Karma Yoga

Yoga als eine Serie von Übungen, die abseits vom normalen sozialen Leben ausgeführt werden, im Unterrichtsraum, im Retreat zusammen mit ‚spirituellen Menschen' - das ist noch immer die Vorstellung von Yoga. Durch das Üben von dieser oder jener Yogatechnik könne man dieses oder jenes Ergebnis erzielen, so stellen wir uns das vor. Dadurch haben wir Yoga zu einem mechanischen Prozess degradiert, der zu nichts anderem als zur Selbstwahrnehmung führt. Streben wir jedoch die Selbstverwirklichung an, dann müssen wir diese begrenzten Vorstellungen verlassen und Yoga Teil unserer natürlichen Ausdruckskraft werden lassen.

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Karma Yoga im Alltag

Üben wir Yoga, um uns gut zu fühlen, dann werden wir uns mit Sicherheit für eine Weile gut fühlen. Üben wir Yoga, um zu entspannen, werden wir uns mit Sicherheit entspannen. Üben wir Yoga, um uns mit unserem Inneren in Verbindung zu bringen, wird auch das möglich sein. Was immer wir auf diese Weise erreichen, ist allerdings nur vorrübergehender Natur. Inmitten der Realitäten des Lebens, wo wir mit Spannungen und Enttäuschungen konfrontiert sind, verschwinden die guten Wirkungen von Yoga schnell. Die wirkliche Erfahrung von Yoga - das müssen wir uns vor Augen führen - ist nur durch Karma Yoga möglich. Wenn wir den Weg der Selbstverwirklichung gehen wollen, gilt es, Karma Yoga in die anderen Yogawege zu integrieren, ob nun Hatha Yoga, Raja Yoga, Kundalini Yoga oder Kriya Yoga.

Manche glauben, dass Karma Yoga nichts für sie sei, dass es nichts weiter sei als harte oder stupide Arbeit. Andere glauben, es ginge in Karma Yoga nur darum, dem Guru, Gott oder der Menschheit zu dienen. Wieder andere glauben, Karma Yoga sei selbstloses Dienen oder selbstloses Handeln. Diese Definitionen geben allerdings nicht die wahre Bedeutung von Karma Yoga wieder. Karma ist ein in sich bestehender Teil unserer Persönlichkeit und unseres Lebens. Karma wurde als Handlung übersetzt oder auch als Ursache und Wirkung. Aber auch das gibt nicht die ganze Bedeutung von Karma. Wir müssen begreifen, dass das ganze Leben nichts als Karma ist. Vermeiden wir Karma, dann leben wir nicht.

Wie die Natur Karma zum Ausdruck bringt

Es sind die Elemente, durch die sich die Natur ausdrückt. Die Hitze des Feuers ist das Karma von Feuer. Die Ausdehnung von Raum ist das Karma von Raum. Die Bewegung des Windes ist das Karma von Luft. Die Fluidität ist die Natur von Wasser, ist das Karma von Wasser. Die Festigkeit und Stabilität sind das Karma von Erde. Wünsche, Erwartungen und Gedanken sind Karmas des Verstandes. Der Ausdruck der Sinne ist das Karma des Körpers. Wir sind in der Tat homogenes, allumfassendes Karma. Die ganze Welt, die ganze Schöpfung ist homogenes Karma.

Karma ist nicht nur Ursache und Wirkung, nicht nur Handlung. Karma ist eine äußerst feine wellenartige Bewegung, die alle Dimensionen der Schöpfung berührt. Karma ist Bewegung von Körper und Geist. Karma ist Bewegung, die den Körper über die Sinne einbezieht und die den Geist über die mentalen Projektionen und Erfahrungen einbezieht. Durch das Üben von Asana verändern wir das Karma des Körpers. Durch das Üben von Pranayama verändern wir das Karma der Vitalität und des Gehirns. Durch das Üben von Meditation verändern wir das Karma des feinstofflichen Geistes. Auf diese Weise arbeiten wir mit den Karmas, die uns in jedem Fall beeinflussen, entweder positiv oder negativ. Karma Yoga ist die Achtsamkeit für die Bewegung im Leben. Nicht harte Arbeit, nicht das Dienen, nicht Ursache und Wirkung sind die eigentliche Bedeutung von Karma. Es ist das Erkennen dessen, wie wir mit uns selbst und unserer Umgebung in engster Verbindung stehen.

Im dritten Kapitel der Bhagavad Gita macht Krishna deutlich, das Karma Yoga von den Menschen niemals richtig verstanden wurde. Das war vor fünf Tausend Jahren, und heute ist es noch immer so. Mit Karma Yoga kommt ein Prozess in Gang, in dessen Verlauf wir die menschliche Natur begreifen und die gesamte Persönlichkeit erkennen. Wir werden Zeuge der Entwicklung vom grobstofflichen zum feinstofflichen bis zum spirituellen Leben.

Achtsam werden mit Karma Yoga

Es gibt fünf Komponenten in Karma Yoga. Die erste davon ist Achtsamkeit. Während der Ausführung von Asana werden wir uns des Körpers bewusst. Die Achtsamkeit wird Teil der Asanaübung und der Körperbewegung. Das Bewegen eines Fingers kann der Anfang sein. Wie sich der Finger bewegt, wie die Muskeln angezogen werden, welche Rolle die Gelenke dabei spielen, diese Erfahrungen machen wir durch Achtsamkeit. Die wachsende Achtsamkeit zerlegt den Finger in Knochen, Muskeln und Nerven. Die Muskeln und Knochen bewegen sich unterschiedlich, die Nerven und Bänder ziehen unterschiedlich und die Achtsamkeit wird immer präziser, immer feiner. Was wir am Anfang beobachtet haben, ist eine Erfahrung, später erkennen wir weit mehr der verschiedenen Komponenten und Formen. Das Ziel von Asana ist es, dessen gewahr zu werden, wie sich der Körper in normalen Lebenssituationen zum Ausdruck bringt. Es ist die Achtsamkeit in der Asanaübung, die zu Wohlbefinden und Stabilität führt.

In den Yoga Sutras beschreibt Patanjali ein Asana als eine Haltung, in der man angenehm und fest ist. In den vergangenen 20 Minuten habt ihr hier gesessen. Fühlt ihr euch fest und angenehm? Einige vielleicht, andere nicht, und diejenigen, die sich im Moment wohl fühlen, werden das nach 10 Minuten wahrscheinlich nicht mehr. Wir sind nicht wirklich mit dem Körper verbunden. Wir sitzen, sind uns jedoch des Sitzens nicht bewusst. Wir gehen, sind uns jedoch des Gehens nicht bewusst. Wir bewegen unseren Körper, sind uns jedoch dieser Bewegungen nicht bewusst. Durch Asana soll dieser Zustand der Festigkeit und des Wohlbefindens erreicht werden. Nur durch die sich ausdehnende Bewusstheit kann Wohlbefinden und Festigkeit erkannt werden.

Die Reaktion beobachten

Die zweite Komponente von Karma Yoga ist mentaler Natur, es ist das Beobachten der inneren Reaktionen und des inneren Verhaltens. Da sagt jemand zu dir: "Du bist wirklich wunderschön, ein großer und wunderbarer Mensch." Ein anderer sagt: "Dich kann man wirklich für nichts gebrauchen - hoffnungslos." Beide Sätze haben eine tiefe Wirkung und lösen eine Reaktion aus. Eine solche Reaktion dominiert nun alle Vorstellungen und Ideen. Der eine Satz hebt die Stimmung an, der andere lässt sie tief sinken. Die ganze Gemütslage verändert sich. Tatsächlich vermag es ein einzelner Satz, die Stimmung zu dominieren. Die erste Komponente von Karma Yoga ist die Bewusstheit, die zweite ist das Beobachten der Reaktion.

Patanjali legt im dritten Sutra dar: "Der Seher errichtet seinen Platz in seiner eigenen Natur." Wer ist dieser Seher, dieser Beobachter? Welche Rolle spielt er? Auf der ersten Stufe erkennt der Seher die Reaktion auf Menschen, Situationen und Umstände. Genau das ist auch ein wichtiges Ziel der Meditation. Durch Meditation werden Veränderungen der Stimmungslage, des Bewusstseins und der Gedanken erfahren und beobachtet. Erst, wenn wir in der Lage sind, die sich zeigenden mentalen Ausdruckskräfte zu erkennen, wird es möglich, sie auch zu lenken und zu führen. Auch Meditation wird zu einem Prozess des Erkennens der mentalen, psychologischen, feinstofflichen, emotionalen oder karmischen Bewegungen.

Immunität entwickeln

Die dritte Komponente liegt darin, Immunität gegenüber den auf uns Einfluss ausübenden Kräften zu entwickeln. Wie ist es möglich, den Situationen oder den Einflusskräften gegenüber immun zu werden? Wir müssen uns aus der selbst-zentrierten Wahrnehmung heraus bewegen, einer Wahrnehmung, in der andere Menschen oder Dinge nicht existieren, in der wir der Mittelpunkt und die einzige Blickrichtung in unserem Leben sind. Sind wir in der Lage, uns über die selbst-zentrierte Wahrnehmung hinaus zu tragen, entsteht automatisch Immunität den Situationen, Ereignissen und Vorstellungen gegenüber.

Mit emotionalen Ausdrucksformen umgehen

Die vierte Komponente von Karma Yoga ist das Lösen von emotionalen Blockaden. Emotionen sind wirklich äußerst glitschig, aalglatt. Anders der Intellekt, mit ihm beschreiten wir einen geraden, linearen Weg. Durch Logik ist es möglich, sich von Punkt A zu Punkt B zu Punkt C zu Punkt D zu bewegen, es ist eine fortlaufende Route, bis zum Ende. Die Logik oder der Intellekt, das ist ein gerader horizontaler Pfad. Nicht jedoch die Emotionen, sie bilden eine schiefe Ebene mit mindestens 45° Gefälle. Es ist schwierig, hinauf zu klettern, und es ist leicht, abzurutschen. Es ist schwierig, eine positive und zufriedene emotionale Identität zu entwickeln, und es geschieht sehr leicht, in negative Emotionen abzusinken. Es wurde uns niemals beigebracht, zu hassen, wütend oder eifersüchtig oder aggressiv zu werden. Diese Gefühle sind einfach aus dem Nichts aufgetaucht. Versuchen wir jedoch, andere zu lehren, wie sie lieben sollen, wie sie mitfühlend und positiv werden können, dann taucht das nicht einfach aus dem Nichts aus. Die Emotionen gleichen wirklich einer schrägen Piste; meistens rutschen wir runter, und das Heraufklettern erfordert große Anstrengung, es ist eine lange Reise.

Sich darüber bewusst zu werden, wie wir mit den emotionalen Ausdruckskräften umgehen, ist die vierte Komponente. Lässt sich die Heiterkeit sowohl im Erfolg als auch in der Niederlage aufrecht erhalten? Wenn das möglich ist, dann spricht das für eine ausgewogene Persönlichkeit. Wir brauchen allerdings Vertrauen, Gewissenhaftigkeit und den Glauben sowohl an uns selbst als auch in eine höhere kosmische Natur, die unser Leben lenkt.

Ein gutes Beispiel ist ein Bauer. Er bringt die Saat aus und beobachtet das Wachstum in der Hoffnung, dass die ausgebrachte Saat nach einiger Zeit eine gute Ernte bringen wird. Das ist aber auch alles, was er tun kann. Nun muss er auf die göttliche Gnade und das richtige Wetter zur richtigen Zeit warten. Es gibt eine Grenze menschlicher Bemühung, danach müssen wir höheren Kräften vertrauen. Ist der Boden nicht gut, nützen die Anstrengungen des Bauern gar nichts, folgt ein wochenlanger Regen, kann der ganze Acker überflutet werden. Bis zu einem gewissen Punkt also ist Selbstvertrauen wichtig, was darüber liegt, erfordert den Glauben und das Vertrauen in eine höhere kosmische Kraft. Dieses ausgewogene Vertrauen nennt man Karma Yoga der Emotionen.

Liebgewordenes loslassen

Die fünfte Komponente von Karma Yoga ist das Aufgeben aller persönlichen Launen, allen Festklammerns an Gewohntem. Das bezeichnet man als Hingabe. Hingabe sollte hier allerdings nicht als philosophischer oder religiöser Begriff verstanden werden, sondern vielmehr als ein Überwinden und Auflösen von Anhaftungen, um frei zu werden. Im Moment des Loslassens von fixen Ideen entsteht Kreativität. Unsere kleinen Launen erlauben es unserer kreativen Natur nicht, sich zu zeigen. Kreativität zeigt sich nicht nur im künstlerischen Ausdruck. Kreativität ist die volle Entfaltung von Gedanken und Gefühlen. Diese Kreativität taucht dann auf, wenn wir uns von Komplexen und Liebgewordenem trennen. Nur so entwickelt sich ganz spontan und natürlich das selbstlose Tun, die nächste Stufe. Selbstlosigkeit kann nur dort existieren, wo es keine Wünsche, kein Verlangen, kein Anhaften und keine Identifikation mit Ereignissen mehr gibt. Normalerweise versuchen wir alle bei der erstbesten Gelegenheit, Wasser in Wein umzuwandeln. Nicht, weil es uns in irgend einer Weise hilft, sondern weil es unserem Ego einen Auftrieb gibt. Die selbstsüchtige Natur ist gewöhnlich vorherrschend. Selbstlos zu werden, ist eine der schwierigsten Aufgaben.

Gott wollte einem Weisen, der sich vielen asketischen Übungen unterworfen hatte, etwas Besonderes schenken. Der Heilige jedoch wünschte sich nichts anderes für sein Leben, als ein einziges Mal Gott zu sehen. Deshalb weigerte er sich, irgend etwas anzunehmen. Also gab Gott das Geschenk von Frieden, Wohlstand und Gesundheit dem Schatten des Weisen. Der Weise wusste nichts von dem Geschenk, aber wo immer er hinkam, herrschte Frieden, Wohlstand und Gesundheit. Das ist ein selbstloser Akt.

Selbstloser Dienst, der selbstlose Akt ist der Höhepunkt von Karma Yoga. Wird Karma Yoga mit den anderen Yoga-Richtungen in Verbindung gesetzt, lässt sich die Bedeutung erkennen. Hatha Yoga ohne Karma Yoga hat keine Bedeutung. Wir sprechen hier über Karma Yoga und nicht über Karma. Mit dem Zusatz von Yoga bedeutet dieser Begriff eine Ausgewogenheit des Lebens, in allen Ausdrucksformen des Körpers und des Geistes mit Gedanken und Emotionen. So sieht das Konzept von Karma Yoga aus - die Wahrnehmung nach innen zu bringen, sich der Besessenheit und der Negativität bewusst zu werden und sich von diesen Kräften zu trennen.

Wir müssen natürlich an einem Punkt beginnen, der fassbar und erkennbar ist. Das trifft zu auf unseren Körper, den wir von Geburt bis zum Tod mit uns tragen. Hatha Yoga und Raja Yoga führen in Verbindung mit Karma Yoga zu einer tieferen Bewusstheit. Wird Bhakti Yoga mit Karma Yoga verbunden, gleichen sich die Emotionen aus. Jnana Yoga und die intellektuelle Kraft führen in Verbindung mit Karma Yoga zu tieferem Wissen, größerer Erkenntnis, besserer Beobachtung und zu Weisheit. Wie bewegt sich ein perfektes Wesen beim Gehen, Essen, Leben, Schlafen? Darüber sollte man sich Gedanken machen. Selbst Kriya Yoga und Kundalini Yoga sind ohne Karma Yoga unvollkommen. Die Erfahrungen, die das Erwachen der feinstofflichen Kräfte, der feinstofflichen Energien und der psychischen Zentren mit sich bringt, müssen sich harmonisieren können, und das geschieht durch das Sichlösen von den negativen und nach unten ziehenden Tendenzen genau dieser Zentren.

Auf welche Weise können wir Karma Yoga verstehen und dieses Wissen in unser Leben einbeziehen? Es geschieht, in dem wir unsere Einstellung und unser Wahrnehmungsvermögen durch die verschiedenen Übungen aus dem Yoga verändern.

Von Swami Niranjanananda Saraswati

Karma Yoga in der Bhagavad Gita

Sich an die Gesetze von Karma Yoga zu halten, ist nicht einfach, aber lohnend. Der Karma Yogi nutzt auf seinem Weg die kleinen einfachen Gegebenheiten. Die Prüfung liegt darin, menschliches Verhalten in den täglichen Problemen zu üben, den ernsthaften und den einfachen. Derjenige, der sich aus der Faszination erfreulicher Ereignisse ebenso lösen kann, wie von den herunterziehenden Wirkungen trauriger Ereignisse, ist ein Karma Yogi im wahrsten Sinne des Wortes, denn er gibt alles, was er hat. Für einen solchen Menschen währt ein Gebet nicht nur einige Minuten, sondern er gibt sein ganzes und volles Leben hin. Für ihn wird das Leben selbst ein ununterbrochenes Gebet. Lass dein Leben ein ständiges Gebet werden, indem du dich dem Karma Yoga hingibst." - Swami Satyananda

Wer unerfreulich Werk nicht scheut
und am erfolgreichen nicht hängt,
verzichtet recht, ist einsichtsvoll,
von Zweifeln frei und weisheitsvoll.

- Bhagavad Gita XVIII:10

Yoga zu praktizieren, und somit können wir durch unsere Handlungen ein höheres Bewusstsein erlangen. Die Bedeutung von Karma Yoga wird von Yoganeulingen oft übersehen. Das regelmäßige Üben von Yogatechniken ist zwar sehr wirkungsvoll, aber wir sollten Yoga den ganzen Tag ausüben. Und das ist möglich durch Karma Yoga. Erst durch Karma Yoga kommen wir in den vollen Genuss der anderen Yogaformen.

Natürlich ist normale Arbeit nicht Karma Yoga. Karma Yoga bedeutet selbstlose, konzentrierte Arbeit, mit vollkommenem Bewusstsein.

Hingebend tu dein Werk und bleib
von Vorteilsucht und Haften frei;
wird Glück, wird Unglück dir zuteil,
geb Yoga dir Gelassenheit!

- Bhagavad Gita II:48

Das Motto von Karma Yoga ist: geben - geben und noch mal geben. Das herrschende Motto in der Welt ist: nehmen - nehmen und noch mehr nehmen. Dieses letztere Verhalten verhindert jedoch einen Fortschritt im spirituellen Leben und ebenso in der Meditation.

Arbeit könnte zu einer Quelle des Glücks werden, wenn man sie als Sprungbrett zur spirituellen Erleuchtung betrachtet. Durch Karma Yoga können alle tief liegenden Eindrücke und Probleme (Samskaras) heraus fließen." (Swami Satyananda)

Es gibt eine Grundregel für Karma Yoga, die äußerst wichtig ist: sei nicht mit deiner Handlung und deren Konsequenzen verhaftet. Dann wird Arbeit zum Spiel, es ist nicht mehr Arbeit. Normalerweise arbeitet man mit einem Motiv, man erwartet Ergebnis oder Belohnung, während man ein Spiel einfach so aus Freude macht. Nicht die Arbeit selber, sondern die Verhaftung macht uns unglücklich und unzufrieden. Arbeit schadet wirklich niemandem - es sind die Erwartungen, der Status, die Belohnung oder Bezahlung usw., was die gedankliche Verwirrung schafft.

Deshalb ist die entscheidende Spielregel bei Karma Yoga: mach deine Arbeit vollkommen, setz all deine Fähigkeiten ein, aber identifiziere dich nicht mit ihr. Verhaftetsein bringt Schmerz und Elend und Spannung; Loslösung bringt Entspannung, Ruhe und Zufriedenheit. Wenn du dieses Loslösen in jeder Lebenssituation verwirklichen kannst, wird dich das auf einen höheren Bewusstseinszustand heben. So sicher, wie die Nacht dem Tage folgt, so wird sich diese Loslösung in eine umfassende Liebe verwandeln; das wird keine egoistische Liebe mehr sein, sondern Liebe aus Mitleid. Dabei ist nicht die äußere Entsagung entscheidend, sondern das innere Loslassen von allen Verhaftungen an Menschen und Dinge.

Die Tat allein bekümmre dich,
nicht ihr Erfolg, nicht ihre Frucht!
Wirk um des Wirkens Willen stets,
und halt dich frei von Müßiggang.

- Bhagavad Gita II:47

Wichtig ist eine positive Einstellung zu Karma Yoga. Zum einen liegt wohl die Spruchgirlande, die die Hitlerschen Konzentrationslager schmückte: "Arbeit macht frei!" sehr tief in unserem kollektiven Unbewussten Ein zutiefst menschenverachtender Missbrauch dieser tief liegenden Wahrheit macht uns sehr misstrauisch diesem Satz gegenüber. Zum anderen war es Karl Marx, der uns mit seinem "Wert der Arbeitskraft" weit weggetragen hat von dem "Wert der Arbeit".

Nur schwer können wir auf Grund dieser tief liegenden Erlebnisse und dem in der Kindheit und Jugend Gelerntem erkennen, dass es tatsächlich die Arbeit ist, die selbstlose, ohne nach den Früchten fragende Arbeit, die frei macht; frei von all den Konzepten und Vorstellungen und Begrenzungen, die ein Weiterschreiten auf dem spirituellen Weg unmöglich machen. Aus den oben genannten Erlebnissen hat sich eine panische, kollektive Angst entwickelt, "ausgenutzt" zu werden. Daher werden Plätze wie ein Ashram, in dem man ohne Belohnung, ohne Anerkennung, ohne Bezahlung arbeiten kann, mit äußerstem Misstrauen betrachtet.

Auf Arbeit habt ihr Anrecht, doch nicht auf deren Früchte. Alles, was auch nur aus dem geringsten selbstsüchtigen Motiv geschieht, schmiedet, statt uns frei zu machen, neue Fesseln um unsere Füße. (Swami Vivekananda - Karma Yoga)

An jedem Platz und am besten mitten in der Welt, viel besser als in der Abgeschiedenheit, können wir Karma Yoga praktizieren. Aber es ist schwer, ohne persönliche Erfahrung ein Verständnis der wundervollen Wirkung von Karma Yoga zu bekommen. Und in einer leistungs- und erfolgsorientierten und egoistischen Welt können wir schwerlich persönliche Erfahrungen machen. Darum gibt es Ashrams.

Im Ashram leben, bedeutet nicht, sich zurückzuziehen. Wer immer das erwartet, wird enttäuscht sein, wenn er z.B. nach Monghyr kommt. Zurzeit ist es eine große Baustelle, vorher lag der alte Ashram zwischen der Hauptbahnlinie und der Hauptstraße. Tag und Nacht ist von der Außenwelt keine Ruhe zu erwarten; aber das macht es zu einem idealen Platz. Wenn man hier seine Yogaübungen intensivieren kann, dann kann man es überall auf der Welt. Es ist ein Platz für Karma Yoga; es ist nicht ein Platz der schläfrigen Ruhe, der Meditation, die höchstwahrscheinlich keine Meditation ist, sondern Schlaf. Es wird den ganzen Tag gearbeitet, manchmal auch nachts, niemand wird für seine Arbeit bezahlt, im Gegenteil, die Gäste bezahlen dafür, dass sie arbeiten dürfen.

Wer aufgibt seiner Taten Frucht,
zum Seelenfrieden findet der.
Doch giert er nach der Tat Erfolg,
versklavt sein Tun in neuem Leid.

- Bhagavad Gita V:12

Es ist wichtig, klarzustellen, dass Karma Yoga nicht in Lethargie und Desinteresse endet. Man glaubt gern, dass nur der Ehrgeiz, die Leistung, die Leidenschaft, die finanzielle Belohnung und andere Motive den Menschen zum Arbeiten antreiben, und dass er ohne diesen Ansporn in völlige Faulheit und Inaktivität versinken würde. Zweifellos ist es fast überall so, dass die Erwartung auf Belohnung (Geld, Name, Ruf, Liebe, Anerkennung, Sicherheit) die Menschen arbeiten lässt. Aber gleichzeitig führt die in dieser Haltung ausgeführte Arbeit zu ununterbrochener Disharmonie in der Welt und im Inneren des Einzelnen.

Ein Mensch jedoch, der nicht von Gedanken an persönlichen Lohn motiviert wird, wird seine Pflicht erkennen und sie t u n. Er wird nicht aufhören mit der Arbeit, weil es keinen Grund gibt, aufzuhören. Für ihn gibt es keine Einteilung in gute oder schlechte Arbeit, in angenehme oder unangenehme. Die christliche Heilige Katharina von Siena drückt das so aus: "dem Tapferen sind Glück und Unglück wie seine rechte und seine linke Hand - er gebraucht sie beide." Swami Vivekananda, der engste Jünger von Ramakrishna schreibt in seinem Buch "Karma Yoga":

"Arbeitet wie der "Meister" und nicht wie der "Sklave"; arbeitet unaufhörlich und verrichtet dennoch nicht Sklavenwerk! Seht ihr denn nicht, wie sie alle arbeiten? Niemand findet dabei die innere Ruhe. Nahezu die gesamte Menschheit plagt sich wie ein Sklave, und das Ergebnis davon ist Not. Denn das alles ist Arbeit aus Eigennutz. Arbeitet aus Freiheit! Arbeitet aus Liebe! Liebe kann dort nicht blühen, wo keine Freiheit ist. Im Sklavenstand ist keine wahre Liebe zur Arbeit möglich.

Wenn ihr einen Sklaven kauft, ihm Ketten anlegt und ihn arbeiten heißt, dann schafft er wohl wie ein Packesel, aber Liebe ist nicht in ihm. Und ebenso wenig kann Liebe in uns sein, wenn wir als Sklaven für die Werte dieser Welt arbeiten, denn unsere Arbeit ist nicht das wahre Schaffen. Selbstsüchtige Arbeit bleibt Sklavenwerk. Doch jede freie Liebestat bringt Glück. Es gibt keine Tat der Liebe, die nicht in dem, der sie tut, Frieden und Seligkeit hervorriefe."

Alle großen Religionen haben auf die Bedeutung von Karma Yoga hingewiesen, aber am Deutlichsten geschieht es sicher durch die Lehren von Krishna an Arjuna in der Bhagavad Gita, der heiligen Schrift der Inder. Es wird angenommen, dass die Bhagavad Gita, "der Gesang des Erhabenen", ca. 200 Jahre vor Christus das erste Mal niedergeschrieben wurde, aber lange vorher schon als abgeschlossenes Werk von Mund zu Mund weitergegeben wurde.

Von Tat-Sucht und von Tat-Frucht frei,
sitzt, Meister seiner selbst, der Geist.
in der neuntorigen Stadt des Leibs,
schaut dem Geschehen gelassen zu.

- Bhagavad Gita V:13

Unsere persönlichen Launen machen es uns unmöglich, Verantwortung auf der Weltbühne zu übernehmen. Wenn wir diese selbstsüchtigen Wünsche überwinden können, wenn wir uns zum Werkzeug machen und nicht der Handelnde sind, dann wird alles, was wir tun, spirituell und perfekt; mit der kleinsten Anstrengung wird jede Arbeit dann vollkommen. Man ist in jeder Situation ausgeglichen und ruhig - denn wie kann ein Werkzeug ärgerlich oder ungehalten oder egoistisch werden? Es sind unsere persönlichen Bedürfnisse und Wünsche und Begierden, es ist unser Ego, was uns in Konflikt mit anderen und unserer Umgebung bringt.

Wenn Menschen sagen, es ist unsere Pflicht, anderen zu helfen, so ist das zwar sehr nobel, aber doch meistens Heuchelei, denn die meisten Menschen helfen anderen, um sich selbst zu helfen; sie helfen für Lob, Anerkennung, Status und viele anderer Erwartungen. Wohltätigkeit ist nicht zwangsläufig selbstlos. Hinter der meisten Wohltätigkeitsarbeit stehen egoistische Motive. Aber je mehr man sich dessen gewahr wird, je mehr lässt das nach. Wenn man mit Karma Yoga beginnt, ist es wichtig, diese egoistischen Motive zu erkennen und sie zu akzeptieren. Allmählich wird das Bewusstsein gereinigt, die Konzentration wird sich erhöhen, und wir werden zufriedener. Karma Yoga ist für unser Glück und unsere spirituelle Entwicklung. Wir sollten also nichts dafür erwarten.

Mache eines aus Ziel und Weg! Tun wir eine
Arbeit, so sollten wir an nichts anderes denken.
Verrichtet sie als Gebet, als höchste Andacht
und weiht ihr eure ganze Lebenskraft.

- Swami Vivekananda - Karma Yoga

Mit Karma Yoga können wir unser Karma tilgen, und das wird uns tiefere Meditationserfahrungen bringen. Aber Karma kann nicht durch Karma getilgt werden, denn jedes Karma hinterlässt einen neuen Eindruck. Um diesen Kreislauf zu durchbrechen, müssen wir Karma Yoga machen und nicht Karma. Karma Yoga ist ein unpersönliches Karma ohne Verhaftung.

Karma ist Arbeit mit absoluter Identifikation und Verhaftung. Aus Karma entstehen Ängste, Neurosen und Unzufriedenheit; Karma laugt einen aus, lässt einen erschöpft sein. Aus Karma Yoga entsteht ausschließlich Zufriedenheit. Es bedeutet selbstlose Hingabe, während Karma immer mit Selbstsucht zu tun hat. In Karma ist alles für mich, und in Karma Yoga ist alles für dich. Durch Karma fügst du neues Karma hinzu und dein Schicksal wird immer schwerer überwindbar. Durch Karma Yoga reinigst du deine ganze Persönlichkeit von Tag zu Tag ein bisschen mehr, bis du vollkommenen Frieden in dir gefunden hast.

Wer nichts verlangt, nicht hasst, nichts giert,
der übt im Tun das Nicht-Tun schon;
wer, wirkend nicht den Sinnen folgt,
bleibt von der Taten Folge frei.

- Bhagavad Gita V:3

(Der Ausdruck Karma stammt von dem Sanskritwort Kri = tun. Alles Tun ist Karma. Es bedeutet auch die Wirkung alles Tuns, deren Ursachen in vergangenen Handlungen zu suchen sind. Dies wird in der Bibel mit den Worten ausgedrückt: Was du säst, das wirst du ernten.)

(Aus: Yoga Heft 48) - von Swami Satyananda

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