Ein Brief von Swamiji an einen disciple, einen Jünger. Aus dem Buch 'Steps to Yoga'

Asato ma sadgamaya
Tamaso ma jyotir gamaya
Mrityor ma amritam gamaya.
Sarvesham swasti bhavatu
Sarvesham shantir bhavatu
Sarvesham poornam bhavatu
Sarvesham mangalam bhavatu
Loka Samastah Sukkhino Bhavantu
Om tryam bakam yajamahe
Sugandhim pushti vardanam
Urvarukamiva bandhanat
Mrityor mukshiyamamritat
Satyam sharanam gacchami
Yogam sharanam gacchami
Gurum sharanam gacchami
OM SHANTIH SHANTIH SHANTIH
HARI OM

Führe mich von der Falschheit zur Wahrheit
Von der Dunkelheit zum Licht
Vom Hass zur Liebe
Vom Tod zum Leben.
Mögen alle Wesen glücklich leben
Mögen alle Wesen in Frieden leben
Mögen alle Wesen zu sich selbst finden
Möge es allen Wesen wohl ergehen.
Möge die ganze Welt glücklich sein.
Wir neigen uns vor dem Dreiäugigen, dem Absoluten,
von dem ein Duft ausgeht, der alles nährt.
So wie eine reife Frucht entfernt wird,
so mögen wir von den weltlichen Dingen freiwerden
(vom Tode) und zur Unsterblichkeit gelangen.
Unser Leben ist geweiht
Der Wahrheit, Yoga, dem Guru.
Aum Frieden, Frieden, Frieden.

Der Shanti Path ist ein endloses, immer neues Gebet, dass jeden Teil der Upanishads zu Beginn und am Ende umhüllt. Der hier veröffentlichte Vers wird täglich im Ashram gechantet.

'Asato maa sat gamaya!'

'Führe mich von dem Unwirklichen zur Wirklichkeit!'

Begreifst du, wie lauwarm du deinen Ishta Devata liebst? Du hast einfach noch nicht die gleiche Zuneigung zu ihm entwickelt, wie du sie für deine Familie, für Besitz und Wohlstand hast. Es ist sinnlos, dir ein Sadhana (spirituellen Übungsweg) aufzuerlegen mit dem Mantra deines Guru oder von Gott, so lange du nicht eine tiefe Sehnsucht danach verspürst, dich mit ihm zu vereinigen.

Warum schwingt dein Geist wie ein Pendel hin und her? Es ist nicht der Geist, den du beschimpfen kannst. Es bist nur du und ganz allein du, du hast bisher dein Sadhana ohne innere Begeisterung oder Gefühl verrichtet. Hast du jemals versucht, all deine zerstreuten Gefühle auf ihn zu richten? Er kann sie allesamt aufnehmen. Nun, vielleicht brauchst du eine Peitsche.

Du kennst die Frau, die seit 25 Jahren nur von Milch und Früchten lebt. Sie steht heute noch genau da, wo sie vor 25 Jahren begonnen hat. Sie ist noch immer der Sklave von Zorn und Begierden, von Lästern und Unehrlichkeit, von Egoismus und Leidenschaft. Hat sie irgendeinen sichtbaren Erfolg durch ihre Diät erlangt? Nein, nein, Satyabrat, dies ist nicht der Weg! Bitte verfalle nicht in den Trott und in die Religion von alten unzufriedenen Damen.

So lange dein Geist nicht im Mittelpunkt ruht und nicht aus tiefster Seele nach Ihm verlangt, werden dir auch kein Fasten, keine Pilgerreise, kein Studieren der Schriften und keine Rituale eine göttliche Erfahrung bringen.

Als diese Dame zu Darshan zu mir kam, habe ich ihr geraten: Lösen und Hinführen; Abhyasa und Vairagya, das ist ununterbrochene Übung und Nicht-Verhaftetsein. Angenommen du hast einen fließenden Strom, und du möchtest dein Land damit bewässern, dann musst du das Wasser zu deinen Feldern führen. Zuerst also löst du den Strom von seiner ursprünglichen Richtung; dann bringst du ihn mit Hilfe eines Kanals in Verbindung mit deinen Feldern. Ebenso musst du deine Verhaftung von weltlichen Dingen zurückziehen; das ist Vairagya. Und dann lässt du das Ganze in Gott-Bewusstsein fließen; das ist Abhyasa.

Der Geist sollte immer dann, wenn er sich mit netten Objekten und Vergnügungen verbindet und seinen Kontakt mit dem Mittelpunkt verliert, zurückgeholt werden. Die Gedanken, die normalerweise dem Zwillingsweg folgen – Anziehung und Widerwille – holst du zurück und führst sie auf dem königlichen Weg von Anasakti dem Höchsten entgegen. Bhakti ist ein göttliches Geschenk, was er uns gibt. Traurigerweise haben wir den göttlichen Wohlstand so gedeutet, dass wir unsere weltlichen Launen und Fantasien, Leidenschaften und Moden befriedigen.

Das göttliche Geschenk 'Liebe' wird von der Familie mit Kind und Kegel, von Eigentum, Name und Ruf aufgefressen. So hat der Mensch den Mittelpunkt, den eigentlichen Sinn verloren und kein Interesse mehr. Was ihm verblieben ist, ist ein Bündel Geldscheine; und die bietet er Gott als Dank, wenn er dazu gezwungen wird. Versuche, deine Liebe von den weltlichen Dingen abzuziehen und die gleiche Liebe dem höchsten Gott zu geben. Das also bedeutet Lösen und Hinführen.

Fasten nützt gar nichts, wenn dein Geist allen möglichen Dingen nachjagt. Was sollte schlecht daran sein, gut zu essen und zu trinken, wenn das innere Leben Reinheit und Frieden ausstrahlt? Ein nichtvegetarischer Freund, mit Selbstlosigkeit in Kopf und Hand und Opferbereitschaft in jedem Nerv ist bedeutend besser, als ein Vegetarier, der sich selbst zu einem Heiligen erhebt und dabei in Schwarzmarktgeschäfte, Vergewaltigung, Ausnutzen anderer und antisozialen Handlungen verfangen ist. Es ist wirklich besser, ein einfacher Mensch mit noblen Tugenden zu sein, als ein Nobelmann mit unzähligen Lastern. Das beste: Sei ein göttlicher Mensch, ein Freund von allen und Meister deines Selbst!

'Tamaso maa jyotir gamaya!'

'Führe mich aus der Dunkelheit zum Licht!'

Ich wollte gerade diesen Brief schließen, als mir Worte von Krishna an Arjuna einfielen, die in der Gita in diesem Satz zusammengefasst werden:

"Wenn du die Ignoranz aufgegeben hast, komm zu mir allein; ich werde dir Schutz geben; alle Sünden werden von dir fallen, sorge dich also nicht."

Der Lord fordert uns also auf, ihm all unsere Lasten zu Füßen zu legen. Ja, er meint vollkommene Hingabe, nicht durch Umstände dazu gezwungen, sondern eine freiwillige Hingabe, indem wir uns Ihm oder Ihr nähern mit gefalteten Händen, gesenktem Kopf, bereit unser Ego aufzugeben und mit einem göttlichen Herzen.

Solange die Ehefrau sich nicht vollkommen und total ihrem Mann hingibt, kann sie ihm nicht so nah sein, wie sie es erwartet. Wenn sie sich ihm jedoch vollkommen hingibt, dann ist sie Königin über alles was ihm gehört und über ihn selbst. Das Geheimnis dieses 'Gewinns' liegt in dem 'Alles geben' der schnell vergänglichen Werte, und dafür erhält man zurück, was von unvergänglichem Wert ist. Ja, du gibst dich selbst; und du gewinnst nicht nur ihn, sondern dich selbst erhältst du zurück.

Das Meer spricht zu dem Fluss: 'Oh Liebling! Wenn du eins mit mir werden willst, musst du dich in mir verlieren und deine Individualität verlieren.' Genauso musst du dich deinem Geliebten hingeben und all deine Aufmerksamkeit von anderen Dingen abziehen. In dem Moment, wenn du dich ganz ihm hingibst, wird sich die Meditation in dir manifestieren.

Gib dein Gold dem Teufel, aber bewahre deine Liebe und Aufmerksamkeit für Gott. Er braucht dein Gold, dein Geld, dein Platin und deine Süßigkeiten nicht. Er speist unendliche Universen. Die einzige Gabe für ihn ist deine Liebe und Aufmerksamkeit. Solange du auf die weltlichen Vergnügungen und die sinnliche Lust stierst, wie kannst du erwarten, glücklich und zufrieden zu sein? Wie kannst du das Schönste erhalten, wenn du deine Seele betrügst?

Du bist ein Reisender im Zug nach Delhi. Durch viele Bahnhöfe werdet ihr kommen, aber, du wirst zwar öfter aussteigen, jedoch immer wieder einsteigen, denn dein Ziel ist Delhi und nichts anderes. Die Verpflichtungen, die du deiner Familie gegenüber hast, sind nicht deine endgültige Bestimmung. Trotzdem musst du durch all die anderen Orte reisen, um zu deinem Ziel zu gelangen. Deine Verpflichtungen und dein spirituelles Sadhana sollten Hand in Hand gehen. Wenn du die auf dem Wege liegenden Bahnhöfe als dein endgültiges Ziel betrachtest, wirst du allein und obdachlos auf dem Bahnsteig zurückbleiben. Nivritti ist eine innere Einstellung, in der du dir immer deines Ziels bewusst bist. Also auf, gehe den Lebensweg mit perfekter Wahrnehmung deines spirituellen Ziels!

Arbeiten musst du, da gibt es keinen Weg dran vorbei. Man muss arbeiten, um zu leben und die Familie zu erhalten. Das ist die erste Stufe der Leiter. Wenn der Fuß die nächste Stufe erreicht, nimmt man den Fuß von der unteren Sprosse und setzt ihn auf die nächst höhere.

Der Weg also ist Liebe und Hingabe, und mit dieser Liebe im Herzen kannst du meditieren; das ist Bhakti Yoga. Das ist der Weg der Vereinigung durch Liebe und Hingabe.

Rufe ihn/sie so liebevoll, wie eine Frau ihren Mann oder ihren einzigen Sohn rufen würde. Erinnere dich an ihn mit der gleichen Intensität, wie eine Frau an die Halskette denkt, die ihr Mann ihr in der Hochzeitsnacht schenkte, und die ihr vor wenigen Minuten gestohlen wurde.

Du wirst ihn/sie nicht in Tempeln finden und nicht, indem du die Glocken läutest, und auch nicht durch Schwenken von Weihrauch und Insence; nein, es ist Liebe, eine dynamische und kreative Liebe, die man im Herzen trägt und nährt, nur so wirst du ihn/sie innen und außen sehen.

Mrityor maa amritam gamaya!

Führe mich vom Tod zum ewigen Leben!

Und noch einen Schritt weiter der Hingabe entgegen! Und dann werden alle deine Zweifel verflogen sein.

Warum sorgst du dich um die Reparaturen des Hauses, wenn der Hausherr bereits da ist und alles für dich macht? Dies ist sein Tempel, lass ihn also wirken, wie er möchte. Nicht nur dieser Körper, sondern auch deine Frau, deine Kinder und Verwandten und dein Besitz sind ebenfalls seine Geschenke. Nicht eine Sekunde solltest du die Tatsache vergessen, dass er für alles sorgt, was du brauchst. So wirst du nicht nur Sorgen und Ängste verlieren, deine spirituelle Ausdauer wird dabei immens wachsen.

Warum leiden wir unter Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Blutdruck und anderen Krankheiten? Kannst du dir vorstellen, dass es an der notwendigen Qualität der vollkommenen Hingabe mangelt? Ich bin überzeugt, dass es nicht schwer ist, körperlich und seelisch wohlauf zu sein, wenn wir den Weg von Anasakti oder Atma Samarpan befolgen, den Weg der Selbst-Hingabe.

Die Art der Hingabe ist eine Kunst für sich. Sie muss vollkommen sein. Sie muss einhundert Prozent betragen. Halbherzige Hingabe ist keine Hingabe. Verbale Hingabe ist keine Hingabe. Hingabe, die aus Liebe geboren ist, ist unvergänglich und wahr.

(Aus: Yogaheft 11)