kannst, ist niemand außer dir der Verlierer. Dann haben die Verlockungen, die Ambitionen und Schwächen gesiegt.

Ich erinnere mich an die Worte von Paramahamsaji während des dreijährigen Sannyasa Schulungskurses im Jahr 1970, an dem ich einige Monate teilnahm: "Ich will Menschen aus Stahl und keine Mohrenköpfe. Menschen, die Schwierigkeiten mit einem Lächeln auf den Lippen und lachenden Augen gegenübertreten können und immer gewinnen." Wer daran denkt, den Sannyasa Weg zu beschreiten, sollte diese Vision und diese Inspiration vor Augen haben.

Hiermit habe ich einige meiner Gedanken über Sannyasa dargelegt. Ich bin überzeugt, dass wir mit der richtigen Einstellung zumindest einen Teil des Weges gehen, vielleicht sogar das Ziel erreichen können. Aber selbst, wenn es nur ein Teil des Weges ist, wird er uns unserem Ziel näher bringen. Natürlich - die Wälder sind wunderschön, dunkel und tief, doch ich habe ein Versprechen zu halten und noch Meilen zu gehen, bevor ich schlafe!

(Aus: Yoga of Unity. Deutsche Übersetzung; Yoga Heft Nr. 57) - Paramahamsa Niranjanananda Saraswati

Satsang mit Swami Niranjanananda

Frage: Beim Lesen von Swamiji's `Teachings' fällt mir auf, dass viele Menschen gerne Sannyasa nehmen würden, aber verwirrt sind mit der Verbindung zwischen Sannyasa und Ehe, Eigentum, Geld, Macht usw. Was kannst du uns dazu sagen und was für einen Kodex haben Sannyasins, die außerhalb des Ashrams ihres Gurus leben?

Sie sind als Sannyasins geschult und es wird von ihnen erwartet, so zu leben. Das bedeutet, sie verzichten auf persönlichen Wohlstand und Vergnügen, um anderen zu helfen, indem sie ein System, eine Technik benutzen, wodurch Körper und Bewusstsein in Harmonie gebracht werden, so dass eine Atmosphäre geschaffen wird, die das Erwachen der Spiritualität im Individuum fördert.

Gleichzeitig wird von Sannyasins erwartet, dass sie freiwillig all ihren Besitz außer wenigen persönlichen Dingen, aufgeben. Jede Ansammlung von Geld, Bankkonten, Wertgegenständen oder Grundstücken sind integraler Bestandteil der Institution, um im Sinne und mit den Zielen des Ashrams benutzt zu werden.

Ein Sannyasin, der dieser Tradition angehört, lebt im Zölibat, ist also nicht verheiratet und lebt in keiner Partnerschaft. Wenn sie heiraten, nachdem sie in Sannyasa eingeweiht wurden, sind sie traditionellerweise nicht länger als Sannyasins zu betrachten.

Familien (Ehepartner und Kinder), die gerne Sannyasa nehmen möchten, können dies tun und als Karma Sannyasins leben, in das sie der Guru einweihen kann.

Was das persönliche Leben und den Besitz betrifft, möchte ich folgendermaßen zusammenfassen: Von unseren Sannyasins, besonders solchen, die unter voller moralischer und spiritueller Obhut unseres Gurus und seines Nachfolgers stehen, wird erwartet, dass sie, wenn sie für eine Institution verantwortlich sind, ihr Leben so führen, wie oben beschrieben und so arbeiten, dass sie dem Ruf unserer alten Tradition oder darüber hinaus der Yogalehre nicht schaden.

In diesem Fall wird von den Sannyasins erwartet, dass Organisation und Geldangelegenheiten in jeder Hinsicht mit unserer Vorstellung übereinstimmen, dass sie ihren gesunden Menschenverstand benutzen und die Gesetze des Landes respektieren.

Wenn Zweifel oder Schwierigkeiten, oder Unsicherheit über Verhaltensweisen in bestimmten Situationen auftauchen, (sei es eine intime persönliche Sache, körperlich oder medizinisch, moralisch oder ethisch, politisch oder spirituell, finanziell oder organisatorisch), dann sollte sich der Sannyasin sofort mit dem Guru oder seinem Nachfolger oder seiner Vertretung in Verbindung setzen und sich, wenn nötig, für eine gewisse Zeitspanne im indischen Ashram aufhalten, bis Zweifel oder Schwierigkeiten behoben sind.

Um Fehler in der Organisation und der Lehre zu vermeiden und mit den Regeln des Mutterashrams stets im Einklang zu leben, wird von den Swamis, die außerhalb von Indien leben, erwartet, mindestens alle zwei Jahre einen Monat im Ashram in Munger zu verbringen. Ohne den regelmäßigen Kontakt wird es für Sannyasins sehr schwer sein, die Verbindung mit dem Guru, seinem Nachfolger und dem Ashram aufrecht zu erhalten. Diese Verbindung ist lebensnotwendig, nicht nur für die Übermittlung von Lehre und Energie, sondern auch für ein erfolgreiches Sadhana und das Sannyasa Leben.

(Aus: Yoga Magazine, September 1989, Indien; Yoga Heft Nr. 34)

Ist jeder berechtigt, voll Sannyasa zu nehmen? Was muss man tun, was muss man sein?

Swami Satyananda: Wenn du Sannyasa als Teil einer großen religiösen oder okkulten Organisation betrachtest, dann gibt es sicher Qualifikationen; wenn du bestimmte Qualifikationen erfüllst, dann wirst du Professor oder Bischof. Wenn du Sannyasa jedoch als persönliche Wahl betrachtest, wodurch jeder Einzelne spirituell wachsen kann, dann sind keine äußeren Qualifikationen notwendig. Die Qualifikationen sind ganz und gar persönlicher Natur. Meine ich es ernst? Will ich es wirklich? Nehme ich Sannyasa für meine spirituelle Erbauung? In einem solchen Fall ist ein Minimum an Qualifikationen ausreichend, um Sannyasa zu nehmen.

Was ist Sannyasa? Wörtlich bedeutet es vollständige Hingabe. Nun, es ist wichtig, das Wort Hingabe richtig zu verstehen. Wenn du mit Worten betonst, dass du dich hingibst, ist das nicht genug. Wenn du mir sagst: 'Ich will dir alles geben', so ist das nicht genug. Was gibst du hin und wie gibst du hin? Als menschliches Wesen hast du Emotionen, Intelligenz, ein Gedächtnis, Sprache, Stärke, Gesundheit, Rücklagen, Freunde, Gesellschaft. Das ist dein Vermögen; das ist dein Geld. Benutzt du es oder verschwendest du es für dich? Eines Tages kommt es dir in den Sinn: 'Hey, was mache ich? Ich will das, was ich habe, für einen ganz bestimmten Zweck verwenden.'

Das ist dein Sankalpa. Von diesem Tag an werden deine Gedanken, deine Energie, dein Bewusstsein, dein Prana, dein Tag, deine Nacht, dein Essen, dein Schlafen, deine Freunde, alles und alles nur noch für diesen Zweck verwendet. Das ist die genaue Bedeutung von Sannyasa. Deshalb sind Sannyasins nicht verheiratet. Wenn du eine Frau hast, musst du dich um sie kümmern. Du musst ihr dein Bewusstsein, dein Geld, deine Liebe, deine Unterstützung und viele andere Dinge deines Vermögens geben. Aus diesem Grunde gibt es für einen Sannyasin das Zölibat.

Sannyasa ist einer der ältesten Orden. Es hat nichts mit Mönchsein zu tun. Mönche und Priester haben einen anderen Orden. Bitte vermische nicht Sannyasa mit der Mönchstradition. In der alten griechischen Zivilisation gab es eine Tradition der Mönche. Das Wort Mönch stammt aus dem Wort Mono und bedeutet allein. Ein Sannyasin ist kein Mönch. In Europa wurde ich oft vorgestellt als Swami Satyananda, ein hinduistischer Mönch. Aber ich sagte immer, dass ich kein Mönch bin, sondern Sannyasin.

Ein Sannyasin ist jemand, der sich der Selbsterkenntnis, dem Atma Gyana vollkommen hingegeben hat. Dich selbst zu erkennen, wer du bist, dass ist der Sinn von Sannyasa. Im Moment denke ich vielleicht: 'Ich bin Swami Satyananda, und das ist genug.' Nein. Ich bin nicht Swami Satyananda. Ich bin nicht dieser Name, diese Form, dieser Geist, dieses Prana, diese Sinne. Ich bin das Selbst. Aber wer ist das? Ist es Licht? Ist es Kraft? Ist es Weisheit? Ist es Shoonya? Was ist es? Existiert es überhaupt?

Um deine wahre Natur zu entdecken, um über dein Körperbewusstsein hinauszugelangen, über den Geist, die Sinne, um die Verbindung zwischen dem Atma und dem Ganzen zu begreifen, musst du all deine mentalen, psychischen, emotionalen und physischen Schätze in diese Richtung lenken. Dann nimmst du Sannyasa, und dann musst du bestimmte Regeln für dich aufstellen. Du kannst nicht einfach nachsichtig und milde sein.

Ich will nicht sagen, dass Sannyasa der Weg der Unterdrückung ist, aber Menschen mit Wünschen und Leidenschaften, mit Gewalt und Heftigkeit sollten nicht Sannyasa nehmen. Sie können ihre Ressourcen vielleicht ein bisschen umlenken, aber nicht vollkommen. Wenn man mit Bewusstsein, Körper, Sinnen und Gefühlen nur ein einziges Ziel vor Augen hat, dann ist man reif, Sannyasa zu nehmen und den Pfad zu gehen, sich selbst gewisse Regeln setzend.

Sannyasa ist absolut und total auf die Verbindung mit dem Guru bezogen. Wenn du keinen Guru hast, dann bist du kein Sannyasin. Sich selbst darbringen, sich selbst hingeben, sich jemandem anderen vollkommen hingeben, das ist der innere Geist von Sannyasa. Wenn du dich selbst hingibst und Sannyasin wirst, dann muss da jemand sein, dem du dich hingeben kannst, und das ist der Guru. Dies ist ein Aspekt von Sannyasa.

Es kommt aus einer tiefen Ergebenheit heraus, dass du dich mit Leib und Seele hingibst. Ohne Ergebenheit kannst du dich nicht hingeben. Aus der Geschichte wissen wir, dass Menschen zu Märtyrern wurden. Viele Menschen haben ihr Leben zum Wohle von irgendetwas hingegeben. Warum? Es geschieht aus totaler Ergebenheit und Hingabe, dass du ein Märtyrer wirst oder dich selbst opferst.

Wenn du jemanden liebst, bist du ihm ergeben. Du dienst einer Gemeinschaft, einem Land, einer Person. Warum? Du tust es aus Ergebenheit. Sannyasa ist das Ergebnis von totaler Ergebenheit einem anderen gegenüber. Wenn du das nicht hast, dann bist du ein Mönch, aber kein Sannyasin. Dann bist du ein Entsagender, ein Einsiedler, aber das sind alles selbstsüchtige Menschen, denn sie können sich niemandem hingeben. Dies also ist der eine Aspekt von Sannyasa.

Ein anderer Aspekt ist das vollkommene Schenken. Bevor du Sannyasa nimmst, sind dein Körper, dein Geist, deine Sinne, deine Ambitionen, deine Ziele, deine Gefühle und deine Fähigkeiten auf das Vergnügen für dich selbst gerichtet, denn du betrachtest sie als dein Eigentum. Aber wenn du einmal Sannyasa genommen hast, dann ist alles gebucht, alles ist zu einem einzigen Punkt hingelenkt. Du kannst keine deiner Fähigkeiten oder Schätze mehr für dein eigenes Vergnügen beanspruchen; das wäre Missbrauch.

Ein Sannyasin macht also eine perfekte Stiftung, eine Treuhandschaft seiner physischen, mentalen, intellektuellen, emotionalen, sozialen und ökonomischen Schätze. All diese Schätze werden nur dem einen Ziel zur Verfügung gestellt, den Befehl des Gurus zu erfüllen. Was immer der Guru für dich entscheidet, du wirst es machen. Wenn er dich auffordert, in einer Höhle zwölf Stunden am Tag zu meditieren, dann tust du es.

Alle Energien müssen in die Richtung gelenkt werden, den Befehl des Gurus zu erfüllen. Wenn der Guru will, dass du im Garten, auf dem Hof, in der Küche, im Büro oder in den Yogaklassen arbeitest, dann tust du es. Benutze alle deine Energien, und lenke sie so, dass du den Befehl des Gurus ausführen kannst. Auf diese Weise befreist du dich von deinem Ego. Das ist der Geist von Sannyasa.

Der Sannyasa Pfad ist aus diesem Grunde auch nicht so einfach. Ich will niemanden entmutigen; ich kann jeden in Sannyasa einweihen. Es wäre einfach, wenn Sannyasa nur mit der Kleidung angezogen werden kann. Es wäre auch einfach, nur den Namen oder die Tradition und Kultur zu ändern, und noch einfacher wäre es, die Religion zu ändern; hierfür brauchst du nur ein Zertifikat, und das ist alles.

Wenn Sannyasa bedeuten würde, in die Einsamkeit zu gehen und in einer Höhle zu leben, dann könntest du das ohne große Schwierigkeiten. Wenn es bedeuten würde, nur eine Mahlzeit pro Tag zu dir zu nehmen, wäre das auch zu bewältigen. Wenn es bedeuten würde, mit einem Minimum für dein Leben zurechtzukommen, würdest du das auch schaffen. Aber dich vollkommen und total einem anderen Wesen, vielleicht deinem Guru hingeben, unterordnen und alles akzeptieren, was er sagt, das ist sehr schwer. Es erfordert, dass du dein Ego klein und demütig machst, und die Unterordnung des Ego ist sehr schwer.

Mönche haben andere Regeln, aber Sannyasa in Verbindung von Guru und Jüngerschaft ist sehr schwer. Trotzdem glaube ich, dass Menschen, die dazu neigen, Sannyasa zu nehmen, ihre Unabhängigkeit im Leben beweisen und sich als freie Menschen bewegen, als Teil der klassenlosen oder kastenlosen Gesellschaft. Wenn ein Sannyasin jemand ist, der bereit ist, ohne Fesseln und Bindungen zu leben, dann glaube ich, dass viele Menschen qualifiziert sind, Sannyasa zu nehmen.

(Aus: Yoga Heft Nr. 14) - Satsang mit Swami Satyananda