Chakra - Kosmische Energiewirbel

Einführung in die Chakras

Wir haben die Vorstellung, dass die so genannte westliche Zivilisation mit Intelligenz zu tun hat, dass die Menschen hier intelligenter sind. Aber das ist sehr fraglich. Die klassischen indischen Schriften deuten auf eine Tiefe und auf ein so fundamentales Verständnis, nach dem wir noch immer suchen. Du hast vielleicht von den Chakras und von Kundalini Yoga gehört. Man kann sie als Reise in den inneren Raum definieren. Die Chakras sind sich drehende Energiewirbel, sie sind Verbindungspunkte zwischen Geist und Körper – in der westlichen Medizin würden wir das die psychosomatischen Punkte nennen.

Die fünf Elemente und deren Zuordnung zu den Chakras

Wenn wir mit Kriya Yoga beginnen, dieser aus dem Tantrasystem kommende Yogaform, die von Swami Satyananda gelehrt wird, erwachen oder reifen diese Chakras. Jedes Chakra wird von einem Element charakterisiert. Die meisten von uns sind vertraut mit den Elementen Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther oder auch Akasha. Wenn man die Verbindung zu den Chakras herstellen will, kann man die fünf Finger einer Hand als Gedächtnisstütze nehmen.

Wenn in der Samkhya Philosophie des alten Indiens über Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther gesprochen wird, ist das nicht die Erde, die du in der Hand halten kannst, oder das Wasser, das du trinken kannst; es sind Begriffe, die für Ewigkeit stehen. In unserer westlichen Wissenschaft haben wir eine Elemententabelle. Wir sprechen über Hydrogen, Nitrogen, Oxygen, Kohlenstoff usw., und es kommen immer weitere dazu. Es sind inzwischen mehr als hundert.

Die Samkhya Klassifizierung brachte alle in Erscheinung tretende Existenz in Verbindung mit fünf Elementen: Erde, das Prinzip der Solidität und Dichte; Wasser, das Prinzip des Flüssigen, z. B. Quecksilber; Feuer, das Prinzip des Glühens, der Hitze, alles was automatisch Wärme erzeugt, kommt in diese Kategorie; Luft, das gasförmige Prinzip, was den Begriff der Bewegung einschließt; und schließlich Äther, was zu dem gehört, was wir in der westlichen Wissenschaft als das gesamte elektromagnetische Spektrum bezeichnen und über dem liegt, was wir mit den untrainierten menschlichen Sinnen aufnehmen können.

Alles, was du fassen, berühren kannst, kannst du in eine dieser ersten vier Kategorien einordnen. Wenn es fest und konkret ist, gehört es zur Erde; ist es flüssig und fließend, gehört es zum Wasser; wenn es leuchtend und Wärme erzeugend ist, gehört es zum Feuer; ist es gasförmig, gehört es zur Luft; und kosmische Strahlung, die wir normalerweise nicht bewusst wahrnehmen, gehört zu Äther. Und diese Kategorisierung zählt für alle Zeiten.

Jeder von uns repräsentiert einen Mikrokosmos, eine Vollkommenheit in sich selbst. Diese Elemente tragen wir in uns. Wenn Swami Satyananda über das Erwecken der Chakras spricht, meint er damit auch die Kontrolle über diese Elemente in uns, das Freilassen von der jeweiligen Kraft, die zu jedem der Zentren eine Verbindung hat.

Die Chakras

In den Veröffentlichungen der Bihar School of Yoga wirst du Abbildungen der Chakras und ihrer Attribute finden. Wenn du auf ein solches Diagramm schaust, so ist es ein gespeichertes Informationssystem. Es ist ein kondensiertes Ablagesystem, wie ein Computerband. Wenn du verstehst, wie du dieses Yantra oder Mandala lesen kannst, dann sprudeln dir die Informationen entgegen.

Mooladhara Chakra

Das Erdelement ist verbunden mit Mooladhara Chakra, Wasser mit Swadhisthana, Feuer mit Manipura, Luft gehört zu Anahat und Akasha oder Äther zu Vishuddhi. Nun magst du fragen: ‚Na und, was hat das Ganze mit mir und dir zu tun, die wir den spirituellen Weg suchen?’ In Satyananda Yoga beginnt das spirituelle Leben mit Kriya Yoga, dem Erwecken der Chakras. Wenn sie erwachen, dann erst lernt der Mensch sein ’Input und sein Output’ zu kontrollieren.

Im alten Indien betrachteten sie den Menschen vollkommen mechanisch, behavioristisch. Sie sahen den Menschen als schwarzen Kasten, wie einige moderne Psychologen. Was ist dieser schwarze Kasten? Eine Schnur geht nach innen, und eine Schnur geht nach außen. Wir können es Stimulus und Erwiderung nennen, und das menschliche Wesen ist der geheimnisvolle schwarze Kasten dazwischen.

Wenn du mich mit einer Nadel stichst – dem Stimulus – springe ich hoch – die Erwiderung. Was zwischendrin passiert, ist der schwarze Kasten. Im Altertum hat man ein System entwickelt, in dem die Chakras mit den ‚Sinneseindrücken’ und den Handlungen als ‚Output’ in Verbindung stehen. Diese Zuweisung ist sehr logisch und einfach, und wir werden hier über die ersten fünf Chakras, die fünf Finger der Hand sprechen.

Der sensorische Weg von Mooladhara Chakra ist das Geruchsorgan, die Nase. Alle Kriyas, die die Nase einbeziehen und den Geruchssinn, tragen automatisch dazu bei, das Erdelement, Mooladhara Chakra zu öffnen. Warum? Der Geruchsinn ist des Menschen primitivster Sinnenweg und hat eine Direktverbindung zum Hirn auf ganz besondere Weise. Der Geruchsinn hängt mit der Ursexualität des menschlichen Wesens zusammen. Parfum ist ein sexuelles Signal, was mit Mooladhara Chakra in Verbindung steht, und wir werden an Freuds berühmten Fall erinnert, wo sich ein Mann mittleren Alters hoffnungslos in das Dienstmädchen seiner Frau verliebt.

Das Mädchen war alles andere als attraktiv und niemand konnte verstehen, warum er sich plötzlich so sehr verliebte. Schließlich entdeckte Freud, dass sie dasselbe Parfum benutzte, wie seine Mutter es hatte. Er hatte sich in Wahrheit in seine Mutter verliebt! Und diese Liebe ist durch Mooladhara Chakra angestoßen worden. Dieses Chakra ist äußerst machtvoll. Parfum, Insence, Geruch, das sind Anregungen für Mooladhara. Und die Beine sind der ‚Output’, der Prozess des Gehens, des Umherwanderns. Wenn du aufrecht stehst, aus dem kindlichen Krabbelzustand heraus bist, dann ist die physische Evolution beendet, und es bleibt nur noch die spirituelle Evolution.

Swadhisthana Chakra

Im Swadhisthana Chakra ist der Geschmackssinn der Sinnenkanal, der Input. Wenn wir schmecken wollen, benutzen wir die Hände, sie sind der motorische Output, durch sie bringen wir Nahrung und Getränke zum Mund. Es gibt eine interessante Verbindung zwischen Geschmacksinn, den sexuellen Körperflüssigkeiten und dem Erwecken von Swadhisthana Chakra. Wie wohl kommen wir zu dem Ausdruck: ‚Sie ist ein Leckerbissen’, oder ‚ich könnte ihn aufessen’?

Das Swadhisthana Chakra kontrolliert das Wasserelement und schon vor 2500 Jahren wusste man, dass man ohne das Wasserelement nicht schmecken kann. Die Geschmacksknospen können ohne das Wasserelement nicht funktionieren. Wenn der Mund trocken ist, deine Augen verbunden und deine Nasenlöcher verstopft sind, kannst du nicht sagen, ob du einen Apfel oder eine Zwiebel isst.

Manipura Chakra

Manipura Chakra, das Nabelzentrum, das Feuerzentrum, ist mit dem Wärmeelement, dem Leuchten und dem Sinneskanal des Sehens verbunden. Ohne Licht können wir nichts sehen. Auch wenn wir uns warm und gemütlich fühlen, ist das Manipura, das uns die Wärme des menschlichen Kontakts gibt. Die Organe des Handelns in Verbindung mit Manipur, der ‚Output’ ist der Anus mit den Ausscheidungsorganen.

Anahat Chakra

Der Sinnenweg für Anahat Chakra, das Herzzentrum ist das Element des Fühlens. Es ist sicherlich das schönste Zentrum in allen Traditionen. Wenn du auf Anahata meditierst, so ist das etwas ganz Besonderes. In Tantra wird das Herzzentrum durch das Fühlen geöffnet. ‚Ich bin berührt’ oder ‚ich bin bewegt’ hat eine tiefe psychologische Bedeutung. Das Element ist die Luft; der Sinneseindruck ist die Berührung und die Handlung nach außen geschieht mittels Fortpflanzung. Dieser Fortpflanzungsakt kann sowohl im Körper als auch im Geist stattfinden.

In Tantra und Kriya erzeugst du mit der Bewegung des Bewusstseins, dem Kreisen deiner Wahrnehmung durch den Körper eine fühlbare Wärme, Kälte, Schmerz, Licht, Druck und tiefen Druck; all diese Empfindungen können willentlich aktiviert werden. Die Bewegung, das Kreisen des Bewusstseins durch den Körper während der Übungen von Kriya Yoga ist ein fühlbares Erlebnis, du erzeugst dir selbst Erlebnisse wie Wärme, Kälte oder Druck. Ebenso in Yoga Nidra berührst du dein Anahat Chakra, während du Gefühle wie Wärme und Kälte, Schmerz und Freude usw. wachrufst; all diese Erfahrungen werden allmählich aktiviert.

Hier im Westen haben wir die Berührung verloren. Wir haben Angst, berührt zu werden, uns auf etwas einzulassen; wir wissen nicht einmal, wie wir uns auf eine Empfindungswahrnehmung ins Blickfeld rücken können. Versuch ein interessantes Experiment mit Anahat Chakra: Berühre den Menschen, der dir gerade am nächsten sitzt und nimm einmal vollkommen neu wahr. Berühr den Ringfinger; streich von unten nach oben, mit Ringfinger und Daumen; dein Nervensystem wird ein völlig neues Erlebnis haben; mach es ganz sanft.

Vishuddhi Chakra

Nun kommen wir zum Hals, zum ‚Vishuddhi Chakra’. Die Sinneswahrnehmung ist das Hören und der motorische Output ist das Sprechen, die Zunge. Das was wir hören und was wir sagen steht miteinander in Verbindung. Wir sagen auch: Er ist taub und stumm. Um sprechen zu können, müssen wir erst hören können; was wir nicht gehört haben, können wir auch nicht sprechen. Wiederum gibt es die Beziehung zwischen Input und Output. Diese Chakras verweisen auf ein In- und Outputsystem, das durch Kriya Yoga erweckt wird und bei Mooladhara beginnt und bei Vishuddhi endet. Viele sehr subtile Dinge kannst du selbst dabei entdecken.

Diese Chakras bewegen sich zwischen den Sinnenwegen und den motorischen Wegen. Nimm ein Beispiel: Dir wird schwindlig, Nebel legt sich vor deine Wahrnehmung; das kann passieren, wenn du zu schnell atmest, und dieses Überatmen gelangt durch den Kreislauf ins Hirn; oder ebenso, wenn du nicht voll genug atmest. Schwindlig werden hat etwas zu tun mit dem Gefühl, im luftleeren Raum zu schweben, im Nebel. Und wenn du das beheben möchtest, wird dir Riechsalz auf die Nase gedrückt – jedenfalls war das früher so –, der Riechsinn wird aktiviert, das Mooladhara Chakra wird berührt. Damit kann man sich wieder ‚erden’.

Die fünf Finger der Hand repräsentieren die Chakras:

  • DaumenMooladhara
  • ZeigefingerSwadhisthana
  • Mittelfinger Manipura
  • RingfingerAnahata
  • kleiner Finger – das feinste Chakra, Vishuddhi

Ich glaube gern daran, dass jeder von uns ein lebendiger Altar ist. Warum haben wir einen Altar? Die Wortwurzel entspringt von der Bedeutung ‚etwas sehr Hohes’. Ein Altar sollte uns in eine hohe Stimmung versetzen, hier sollte sich unser Bewusstsein verändern.

Diese fünf vitalen Punkte solltest du erst einmal wahrnehmen und dann zum Guruzentrum kommen, dem ‚Ajna Chakra’. Hier bringst du Symbole der fünf Elemente dar:

  • Räucherstäbchen, Weihrauch für Mooladhara, den Geruch
  • Früchte für Swadhisthana, das Wasserelement
  • Kerzenlicht für Manipura
  • Tücher für Anahat, das Fühlen
  • eine Glocke für Vishuddhi, das Hören

Vor einem solchen tantrischen Altar kannst du dein Bewusstsein verwandeln.

Nun, letztlich gibt es einen einzigen sicheren Weg, den höchsten Weg, auf dem das Bewusstsein sich wandeln kann. Wenn du eine Seereise machst und entdeckst, dass es auf dem Schiff keinen Kapitän und nur eine kleine Mannschaft gibt, keiner, der genau weiß, was zu tun ist, dann wirst du wahrscheinlich ausflippen, ich jedenfalls würde es. Und wir kennen sicher viele Menschen, die so durchs Leben gehen. Das Wort ‚Guru’ bedeutet Vertreiber der Dunkelheit. Das Leben ohne einen Guru zu leben ist ebenso närrisch, wie eine Seereise ohne Kapitän oder Steuermann zu machen. Es ist nicht sinnvoll, die Dunkelheit zu verfluchen, wenn das Leben düster erscheint. Erhebe dich und entzünde ein Licht! Dieses Licht ist der Guru. Ohne Guru kann nichts wirklich vollendet werden.

Ich bin das Universum und das Universum ist ich.
Feste Erde ist in Mooladhara,
und die Meere wogen in Swadhisthana;
Manipurs Sonne dringt mit Wärme in die Mitte
und erleuchtet den blauen Himmel von Anahata;
Tiefer violetter Raum dreht sich um Vishuddhi,
und alle Wesen sind durch Ajna in Ewigkeit verbunden.
Und aus der Unendlichkeit von Sahasrara
fließt deine grenzenlose Liebe.

(Aus Yogaheft 8) - Von Swami Anandakapila Saraswati - Yoga Magazine January 1977

Was sind Chakras?

In der feinstofflichen Struktur des pranischen Netz­werks hat jedes Nadi eine ganz bestimmte Bahn, und an bestimm­ten Punkten treffen alle Nadis zusammen und bilden Zentren von pranischer und psychischer Energie. Das sind die 'Chakras'. Chakra ist ein Sanskrit­wort und bedeutet Kreis, Rad, etwas rundes, sich drehendes. Es gibt viele Chakras im Körper, aber die bedeutenden unter ihnen bilden einen Kreis um die Wirbel­säule herum, jeweils in der Region der fünf wichtigen Nerven­zentren (andere Namen dafür sind Plexus oder auch Nerven­geflecht). Diese Chakras wirken als Transformatoren, sie empfangen Energie aus höheren Frequenzen, leiten sie auf eine uns erträgliche Frequenz um, und übermitteln sie dann in Körper und Bewusstsein.

Weil sie dem Körper nahe sind und ihre Funktionen mit dem Körper korrespondieren, werden diese Haupt Chakras gern mit den Nervengeflechten oder sogar mit den Drüsengeflechten gleichgesetzt, aber sie sind keines von beiden. Die Chakras wirken auf einer viel subtileren Schwingungsfrequenz, man kann sie nicht sehen, es sei denn, mit Hilfe von sehr sensitiven wissenschaftlichen Appa­raten. Die Chakras mit dem niedrigsten Energiekreislauf vibrieren im Vergleich zu den höheren Chakras in Hals- und Kopfraum sehr viel langsamer. Die Schwingungsrate jedes Chakras wiederum beeinflusst die Nerven-, Drüsen- und Organtätig­keit, mit denen sie verbunden sind; und somit wird natürlich der ganze Organismus beeinflusst.

Fünf, sechs oder sieben Chakras?

Im menschlichen Körper liegen sieben Haupt Chakras entlang der Wirbelsäule und im Kopf. Natürlich gibt es viele Neben Chakras im ganzen Körper, auch die Tiere, Pflanzen und Minerale haben sie. Über dem höchsten Chakra der menschlichen Evolution gibt es Chakras, die ins göttliche Reich gehören.

All diese Chakras funktionieren auf verschiedenen Schwingungsfrequenzen; daher kann man sie als Lichtwirbel wahrnehmen, die Farben variieren nach ihrer jeweiligen Schwingungsrate. Die großen Seher, die Rishis, die diese Chakras in tiefer Meditation wahrnehmen konnten, haben sie mit Lotusblumen in verschiedenen Formen mit unterschiedlicher Anzahl von Blütenblättern verglichen. Deshalb werden sie in yogischen Texten als die Lotusblüten des Körpers bezeichnet.

Das unterste Chakra ist Mooladhara, dann folgt Swadhi­sthana, Manipura, Anahata, Vishuddhi, und zu oberst liegt Ajna. Noch höher kommen wir zu Sahasrara. Mooladhara ist für das Tierreich das, was für uns Sahasrara ist. In Mooladhara liegt die menschliche Ur-Lebenskraft, die in spirituelle Kraft umgewandelt werden kann. An diesem Punkt entspringen Ida, Pingala und Sushumna. Am Ende der Reise treffen sie im Ajna­ Chakra wieder zusammen und fließen gemein­sam zu Sahasrara, was in der Krone des Kopfes liegt.

Ida und Pingala üben keinerlei Einfluss mehr auf Sahas­rara aus; aus diesem Grund betrachtet man es nicht immer als Chakra. In vielen Yogaschriften wird nur von fünf Chakras entlang der Wirbelsäule gesprochen, andere schließen Ajna mit ein; aber nur wenige beziehen Sahasrara mit ein. Moooladhara bis Vishuddhi umschließen die fünf Grundelemente der Schöpfung. Ajna ist allein dem Bewusstsein und der Intuition zugeordnet. In den niederen Zentren ist die Materie dichter und das Bewusstsein schwächer, während in den höheren Zentren das Bewusstsein dominiert, materielles Bewusstsein wird auf dem Wege zu Sahasrara allmählich in reines Bewusstsein umgewandelt.

Das Aktivieren der Chakras

Ein Chakra kann bewusst aktiviert werden, und zwar entweder durch Hineinlenken des Pranaflusses in das Zentrum, oder, indem man sich auf den Platz und die Form konzentriert. In jedem Fall erreicht man mit beiden Methoden das gleiche Ergebnis: Wenn man pranische Energie zum Chakra lenkt, wird man sich des Platzes Bewusst, man macht sich also eine bild­liche Vorstellung und konzentriert sich auf diesen Punkt; wenn man sich auf das Chakra oder auf ein Symbol, dass das Chakra stimuliert, konzentriert, bewegt man damit auch Prana in die Richtung.

Nun, es ist wichtig zu wissen, dass das Erwecken der Chakras und das Erwecken von Kundalini nicht das Gleiche ist. Die Chakras müssen zuerst gereinigt werden, bevor Kunda­lini erweckt werden kann, denn normalerweise sind sie blockiert oder stehen unter sehr niedriger Frequenz. Sie müssen also erst gereinigt, dann aktiviert und dann auf eine höhere Frequenz eingestimmt werden, dann erst kann Kundalini ohne Störung und Schwierigkeit aufsteigen.

In Swara Yoga konzentriert man sich auf die Tattwas (Elemente), um die Chakras zu aktivieren. Durch Analyse des Atems kann man herausfinden, welches Element zur Zeit aktiv ist, das zum Element korrespondierende Chakra also gerade mit Prana versorgt wird. Wenn man also Einsicht in das Element und die Eigenschaft eines Chakra gewinnt, können auch An­zeichen eines Erwachens durch den Atem erkannt werden.

Beschreibung der Chakras

Mooladhara Chakra
Yantra des Mooladhara Chakra

Mooladhara Chakra

Das niedrigste Energiezentrum, Mooladhara, liegt an der Basis der Wirbelsäule, in der Region des Plexus coccygeus (Steißgeflecht). 'Mool' bedeutet Wurzel und 'Adhara' ist der Platz. Alle tie­rischen Urbedürfnisse und Instinkte entstehen hier, und hier beginnt auch die menschliche Evolution. Durch Mooladhara werden die Ausscheidungs- und Fortpflan­zungsorgane, sowie die dort befindlichen Drüsen beeinflusst. Da eine enge Verbindung mit der Nasenhöhle und dem Geruchsinn besteht, kann das Chakra auch von der Nasen­spitze her stimuliert werden.

Symbolisch wird Mooladhara als vierblättriger roter Lotus dargestellt. In der Mitte befindet sich ein von einem Kreis umrundetes gelbes Quadrat als Symbol für das Erdelement. Alle physischen und feinstofflichen Qualitäten des Erdele­mentes manifestieren sich auf der Stufe von Mooladhara. Der Swara Yogi meditiert auf das Yantra des Erdelements, um die inne­wohnende Kraft von Mooladhara zu erwecken.


Swadhistana Chakra
Yantra des Swadhisthana Chakra

Swadhisthana Chakra

Zwei Finger über Mooladhara im Plexus sacralis (Kreuz­geflecht) liegt Swadhisthana. 'Swa' bedeutet Selbst und 'sthana' ist die Heimat. Wenn Bewusstsein und Energie in Swa­dhisthana wirksam werden, wird man sich des Ego und seiner Selbst Bewusst. Swadhisthana ist mit Mooladhara eng verbunden und hat auch Einfluss auf die Fortpflanzungsorgane und die damit zusammenhängenden Drüsen. Das Wort 'Swad' bedeutet Geschmack, und das Schmecken ist eine Sinnesfähigkeit, die mit Swadhisthana in Verbindung steht. Das Schmecken wiederum hängt mit dem Geruchssinn zusammen.

Swadhisthana wird durch einen sechsblättrigen zinnober­roten Lotus symbolisiert, innen befindet sich ein Kreis, auf dessen Grund ein zunehmender Mond zu sehen ist, der das Wasserelement repräsentiert. Über dem Mond liegt ein tiefes, dunkles Meer, darüber monderleuchtete Nacht; dies alles soll das Unterbewusstsein zum Ausdruck bringen. Um die Eigenschaften von Swadhisthana aufsteigen zu lassen, macht der Swara Yogi Trataka auf das Yantra des Wasserelements; das gleiche ist auch möglich mit dem zunehmenden Mond bei Nacht.


Manipura Chakra
Yantra des Manipura Chakra

Manipura Chakra

Hinter dem Nabel im Plexus solaris liegt Manipura Chakra. 'Mani' bedeutet Edelstein und 'Pura' ist die Stadt. Manipura ist die Stadt der Edelsteine. Hier sammeln sich die Nadis und strahlen extrem viel Licht und Wärme aus; yogische Texte sprechen vom Leuchten eines Edelsteines. Manipura enthält das Feuerelement, was auch eine Erklärung für den Begriff 'Verdauungsfeuer' ist.

Mit Manipura hängen die Verdauung und das Absorbieren von Nahrung und Prana zusammen. Es wird als Mittelpunkt zwischen Erde und Himmel bezeichnet. In den unteren Bereichen ist die Wahrnehmung groben Erfahrungen zugeordnet, aber wenn sie einmal Manipura hinter sich gelassen hat, entwickeln sich höhere Ideale. Manipura ist auch der Mittelpunkt vom physischen und pranischen Körper, in den yogischen Texten heißt es, dass Prana und Apana sich hier verbinden. Wir können auch sagen, dass Manipura der Wendepunkt vom Grobstofflichen zum Feinstofflichen ist. Es wird durch einen leuchtendgelben Lotus mit zehn Blütenblättern symbolisiert; innen liegt ein mit der Spitze nach unten zeigendes Dreieck, in dem ein kräftiges Feuer brennt. Das innere Yantra repräsentiert das innewohnende Feuerelement, und während der Swara Yogaübung konzentriert man sich auf diese innere Form.

Aus zwei Gründen ist Manipura für den Swara Yogi sehr wichtig. Zum einen ist es das Zentrum, wo Prana aufbewahrt wird, und zum anderen residiert hier die Göttin Laxmi. In der Shiva Swarodaya heißt es, dass Laxmi den Swara Yogi segnet und beschützt. Sie ist die kreative Kraft von Lord Vishnu, dem Erhalter des Kosmos, und sie ist die Gottheit für Wohlstand, Reichtum und Glück. Laxmi drückt symbolisch das aus, was durch die Aktivierung von Manipura bewirkt wird.


Anahata Chakra
Yantra des Anahata Chakra

Anahata Chakra

Der Plexus cardiacus ist der nächste wichtige Punkt, den wir als Anahata Chakra kennen. 'Ana' bedeutet nicht, und 'ahata' bedeutet anschlagen. Im Herzzentrum befindet sich die nicht von außen verursachte Schwingung des kosmischen Nada. Hier kann der Puls des Universums sowie der Puls des Individuums wahrgenommen werden. Der große tantrische Guru Gorakhnath sagte, dass man durch ununterbrochene Wahrnehmung der 21.600 Atemzüge pro Tag und Nacht diesen Klang, der sich im Herzzentrum offenbart, erkennen kann. Man sagt, dass in Anahata der 'Jivatma', die individuelle Seele wohnt. Wenn du also Prana in Anahata empfängst, kommst du deinem inneren Wesen näher.

Anahata wird durch einen mattblauen Lotus mit zwölf Blütenblättern symbolisiert. Innen befinden sich zwei ineinander geschlungene Dreiecke, eines zeigt nach oben, eines nach unten. Dieses Yantra repräsentiert das Luftelement, und der Swara Yogi konzentriert sich in Trataka auf dieses Yantra, um die pranische Kraft in Anahata zu erkennen und zu aktivieren.


Vishuddhi Chakra
Yantra des Vishuddhi Chakra

Vishuddhi Chakra

Im Plexus cervicalis, dem Halsgeflecht, liegt Vishuddhi. 'Vi' drückt etwas sehr Großes aus, zu dem es keinen Vergleich mehr gibt. 'Shuddhi' bedeutet reinigen. Vishuddhi hindert Gifte daran, in den Kreislauf einzudringen. Es hat einen direkten Einfluss auf den Hals, die Mandeln, auf die Stimmbänder, auf die Schilddrüse und die Nebenschilddrüsen. In den yogischen Texten wird von einer Flüssigkeit gesprochen, die von einem höheren Chakra heruntertropft und in Vishuddhi liegen bleibt. Dort verwandelt sie sich in einen Nektar, der Vitalität und Langlebigkeit hervorbringt. Wenn dieser 'Amrit' jedoch weiter nach unten zu Manipur fällt, wird er dort verbrannt und verursacht dann Krankheit, Alter und Tod.

Vishuddhi erscheint als ein rauchig-violetter Lotus mit sechzehn Blütenblättern. In der Mitte ist ein weißer Bindu (Punkt), so wie der volle Mond, und dies deutet auf die Qualitäten in Vishuddhi und auf das Ätherelement. Es ist auch das Symbol für den Zustand eines reinen Bewusstseins, und wenn Vishuddhi aktiviert wird, wirkt Prana auf einer hohen Schwingungsebene. Vishuddhi gilt als das 'Große Tor zur Erlösung', und der Swara Yogi macht Trataka auf das Yantra des Ätherelements, um diese Kräfte zu erwecken und die Tore zu öffnen.


Ajna Chakra
Yantra des Ajna Chakra

Ajna Chakra

Ajna Chakra ist außerordentlich wichtig, sowohl in Tantra als auch in Swara Yoga. Es befindet sich an der Spitze der Wirbelsäule in der Höhe der Medulla Oblongata (verlängertes Mark). Dieses Zentrum hängt mit der Zirbeldrüse zusammen, und wird auch das Guruzentrum oder das Befehlszentrum genannt, denn von Ajna wird die Intuition in die niedrigeren Zentren und ins Bewusstsein übermittelt. So wird Ajna auch als das dritte Auge bezeichnet, das Auge der Intuition, der Vermittler zwischen kosmischem Bewusstsein, dem Guru und dem Ego, dem Jivata; ein Transformator, um die Eigenschaften eines höher entwickelten Gehirnbereiches mit den instinktiven Hirnfunktionen zu verbinden.

Ida und Pingala treffen mit Sushumna im Ajna Chakra zusammen. Deshalb heißt es auch, dass es ab hier keine Dualität mehr gibt; daher kommt der Name Mukta Triveni. In der Hindutradition ist das Zusammenfließen von Ida, Pingala und Sushumna gleichbedeutend mit den drei heiligen Flüssen, Ganga, Yamuna und Saraswati. Ida und Pingala sind die beiden oberirdischen Ströme Ganga und Yamuna. Sushumna liegt tief eingebettet im Rückenmark und ist mit dem unterirdischen Fluss Saraswati identisch. Diese drei Flüsse fließen in Prayag in Nordindien zusammen, genauso wie die drei Nadis in Ajna zusammentreffen. Der Platz, wo sie zusammenkommen, ist ein hochgeladenes Energiezentrum, in dem die höheren Kräfte des Menschen wach werden.

Die Bedeutung von Ajna hängt mit der Funktion der Epiphyse zusammen. Sie ist eng mit der Hypophyse verbunden, die das ganze endokrine Drüsensystem in Gang setzt und insbesondere das Wachstum und die Aktivität der Hormondrüsen kontrolliert. Wenn die Epiphyse in Tätigkeit ist, hält sie die Hypophyse in Schach. Aber bei den meisten Menschen degenerieren etwa um das achte Lebensjahr herum viele Teile der Epiphyse. Von nun an ist die Hypophyse voll aktiv und die weltliche Persönlichkeit entwickelt sich. Solange die Epiphyse intakt ist, sind bestimmte Funktionen innerhalb der Hypophyse unter Kontrolle.

Eine gute Zusammenarbeit zwischen diesen beiden Hormondrüsen sieht folgendermaßen aus: die Epiphyse ist der Guru, und die Hypophyse ist der Jünger. Wenn aber die Kontrollfunktion zur Hypophyse übergeht, dann entstehen alle möglichen Probleme - emotionale, mentale, psychische und körperliche. In Swara Yoga weiß man, dass dies korrigiert werden kann, indem Ida und Pingala im Ajnachakra ins Gleichgewicht gebracht werden. Darüber hinaus wird die Epiphyse durch die Mondzyklen (hell/dunkel) beeinflusst, und diesen Zyklen unterliegt auch der Atem; wenn sie jedoch nicht in der richtigen Sequenz sind, weist das darauf hin, dass etwas im Energiekreis zwischen Mooladhara und Ajna gestört ist.

Mit der Epiphyse sind für den Durchschnittsmenschen ungewohnte Wahrnehmungen wie Telepathie, Hellsehen und -hören u.a. verbunden. Diese Fähigkeiten werden in Swara Yoga entwickelt, und eine der wirkungsvollsten Methoden, um die Epiphyse zu stimulieren, ist Trataka. In Trataka konzentriert man sich auf die Tattwa Yantras und auf Chhayopasana, dadurch wird Ajna Chakra stimuliert, obwohl Ajna über dem Einflussbereich der individuellen Tattwas liegt. Hier treten nur noch die feinsten Tattwas in Erscheinung: Mahat, das reine Bewusstsein und Prakriti, die kosmisch kreative Kraft. Die Swara Yogaübungen erfordern eine sehr feine Bewusstseinsstufe, um die Bedeutung und den Einfluss der individuellen Tattwas zu verstehen. Deshalb ist es so wichtig, die Fähigkeiten in Ajna zu entwickeln.


Sahasrara Chakra
Yantra des Sahasrara Chakra

Sahasrara Chakra

In Mooladhara ist der Wohnplatz von Kundalini Shakti, wenn sie aber zu Sahasrara aufsteigt, wo Energie und Bewusstsein eins sind, dämmert die Erleuchtung. Mit dem Einfluss von Ajna steigen nun diese beiden Kräfte wieder herab, so dass wir den Himmel auf Erden erleben. Indem sich dem Yogi das Ziel von Yoga offenbart, erlangt er auch das Ziel von Swara Yoga.

(Aus: YogaHeft Nr. 8)