Yogalehrer

Qualität beim Yogaunterricht verbessern

Swami Niranjanananda Saraswati aus: Yoga Magazine 2007

Wie können wir als Satyananda Yogalehrer unsere Qualität beim Unterrichten verbessern?

Beginne damit, dein Verständnis von Yoga zu vertiefen und deine Fähigkeiten im Unterrichten auf eine höhere Stufe zu bringen. Das ist entscheidend, denn es haben sich große Unterschiede ergeben zwischen dem, was Swami Satyananda zu Beginn gelehrt hat und was wir heute unterrichten. Die ursprüngliche Intention der Übungen und Anweisungen und die Weise, wie Sri Swamiji sie anfänglich vorgestellt hat, sind ja nur einigen wenigen Lehrern zugänglich gewesen.

Ein Verstehen von Sri Swamijis ursprünglicher Herangehensweise an die Übungen ist notwendig, um unser yogisches System und unsere Tradition wahrhaftig zu begreifen.

Wir müssen im eigenen Unterrichtsprozess zu den Grundlagen zurückkommen, weil die ursprüngliche Absicht und Bedeutung von Yoga im Laufe der Zeit verloren geht. Jedes Mal, wenn ein neuer Lehrer mit dem Unterrichten beginnt, verändert sich der Stil, die Intention, die Worte, ja die ganze Lehre verändert sich. Wir sind alle unseren eigenen Weg gegangen, mit den besten Absichten zwar, aber mit einem begrenzten Verständnis - wir sind in eine Rolle geschlüpft und haben unsere Aufzeichnungen benutzt. Deswegen müssen wir zu den Grundlagen zurückkommen, schlicht bleiben und uns auf die Einfachheit der Übungen besinnen.

Als Lehrer haben wir die Bedürfnisse, die die Menschen durch Yoga erfüllt sehen möchten, gestreift, doch die Essenz von Yoga haben wir dabei nicht berührt. Obwohl wir Satyananda Yoga unterrichtet haben, haben wir doch nie die Übungen wirklich in der Weise erklärt, in der Swami Satyananda sie gelehrt hat. Deswegen sollten wir nicht nach allen möglichen neuen Wegen suchen, Yoga zu präsentieren, sondern auf die ursprüngliche Lehrweise zurückgehen und die Perspektive von Swami Satyananda verstehen. Das ganze Yoga Konzept wird in einiger Zeit verloren gegangen sein, wenn wir uns als Lehrer nicht darüber klar sind, wie wir die Methoden leichter, einfacher, verständlicher und mit mehr Tiefe gestalten.

Dann wird jede Einrichtung kommerzialisiert und der individuelle, der besondere Lehrer wird ein kommerzieller Lehrer. Gerade heute besteht Sri Swamiji darauf, dass Yoga so schlicht wie möglich sein sollte, ohne Tamtam, nur das, was nötig ist, um das Verständnis der Menschen zu wecken und ihnen zu ermöglichen, sich wieder mit dem Eigentlichen zu verbinden.

Was sollten wir im Auge haben, wenn wir Yoga vermitteln wollen?

Es ist wichtig, uns daran zu erinnern, dass wir nicht Yogalehrer sondern Sadhakas sind.

Das Unterrichten von Yoga ist unser Beruf und unser Sadhana. Im Sinne einer beruflichen Tätigkeit unterrichten wir vielleicht unterschiedliche Gruppen in Yoga, Anfänger und Fortgeschrittene in verschiedenen Stadien, und dementsprechend planen wir unseren Unterricht, so dass wir unsere beruflichen Fähigkeiten weiter ausbauen können. Es bedarf jedoch einer besonderen Anstrengung, dich nicht als Yogalehrer zu verstehen, sondern als Sadhaka. So wollen wir zuerst damit beginnen, das Konzept in unserem Bewusstsein zu ändern.

Wir stellen uns einen Professor vor, der in einer Klasse Physik unterrichtet und einen Professor, der sich mit physikalischen Experimenten im Labor befasst. Der in der Klasse unterrichtende Professor hat das theoretische Wissen, doch der im Labor arbeitende Professor ist in die Formulierung dieser Theorie eingebunden und experimentiert mit ihr. Wir sind die, die im Labor arbeiten. Es ist unsere Aufgabe, zu experimentieren, zu beobachten, zu analysieren und zu entwickeln. Dann verändert sich die Rolle, die wir als Lehrer wahrnehmen. Wir werden tatsächlich Sadhakas, Experimentierende, und nicht Lehrer, bloße Vertreter einer Sache oder Sprecher. Wir sollten als Yoga Trainer, als Lehrer, als Leiter einer Gruppe oder eines Zentrums verstehen, dass wir Sadhakas sind und Yogaschülern das Sadhana nahe bringen wollen.

Ganz gleich, welchen Kurs wir geben, es ist nie einfach nur ein Yoga Kurs. Wir versuchen, einen Schritt weiter zu gehen, indem wir für den einzelnen Studenten einen Plan vorsehen, nach dem er sich weiter entwickeln kann. Entweder wird ein Plan in einer Form erstellt, nach der zuhause geübt wird, oder in einer anderen Form, in der jene Kontinuität und Inspiration aufrechterhalten werden kann. Wer dann tiefer gehen möchte, kann das tun. Jedenfalls muss jene Möglichkeit gegeben sein, Yoga nicht als morgendliche Übung anzunehmen, sondern als ein Verständnis, das ununterbrochenes Bemühen einschließt. So muss die Annäherung an das Unterrichten mit der Einstellung eines Sadhaka geschehen, nicht mit der eines Lehrers.

Wie können wir bei den vielseitigen Anforderungen des Lehrens eine ausgeglichene Haltung bewahren?

Wir müssen uns deutlich klar sein, um welche Eigenschaften wir uns bemühen sollten, um mit ihrer Hilfe unsere berufliche und individuelle Leistung zu verbessern. Sunyam oder eine ausgeglichene Haltung ist wichtig, wir müssen sie uns aber erst Punkt für Punkt erarbeiten. Zum Erarbeiten von Sunyam gehört eine Analyse unserer Notwendigkeiten, Verantwortungen und Möglichkeiten. Werden diese drei untereinander ausgeglichen, entsteht sunyam.

Wo liegt das Bedürfnis? Vielleicht führst du dein eigenes Zentrum, und es wird nicht von vielen Leuten genutzt. Es ist eine unabhängige Organisation, von ein oder zwei Leuten einfach geführt, vielleicht mit ein oder zwei weiteren Lehrern. In diesem Fall sind die Bedürfnisse für dein persönliches Leben und den Erhalt des Zentrums klar definiert: Finanzen, Strukturen und die Einrichtung als solche. In einer größeren Organisation sind die gleichen Notwendigkeiten im Vergleich größer, vielleicht zehnfach oder hundertfach. Als nächstes müssen wir eine Möglichkeit schaffen, um die Notwendigkeit zu erfüllen, und dann sind wir in der Verantwortung für die Erfüllung der Möglichkeiten und der Notwendigkeiten. Und hier kommt die Planung dazu.

Wir müssen unseren Mitteln entsprechend vielleicht eine kleine Klasse von Schülern oder eine große Klasse, ein Wochenendseminar oder ein einwöchiges Seminar mit Unterbringung planen. Diese drei Aspekte von Notwendigkeit, Möglichkeit und Verantwortung müssen sowohl im Hinblick auf einen ausgedehnten Zeitraum wie auch auf einen kurzen Zeitraum definiert werden. Stelle dir beispielsweise die Frage, “Wie viele Kurse kann ich dieses Jahr führen, und was sollte die Ausrichtung in meinem Unterricht sein? Sollte ich nur Hatha Yoga unterrichten – oder sollte ich andere Yoga Richtungen einbeziehen? Welche Art von Unterstützung werde ich brauchen?” Eine Ausgeglichenheit dieser drei Aspekte wird zu Sunyam, Klarheit und Weisheit im Berufsleben führen.

Wir werden oft unsicher, wenn wir merken, dass wir nicht in der Lage sind, unsere Pläne, mit denen wir begonnen haben, zu verwirklichen. Vielleicht liegt ein Defizit in der Finanzplanung, in der Einrichtung, der Unterstützung oder anderen Dingen vor. Daraus entsteht dass Unsicherheit. Dann fangen wir an, fieberhaft zu denken, wie wir die Situation in den Griff bekommen können. In diesem Stadium übernehmen wir vielleicht zu viele Aufgaben und schwächen uns so. Es gibt so viel zu tun und wir haben die Situation nicht im Griff. Diese spezifische Unsicherheit muss auf persönlicher Ebene bewältigt werden. Sie mag zu Sorge, Angst, Frustration führen oder sich auf andere Art ausdrücken. Dabei wäre es das Wichtigste, unser eigenes Vertrauen zu prüfen, ehe wir unter dem Einfluss von Ängstlichkeit fieberhaft nach Lösungen suchen. Das ist der Punkt, an dem die ausgeglichene Haltung von Suänyam ins Spiel kommt. Wo wir auf Zuversicht und Kompetenz stoßen, dort sollten wir weitermachen, doch wenn wir merken, dass die Dinge außer Kontrolle geraten, dann müssen wir mit Entschlossenheit erneut aufbauen. Unsere Haltung im Ablauf unserer täglichen Angelegenheiten zu prüfen, ist wichtig. Je mehr Arbeit wir uns schaffen, um so stärker binden wir uns in deren Details ein und umso weniger sind wir in der Lage, unsere Aufmerksamkeit auf das größere Bild zu richten.

Das ist es, was wir genau anschauen und bewerten müssen: wo wir jetzt stehen, welche Ziele wir erreichen wollen und ob unser Streben unser berufliches Leben unterstützt. Dann sollten wir versuchen, den Prozess einfacher, effizienter und effektiver zu gestalten. Wir müssen erkennen, wie wir sind, was unser Streben ist, und unser berufliches Leben entsprechend anpassen, sei es in der Leitung, im Unterrichten oder in der Zusammenarbeit mit anderen. Wir können versuchen, uns der Gegenwart bewusster zu sein und offen für die Zukunft.

Ganga Darshan, Oktober 2004

Was ist die Essenz von Satyananda Yoga? Wie können Yogalehrer sie vermitteln?

Die meisten Schulen, die die physische Komponente von Yoga, also Asanas, vermitteln, folgen der Wohlfühl-Methode. Du dehnst deinen Körper, fühlst dich gut, locker und leicht und sagst: “Yoga hat mir wirklich geholfen”. Dieser Wohlfühleffekt ist oberflächlich, denn er lässt uns glauben, dass der Körper den Geist beeinflussen kann.

In der ersten Zeit, als Swami Satyananda mit dem Yoga-Training begann, pflegte er zu sagen, wenn du ein Asana machst, identifiziere dich nicht mit dem Körper. Zunächst nimm Annamaya Kosha (die Nahrungshülle) war, die Bewegungen des Körpers.

Bist du damit vertraut, wie der Körper unter deiner Führung auf die Asanas und Bewegungen eingeht, widme dich Pranamaya Kosha (die Energiehülle). Angenommen, du machst Surya Namaskara; zunächst ist es eine Übung – Rückwärtsbeuge, Vorwärtsbeuge, Streckung, Kontraktion, usw.

Dann solltest du versuchen, den Körper zu sehen oder ihn dir vorzustellen. Du siehst, wie du das Asana ausführst, von den Fingern bis zu den Zehen. Du brauchst deine Vorstellungskraft, um dich selbst zu sehen, wie du die perfekte Haltung ausführst, ehe du beginnst. In diesem Moment erinnere dich an die Steifheit und die Schmerzen, die du kennst. Wenn du dann die Haltung mit dem Körper ausführst, wirst du bemerken, dass etwas in dir nachgibt. Wenn du heute deine Zehen nicht berühren kannst, so wird nach einer Woche etwas nachgeben, deine Muskeln werden sich entspannen und du wirst bis zu den Zehen kommen. Das ist die Verbindung mit Annamaya Kosha. Um Annamaya Kosha zu harmonisieren, um den Körper vorzubereiten, mache dir zunächst ein Bild und führe erst dann die Übung aus.

Ehe du deinen Unterricht oder deine Übung be-ginnst, sage dir, Ich werde gleich zwölf Runden Surya Namaskara machen. Setze dich für ein paar Minuten in eine meditative Haltung und sieh dich selbst, wie du Surya Namaskara ausführst. Fühle die gleiche Streckung und Kontraktion des Körpers, die du fühlen würdest, wenn du dich tatsächlich bewegen würdest. Nachdem du das Asana mental oder visuell ausgeführt hast, machst du es physisch. Du wirst feststellen, dass dein Körper anders darauf reagiert und es besser macht.

Hast du deinen Körper unter Kontrolle, dann bewege dich zur nächsten Dimension, zu Pranamaya Kosha. Während der mentalen Ausführung des Asanas versuche, den Pranafluss in deinem Körper zu sehen. Stelle dir vor, dein Körper sei durchsichtig, und du könntest den Energiestrom sehen. Stößt Prana auf Steifheit oder Schmerz, dann ist der Energiefluss an dieser Stelle blockiert. Setze deine Willenskraft ein und lasse Prana hindurch fließen. Beginne erst mit dem Asana, wenn der Weg für die Energie frei ist.

Dein Geist hat sich jetzt mit etwas verbunden, das feiner ist als das Physische. Verweile darin für einige Zeit, dann bewege dich weiter zu Manomaya Kosha (die Mentalhülle). Frage dich, ob du entspannt, friedlich, angespannt, beunruhigt bist. Dann verbinde dich mit Ida und Pingala. Bist du angespannt oder unruhig, schließe vor der Ausführung des Asanas die Augen, aktiviere das Ida Prinzip - nicht mit Pranayama, sondern durch die Willenskraft. Bist du eher lethargisch, aktiviere Pingala. Erkenne deine augenblickliche innere Haltung und den Energieflusses, und versuche, sie vor der yogischen Übung auszubalancieren.

Als Yogalehrer solltest du deine Stärken und Schwächen, Ambitionen und Bedürfnisse kennen. Vertiefe dich, denke nach und schreibe alle Eigenschaften auf, die du als deine Stärken, deine Schwächen, deine Ambitionen und deine Bedürfnisse erachtest. Jedes Mal, wenn du Yoga machst, mache dir deutlich: Das ist meine Schwäche, die ich überwinden will, und dies ist die Stärke, die ich weiter ausbilden will. Diese Ambition besteht nur in meiner Phantasie und, ich will daran arbeiten, dieses Bedürfnis zu befriedigen. Definiere für dich deine Prioritäten in Bezug auf deine Persönlichkeit und deine Bedürfnisse, um die Qualität deines Lebens zu verbessern. So entsteht ein Sankalpa.

Angenommen, du verbindest deine Yogaübung mit dem Sankalpa, deine Willenskraft zu stärken, dann werden dir Asanas, Pranayamas, Mudras und Bandhas dabei helfen, sie zu erlangen, also eine Stärke oder Charaktereigenschaft zu entwickeln. Ebenso werden sie helfen, die Schwächen und die Mankos auszugleichen und die gesetzten Ziele und die Bedürfnisse im Auge zu haben.

Bewege dich zu jeder Ebene, die durch die Übung berührt wird, achtsam und schrittweise. Zunächst Annamaya Bewusstheit, um den Körper von den physischen Blockaden wie Steifheit und Müdigkeit zu befreien. Als zweites Pranamaya Bewusstheit, um die verschiedenen Organe verstärkt mit Prana zu beleben. Dann zu Manomaya Bewusstheit, um Geist und Körper miteinander zu verbinden. Es folgt Vijanamaya Bewusstheit, (Erkennen der psychischen oder höheren Mentalhülle), um die Stärken und Schwächen zu erkennen, um den Weg aus den Schwächen heraus zu finden und Charakterstärke und einen gesunden Geist zu entwickeln.

Beginne damit, deine Erfahrungen mit Yoga auf diese Weise zu vertiefen und erkenne die Wirkung. Dann erst vermittle Yoga in dieser Weise an andere Menschen. Auf diese Weise werden sie viel mehr von Yoga aufnehmen, als es normalerweise in einem nur auf den Körper ausgerichteten Unterricht möglich ist.

Swami Satyananda hat die sich ausdehnende und feiner werdende Wahrnehmung in unserer Yoga Praxis nachdrücklich betont, und darin unterscheidet sich Satyananda Yoga von den meisten der anderen Yoga Systemen. Über den Körper erlangen wir Zugang zum Geist, über Prana erlangen wir Zugang zum Bewusstsein. Der gesamte Yoga wird eingesetzt, um innere spirituelle Harmonie und Balance zu gewinnen.

Mangrove Mountain, Australia, März 2004


Ist es möglich, Yoga mit einer anderen Technik zu kombinieren, z.B. Massage, spirituellem Tanz, Feldenkrais, ESP, Urschrei, Rebirthing?

Jeder einzelne wird seine eigene Meinung zu diesem Thema haben und ich respektiere die Meinung des Anderen. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass Menschen, die glauben, Yoga mit etwas anderem verbinden zu müssen, die wirkliche Tiefe von Yoga nicht kennen.

Es ist vergleichbar mit einem Arzt, der glaubt, die Allopathie zu kennen und seinem Patienten, der Kopfweh hat, nichts weiter als Aspirin verordnen kann. Da er mit Krankheitsursachen nicht wirklich vertraut ist, kennt er keine andere Behandlungsform als Aspirin. Er wird vielleicht auch bei einem Asthmaanfall Aspirin geben, oder wenn jemand eigentlich operiert werden müsste. Und um das fehlende Verständnis zu kompensieren, wird er nach Techniken suchen, die überall auf dem Markt angeboten werden.

Wenn man die Tiefen von Yoga wirklich kennt, dann braucht man wirklich nichts hinzuzufügen.

Aus all dem, was ich erfahren und von meinem Guru gelernt habe, kann ich nur eines sagen: Durch Yoga entsteht ganz sicherlich körperliche und mentale Gesundheit, aber das Entscheidende ist, dass die Wirkung sehr viel tiefer geht.

Durch Yoga kann auf der einen Seite Arthritis geheilt werden, und auf der anderen Seite können die höchsten Höhen der Selbstverwirklichung erlangt werden. Es ist also möglich, alle diese Lebensbereiche, die Menschen kennen und erfahren sollten, in einem einzigen System – Yoga – zu integrieren.

Um Arthritis zu behandeln, braucht man natürlich richtige Schulung und Anweisung. Wenn man keine richtigen Anweisungen bekommt, kann Arthritis auch nicht durch Yoga geheilt werden. Auch für die Selbstverwirklichung ist die richtige Führung und genaue Anweisung notwendig.

Die Grundlage von Yoga ist das Bewusstsein. Ich möchte ein Beispiel geben. Die Rebirthing-Technik ist eine neue, bearbeitete Form von Bhastrika Pranayama. Die Urschrei-Technik ist nichts anderes als eine fortgeschrittene Stufe von Antar Mouna. ESP (extrasensory perception) verbindet verschiedene Übungen von Pratyahara. Alle so genannten modernen, neuen und holistischen Methoden sind in Yoga enthalten.

Diejenigen, die die Tiefe von Yoga wirklich verstehen, brauchen keine anderen Techniken. Wer aber die Tiefe von Yoga nicht versteht, der ist auch berechtigt, Aspirin zu geben statt eine Operation durchzuführen. Das ist meine Meinung.

(Aus: YOGA Nr. 43)


Bedeutung eines Gurus als Yoga Lehrer

Braucht man zum Unterrichten von Yoga einen Guru und eine Tradition?

Antwort: Absolut nicht, vorausgesetzt du bleibst ein ganz einfacher Yogalehrer, der eigentlich Gymnastik unterrichtet. Du bringst dann solchen Menschen Yoga bei, die schlanker und hübscher werden oder bestimmte körperliche Probleme loswerden wollen. Das sind Yogalehrer für Körperübungen und der Unterricht läuft dann etwa so ab: "Und links, und rechts, und 1, 2, 3." Wenn du so ein Yogalehrer sein willst, brauchst du keinen Guru und keine Tradition.

Wenn du jedoch dein Wissen über die Entwicklung einer harmonischen Persönlichkeit vertiefen willst, dann ist das Eingebundensein in eine Tradition erforderlich. Tradition ist ein System, das sich durch Erfahrung gebildet hat. Wenn man einer solchen Tradition folgt, kann man die Tiefe der menschlichen Persönlichkeit verstehen.

Wenn du Yoga für deine eigene spirituelle Entwicklung verwenden und zur selben Zeit die Fähigkeit haben willst, anderen zu helfen, wenn du lernen willst, mit den Anforderungen des Körpers, des Bewusstseins und des Geistes gleichzeitig umgehen zu können, dann brauchst Du einen Guru. Es ist deine eigene Entscheidung, welche Art von Yogalehrer du sein willst und da solltest du dann auch beginnen.

Wir schulen hier mindestens 2000 Yogalehrer jedes Jahr. Viele von ihnen kommen für einen Monat hierher, nehmen ihr Diplom entgegen, gehen wieder und wir hören nie wieder etwas von ihnen. Sie repräsentieren die erste Kategorie von Yogalehrern. Unter diesen gibt es ein paar wenige, die wiederkommen, um ihr Verständnis von Yoga zu vertiefen. Sie nehmen an Sadhana Kursen teil, an Yoga-Übungsprogrammen für Fortgeschrittene, sie beginnen mit Kriya Yoga oder vertiefen ihr Lernen in anderen Bereichen. Sie repräsentieren Lehrer der zweiten Kategorie, die einfach herkommen, um ihr Wissen und Verständnis zu erweitern. Sie kehren wieder heim und leben ihr Leben, ohne dass wir darüber etwas wissen.

Von diesen wenigen kommen einige wieder hierher. Sie wollen weiter an sich arbeiten, die Tiefen von Yoga ergründen und anderen Menschen die richtigen Hilfen durch Yoga geben. Sie erhalten eine Einweihung in Mantra Diksha und fühlen sich der Bihar School zugehörig. Sie versuchen, das hier Gelernte an andere weiterzugeben. Als nächstes lassen sie sich vielleicht in Jigyasu oder Karma Sannyasa einweihen und übernehmen Aufgaben. Vielleicht werden sie dann Sannyasins und bleiben eine zeitlang hier. Nach ihrem Sannyasa Training kehren sie zurück, leben und lehren als Sannyasins und sind aber weiter mit der Bihar School verbunden.

(Dies macht deutlich, dass von den 2000 Yogalehrern, die jährlich hier ausgebildet werden, nur ganz wenige den Zugang zu einer Tradition und damit auch zu einem Guru haben wollen.)

(Aus: YOGA Nr. 43) - Satsang mit Swami Niranjan


Was wichtig ist beim Yoga Unterrichten

Kannst Du uns bitte sagen, was Du als besonders wichtig beim Unterrichten von Yoga betrachtest?

Antwort: Niemals sollte ein Yogalehrer vortäuschen, mehr zu wissen, als er tatsächlich weiß und niemals sollte er etwas lehren, was er nicht selber erfahren und geübt hat. Das war und ist mein Prinzip in meinem Leben und ich halte es für eine der wichtigsten Regeln. Wenn ich etwas nicht weiß, sage ich einfach: "Es tut mir leid, ich weiß es nicht."

Ich bin jedoch vielen Lehrern begegnet, die über Nacht sehr bekannt wurden, nachdem sie ein bisschen über die Pawanmuktasanas gelesen haben. Das sind solche Lehrer, die nachts Bücher über Hatha Yoga von der Bihar School of Yoga, von Iyengar und anderen lesen und bereits am nächsten Tag das Gelesene unterrichten, ohne es selber jemals geübt zu haben. Das ist eine sehr gefährliche Sache, sowohl für den Lehrer als auch für den Schüler, der sich durch einen unverantwortlichen Unterricht schwere Verletzungen zuziehen kann. Auch bin ich vielen Yogalehrern begegnet, die ihren Schülern am allerersten Unterrichtstag den Kopfstand beibringen. Später, wenn ein Schüler über hohen Blutdruck oder Nackenschmerzen klagt, wissen sie dann keinen Ausweg.

Die zweite Regel, die von allen Yogalehrern befolgt werden sollte, ist, den Körper zu verstehen, den Körper zu fühlen, den Körper zu erfahren. Ein Yogalehrer sollte die Fähigkeit besitzen, sich in den Körper eines anderen Menschen hineinzufühlen. Er sitzt vielleicht ruhig da, aber gedanklich führt er die Asanas im Körper des Schülers aus und er erfährt die gleiche Steifheit oder Flexibilität, die der Schüler erlebt. Das ist ein sehr wichtiger Punkt, wenn man gut unterrichten will.

Der dritte und vorerst letzte Aspekt für einen guten Yogalehrer ist folgender: Er muss die Bedürfnisse, Beweggründe, die Stärken und Grenzen jedes einzelnen Schülers kennen. Ohne ein tief greifendes Verstehen von dem, warum ein Schüler Yoga lernen will, welche Stärken und Schwächen er hat, ist es unmöglich, Yoga zu unterrichten. Wenn dieses Einfühlungsvermögen nicht vorhanden ist, bleibt der Yogaunterricht ein rein mechanischer Vorgang. Ist es jedoch da, entsteht eine zwischenmenschliche Beziehung. Mehr zum Lehren von Yoga bleibt vorerst noch ungesagt.

(Aus: YOGA Nr. 43) - Satsang mit Swami Niranjan


Der richtige Yogalehrer

Wie wähle ich einen Yogalehrer?

Yoga kann man nicht so einfach lernen wie Biologie, Botanik oder Chemie. Yoga ist eine Wissenschaft, die nicht nur des Wissens willen gelernt werden sollte, sondern darüber hinaus, um den positiven Einfluss auf den Körper und auf das Bewusstsein auszuweiten. Deshalb ist es so wichtig, einen qualifizierten Lehrer zu finden, von dem wir Yoga lernen können. Eine der wichtigsten Qualifikationen eines Yogalehrers ist es, ein ausgewogenes Gemüt und eine harmonische Persönlichkeit zu besitzen. Wenn er ruhelos, unsicher und unbeständig ist und sich in Lebensstürmen und emotionalem Aufruhr verstricken lässt, dann kann er höchstens Tutor sein.

Es gibt überall auf der Welt Tausende von Lehrern, Professoren, Rednern und Tutoren, die Yoga verbreiten. Neben dem Wissen, das diese Lehrer vermitteln, sollten sie ebenfalls ihre persönliche Schwingung, ihre Anziehungskraft und ihre spirituellen Qualitäten weitergeben. Es kann sonst geschehen, dass du in ihrem Unterricht zwar viele Dinge lernst, über die man hinterher diskutieren kann, aber wenn du genau nachdenkst, musst du feststellen, dass du für dein spirituelles Leben, für den Bereich deiner inneren Persönlichkeit nichts gewonnen hast.

Was kann dir ein Yogalehrer geben? Erfahrung und Wissen. Wissen ist auf den menschlichen Intellekt begrenzt. Erfahrung ist das, was es uns ermöglicht, praktisch Gelerntes in uns aufzunehmen. Was nennen wir in Yoga eine Erfahrung? Den Lebenssituationen mit Ruhe, Mut und Verstehen zu begegnen. Das Leben ist kein gerader oder einfacher Weg, es ist ein ununterbrochener Wechsel von Auf und Ab, und zwar auf sozialer, wirtschaftlicher, emotionaler und spiritueller Ebene.

Die wahre Yogalehre oder die Inspiration, die dir ein Yogalehrer geben kann, hat nichts mit Anweisungen und Instruktionen zu tun. Er gibt sie durch seine persönliche Ausstrahlung, was etwas ganz anderes ist, als intellektuelles oder akademisches Wissen. Ein Lehrer mag vielleicht Latein oder Sanskrit, die Bibel, die Veden und den Koran studiert haben, aber das ist nur akademisches Wissen. Ein anderer hat vielleicht nichts von alledem gelernt, kein Latein, Griechisch oder Sanskrit, hat die heiligen Schriften nicht gelesen, und trotzdem ist es möglich, dass er den heiligen Gleichmut besitzt, voller Verstehen und innerer Harmonie ist und aus seiner ganzen Persönlichkeit heraus lebt. Genau das kann er dir weitergeben, und es dies ist das, was wir spirituelle Ausstrahlung nennen.

Wenn du dir einen Yogalehrer wählst, solltest du nicht nach Zeugnissen Ausschau halten. Natürlich sind Zeugnisse manchmal wichtig, wenn du z.B. eine Institution eröffnen willst, aber für einen Schüler sind sie ganz und gar unwichtig. Schau nicht auf Zeugnisse und den Wissensberg, den ein Yogalehrer hat, sondern prüfe, ob die beiden Hirnhemisphären im Einklang sind. Bei den meisten Menschen sind diese beiden Seiten ununterbrochen im Kampf. Was die rechte Seite denkt, verwirft die linke Seite. Was die linke Seite akzeptiert, kritisiert die rechte Seite. Hier liegt der Ursprung von Konflikt im menschlichen Verhalten. Bei einem Yogalehrer sollten diese beiden Kräfte im Kopf harmonisch nebeneinander existieren.

Es gibt ein von den Hindus heiß geliebtes Buch: Die Bhagavad Gita. Lies das zweite Kapitel, Vers 57 bis 73, dann wird die Frage nach den Kriterien für einen Yogalehrer beantwortet sein. Arjuna war Befehlshaber einer Armee und Krishna war sein Wagenlenker. Krishna war eine sehr wichtige Persönlichkeit in unserer Geschichte; er spielte viele hervorragende Rollen, auch die eines Yogalehrers. In Vers 56 fragt ihn Arjuna: "Wie kann man einen Menschen beschreiben, dessen Bewusstsein ohne Schwankung ist, der das weltliche mit dem göttlichen Bewusstsein vereinigt hat? Wie spricht und denkt jemand, der frei ist von einem schwankenden, herumstreunenden Bewusstsein?"

Krishnas Antwort geht bis zu Vers 73. Unter anderem sagt er: "Der Lehrer sollte in der Lage sein, jederzeit entweder nach außen zu gehen oder sich nach innen zu ziehen, wie eine Schildkröte. Dieses Tier ist in der Lage, seine Gliedmaße, wenn nötig, unendlich auszuweiten, und wenn es in Gefahr ist, kann es sich in seinen Panzer zurückziehen. Ebenso solltest du dich im Alltagsleben voll einbringen, aber in dem Moment, wenn Gefahr droht, solltest du dich zurückziehen."

Du weißt doch, dass es die Interaktion zwischen den Sinnen und den Sinnensobjekten ist, die zu Unfällen führt. Trotzdem bist du nicht in der Lage, dich zurückzuziehen. Der Lehrer sollte vollkommene Gewalt über sein Verhalten und seine Sinne haben. Dieses Kapitel der Gita enthält viele wunderschöne Verse, jeder sollte sie studieren. Sie sollte ein Leitfaden für alle sein, die wissen wollen, wie ein Yogalehrer sein sollte. Es ist wichtig, dass Schüler einen Maßstab haben, nach dem sie ihren Yogalehrer aussuchen können.

(Aus: YOGA Nr. 43) - Satsang mit Swami Satyananda Saraswati