Was ist Hrani Yoga?

Diesen Yogaweg beschreibt Meister Omraam Mikhael Aivanhov, der 1900 in Bulgarien geboren wurde und heute in Frankreich lebt. Wir stellen in diesem Heft einige Gedanken von ihm vor und stellen es Euch frei, mehr von ihm aus seinen Büchern zu erfahren. Die Auszüge, die wir hier veröffentlichen, sind aus dem Buch 'Yoga und Ernährung', erschienen im Prosveta Verlag.

'Momentan suchen viele Menschen, die durch ihr unruhiges Leben aus dem Gleichgewicht gebracht wurden, Mittel und Wege, um ihre innere Harmonie wiederherzustellen; sie betreiben Yoga, Zen, transzendentale Meditation oder lernen, sich zu entspannen. Ich bestreite nicht, dass dies gute Methoden sind, aber ich habe eine einfachere, viel wirksamere Übung gefunden: essen lernen.

Wenn es einem egal ist, wie man isst, in Lärm, Nervosität, Eile und Diskussionen, was hilft dann das Meditieren oder der Yoga? Sie sind Theater! Warum sehen wir nicht ein, dass wir alle zwei- oder dreimal täglich Gelegenheit haben, eine Übung zur Entspannung, Konzentration und Harmonisierung all unserer Zellen zu machen?

Bemüht euch, in Ruhe und Stille zu essen (nicht nur zu schweigen, sondern auch ohne Lärm mit dem Besteck zu machen), jeden Bissen lange zu kauen, von Zeit zu Zeit einige tiefe Atemzüge zu machen und euch vor allem auf die Nahrung zu konzentrieren und dem Himmel für all diesen Reichtum zu danken ...

Gewiss, es ist nicht leicht, während der Mahlzeiten ruhig zu sein, um sich ausschließlich auf die Nahrung zu konzentrieren.. Und wenn es einem gelingt, äußerlich ruhig zu sein und seine Gesten zu beherrschen, dann macht man innerlich Lärm.. Oder wenn es einem gelingt, sich innerlich zu beruhigen, schweifen die Gedanken ab. Deshalb sage ich euch, dass die Ernährung ein Yoga ist, denn richtiges Essen erfordert Aufmerksamkeit, Konzentration und Selbstbeherrschung ...

In Zukunft wird die Ernährung als einer der besten existierenden Yoga gelten, obwohl er noch nie irgendwo erwähnt wurde. Alle anderen Yogas: Raja, Karma, Hatha, Jnana, Kriya, Agni Yoga sind wunderbar, aber man braucht Jahre, um ein kleines Resultat zu erzielen. Während sich mit Hrani Yoga (Hrani heisst im Bulgarischen 'Nahrung') die Ergebnisse schnell einstellen. Dies ist der einfachste und am leichtesten zugängliche Yoga. Er wird von allen Geschöpfen ohne Ausnahme - jedoch unbewusst - praktiziert. Die ganze Alchimie und Magie sind in diesem meist unbekannten und bis zum heutigen Tag am wenigsten verstandenen Yoga enthalten.

Alle sind gezwungen, Nahrung zu sich zu nehmen. Man mag keine Zeit zum Beten, Lesen oder Meditieren haben, einverstanden, aber trotzdem ist man gezwungen, der Ernährung wenigstens einige Minuten zu opfern. Warum nutzt ihr also diese Zeit nicht aus, um euch zu vervollkommnen?

Der Mensch besitzt nicht nur einen physischen, sondern noch andere, viel feinere Körper, die Sitz seiner psychischen und spirituellen Fähigkeiten sind.. Er weiß ungefähr, was er seinem physischen Körper geben muss, aber er ist unfähig, seine anderen Körper zu ernähren: den Ätherleib (oder Vitalkörper), den Astralleib (Sitz der Gefühle und Empfindungen), den Mentalleib (Sitz des Intellekts) und noch viel weniger die anderen höheren Körper.

Wenn ich euch empfehle, die Nahrung gut zu kauen, so bezieht sich dies hauptsächlich auf den physischen Körper. Für den Ätherleib muss man die Atmung hinzufügen, denn tiefe Atemzüge während der Mahlzeit fördern die Verbrennung. Ihr solltet also beim Essen von Zeit zu Zeit innehalten und tief atmen, damit der Ätherleib durch diese Verbrennung der Nahrung die feineren Teilchen entnehmen kann. Da der Ätherleib Träger der Vitalität, des Gedächtnisses und der Empfindsamkeit ist, werdet ihr von seiner guten Entwicklung profitieren.

Der Astralleib nährt sich von Gefühlen und Empfindungen. Also von Elementen, die noch feinstofflicher sind als die ätherischen Teilchen. Indem ihr euch der Nahrung einige Augenblicke in Liebe zuwendet, bereitet ihr euren Astralleib vor, ihr noch wertvollere Teilchen als die ätherischen Substanzen zu entnehmen. Wenn der Astralleib diese Elemente aufgenommen hat, kann er die höchsten und erhabensten Empfindungen vermitteln: die Liebe zur ganzen Welt, das Gefühl glücklich zu sein, im Frieden und in Harmonie mit der Natur zu leben.

Übergewicht

(Diesen Artikel sollten nicht nur die Übergewichtigen lesen, nein, er geht uns alle an, ob nun dick oder dünn. Auch die Mageren haben meistens die gleichen ursächlichen Probleme. Im Yogaunterricht stelle ich oft fest, dass dünne Menschen oft noch unbeweglichere Körper haben, als die dickeren. Wie ist das möglich? Steife Gelenke und Glieder sind Ausdruck von tiefen Verspannungen und Ängsten! Anmerkung von Swami Prakashananda.)

Abnehmen ist nicht das Ziel von Yoga, aber Yoga ist bekannt dafür, dass es einen wirkungsvollen, beständigen Weg bietet, Gewichtsprobleme in den Griff zu bekommen. Dies ist weder das Ergebnis irgendeiner speziellen Diät, noch fieberhafter Übungen. Yoga bietet die passende 'Diät' im original griechischen Sinn: Richtig zu leben. Durch Yoga harmonisieren wir unsere Lebenseinstellung, die dann unseren Bedürfnissen und unserer Natur entspricht. Yoga richtet das Augenmerk überhaupt nicht auf Fett und nicht nur auf deinen Körper, sondern auf dich als ganze Person und bietet praktische Techniken, die dich nicht nur von Fettpölsterchen ohne den Zwang dauernder Diät befreien, sondern deine Gesundheit und Harmonie in allen Lebensbereichen entfalten.

Yoga Therapie

Der erste Schritt ist, täglich Zeit für ein vollständiges Sadhana freizuhalten: Alles andere kommt von selbst.

Asana

Viele glauben, um Gewicht zu verlieren, müsse man unbedingt keuchen und schwitzen - Asanas scheinen zu einfach! Wahrscheinlich wirst du anfangs bei den Asanas schwitzen, aber dies ist nicht die Hauptsache. Medizinische Untersuchungen zeigen, dass Asanas den Cholesterin- und Fettspiegel im Blut senken, so dass sich die inneren Körperfunktionen harmonisieren können.

Besonders bei Frauen hängt Übergewicht sehr oft mit einer Unausgewogenheit der Hormone im Fortpflanzungssystem zusammen. Eine schlecht arbeitende Schilddrüse kann ebenfalls ein ausschlaggebender Faktor sein. Asanas stärken nicht nur schlappe Muskeln, sie wirken auf tiefere Körpersysteme ein und korrigieren ein hormonales Ungleichgewicht und massieren die inneren Organe. Gewichtsverlust wird gleichmäßig verteilt, und der Körper wird rundherum erneuert.

Wichtiger noch, die richtige Durchführung der Asanas lässt uns eher unsere innere Stimme wahrnehmen, die uns zur völligen Gesundung führt. Der Körper hat seinen eigenen Verstand, und durch Asanas lernen wir auf die vielen kleinen Zeichen und feinen Botschaften vom Körper zu achten. Wir lernen, was, wann und wieviel wir essen sollen, wann wir arbeitsfähig und wann wir erholungsbefürftig sind, und so viele Dinge, die uns unsere Gesundheit und Lebenskraft erhalten. Wenn du durch Yoga lernst, auf diese innere Stimme zu hören, wirst du oft überrascht sein, dass es nicht die Nahrung ist, die dir fehlt: Vielleicht brauchst du Schlaf, Entspannung, einen Spaziergang. Essen als Ersatz dafür würde dich nicht befriedigen - nur dein Gewicht erhöhen.

Asanas erschöpfen deine Energie nicht wie andere Arten von Übungen und Sport, sondern im Gegenteil, sie bewahren und erhöhen die Energie, die man braucht, Trägheit und Antriebslosigkeit, bedingt durch Übergewicht, zu überwinden.

Anfangs sollten dynamische Asanas gemacht werden, wie Tyrika Tadasana, Surya Namaskara, Kati Chakrasana und einfache klassische Haltungen wie Vajrasana, Supta Vajrasana, Pranamasana oder Bhumi Sirshasana. Später kann das Asana Programm zugunsten Pranayama gekürzt werden, besonders Bhastrika und Nadi Shodan. (Frage deinen Yogalehrer nach einem persönlichen Übungsprogramm und einer Erklärung der hier angegebenen Asanas.)

Shatkarmas

Um leichter Übergewicht loszuwerden, müssen die Asanas von dem gut gelernten und richtig ausgeführten Kunjal Kriya - im Wechsel mit Laghoo Shankaprakshalana - ergänzt werden. Die innere Uhr für alle Körperfunktionen wird umso langsamer und unrhythmischer, je mehr sich das Gewicht erhöht bzw. zu hoch bleibt. Shatkarmas verstärken die Wirkungen der Asanas und verbessern diesen trägen Stoffwechsel.

Laghoo Shankprakshalana verringert rasch den Blutzucker, woraufhin der Körper eigene Fettreserven abbaut, um den Blutzuckerspiegel zu normalisieren. Außerdem wird dabei die Leber angeregt, die lebensnotwendig ist, um Fett zu speichern und dieses wiederum in Blutzucker umzuwandeln.

Kunjal Kriya regt das Verdauungssystem an und beseitigt 'Scheinhunger', der durch eine starke Übersäuerung entsteht. Durch Auflösung der Fettzellen werden auch viele darin gelagerte Abfallstoffe und Gifte ins Blut gebracht und ausgeschwemmt. So wird durch diese beiden Kriyas der Körper gereinigt und erleichtert.

Entspannung

Richtige Entspannung mit Yoga Nidra oder tiefer Meditation ist ein wichtiger Teil des Programms. Meistens wird geglaubt, dass zu viel Spannung dünn macht, und dass man, wenn man übergewichtig ist, durch Entspannung nur noch dicker wird. Wenige Menschen reagieren auf Spannung, indem sie weniger essen - aber die meisten, und hier meistens Frauen, werden feststellen, dass sie mehr essen und nicht weniger, um den Stress zu kompensieren.

Sehr oft, wenn wir müde und ungehalten werden, brauchen wir tatsächlich nichts anderes, als etwas Zeit für uns selbst, Zeit der Entspannung. Besonders Frauen, die tagein, tagaus in der Küche stehen, missverstehen dieses Körpersignal oft und deuten es als Ruf nach 'Erfrischung' - nach Nahrungsaufnahme. Aber der Körper braucht in diesem Moment keine Nahrung und wandelt sie nur um in Fett.

Verspannungen verhindern oft, dass wir uns wirklich am Essen erfreuen. Weil die Aufmerksamkeit vom Essen abgelenkt ist, können wir uns nicht auf den Geschmack und Genuss der Nahrung richten - und fühlen uns darum nach einem durchaus ausreichendem Mahl unbefriedigt. Um dies zu überspielen, essen wir mehr - besonders lecker Gebackenes und Süßes, was besonders ansetzt.

Außerdem bringt dauernde Anspannung empfindliche Körpermechanismen durcheinander - was wieder Grund für eine Gewichtszunahme ist. Entspannung ist jetzt nötig, dieses Missverhältnis zur Nahrungsaufnahme zu lösen und verstärkt in uns die genauere Wahrnehmung innerer Winke. In Bezug auf eine umfassende Persönlichkeitsentfaltung ist die Spannungsabnahme sogar wichtiger als die Gewichtsabnahme und zeigt den Weg zum eigentlichen Ziel von Yoga.

Psychische Faktoren von Übergewicht

Übergewicht entsteht im allgemeinen meist durch übermäßige Nahrungsaufnahme und weniger aus anderen Gründen wie Veranlagung, Hormonmangel usw. Fette Leute sind fett, weil sie aus einer Gewohnheit heraus zu viel essen - einer Gewohnheit mit tiefen emotionellen Wurzeln. Zunehmen ist oft eine Reaktion auf Unsicherheit, sexuelle Frustrationen, Angst und Wut. Viele Leute mit starken Gefühlen von Unsicherheit fühlen sich selbst - ihr tieferes Ich - wie eingesperrt in einen hohlen Körper. Sie versuchen, ihre Ängste und die Unsicherheit zu beseitigen, indem sie diesen Hohlraum, dieses Vakuum mit Nahrung füllen.

So fühlen sie sich fester, Fett gibt ihnen ein Gefühl der Identität und der Daseinsberechtigung. Andererseits mag eine übergewichtige Frau ihr Übergewicht als Puffer zwischen sich und der sie behandelnden Umwelt empfinden. Wut, Ärger und Aggression sind für so viele, und besonders für Frauen, unannehmbare Gefühle, die man nicht direkt ausdrücken darf. Aber sie hinterlassen in uns eine Ruhelosigkeit, die uns zum Essen treibt. Und für andere wieder werden Gefühle von Einsamkeit, Verlust und Schmerz für einen Augenblick durch Essen aus ihrem Leben beseitigt - Essen bietet Zuflucht, Geborgenheit, momentanes Vergessen.

Für chronisch Fettleibige ist Essen eine Droge, ein Suchtgift; aber wie bei jeder anderen Sucht fühlt sich der Abhängige enorm schuldig und will es mit Fasten und Diäten kompensieren. Der Ess-Süchtige fühlt sch gespalten, einerseits der 'Gute', der hungert, andrerseits der 'Böse', der frisst. Das Problem dabei ist, dass sich der Süchtige so schuldig fühlt, dass ihm nicht ein einziger Bissen wirklich schmeckt, obwohl er isst, bis er platzt. Er nimmt Berge von Nahrung zu sich - aber ohne Freude - und ist darum niemals richtig gesättigt.

Mode-Diäten

Diätvorschriften helfen nicht so einfach - sie können diese tiefen emotionellen Konflikte nicht lösen. Der einzige Weg, innere Befriedigung und Sättigung zu erlangen, die wir im Essen suchen, ist Yoga - nicht zur Gewichtsabnahme, sondern zur Selbsterkenntnis.

Der Esssüchtige hat vom Magen her kein Gefühl mehr für richtigen Hunger. Er isst aus Nervosität, um dem später entstehenden Hunger vorzubeugen und aus Lust am Essen ('Ich bin nicht hungrig, aber mein Mund braucht etwas'). Diätvorschriften verstärken nur diese Gefühle. Du verlierst das natürliche Gefühl für Hunger und die Möglichkeit, ihn zu stillen, weil du einem künstlich aufgebauten Plan und nicht deinen Bedürfnissen entsprechend isst, (z.B. kalorienbewusst). Ergebnis: Du brichst die Diät ab und isst alles, was dir unter die Finger kommt - weil du der Versuchung nicht widerstehen kannst. Das ewige Auf und Ab des Körpergewichts bedingt durch Diäten und Schlemmen bringt auch das Energiegleichgewicht des Körpers (des pranischen und des physischen) durcheinander. Und damit geraten Nerven-, Drüsen- und Enzymfunktionen außer Kontrolle, und schließlich auch die Gehirnfunktionen (das Sättigungszentrum): Wir wissen nicht mehr, wann wir genug haben.

Iss normal!

Du bist nicht über Nacht dick geworden - und wirst auch nicht über Nacht dünn. Was für eine Diät du auch immer wählen willst - es muss eine sein, die du über mehrere Monate einhalten kannst, und die deine Geschmacksknospen wieder öffnet. Mode-Diäten sind meist unausgewogen, wichtige Elemente fehlen, und um diese zu ergänzen, wird der Metabolismus einseitig beansprucht. Einseitige und extrem kalorienarme Diäten haben nur kurzfristige Wirkung und können niemals zu regelmäßigen, gesunden Essgewohnheiten führen.

Nur eine normale, ausgewogene, vielseitige Ernährung aus möglichst naturbelassenen Nahrungsmitteln gewährleistet, dass der Körper alle lebenswichtigen Bestandteile für seine Gesundheit hat. Unverfälschte Nahrungsmittel (volles Getreide, Gemüse und Früchte aus biologischem Anbau) sind reich an Ballaststoffen und sättigen mehr, als alle verfeinerte Nahrung. Faser- und ballaststoffreiche Kost sorgt für eine regelmäßige Verdauung und ist kalorienarm - im Gegensatz zu den verfeinerten Nahrungsmitteln.

Was noch wichtiger ist: eine normale, ausgewogene Nahrung nimmt uns das Gefühl, ständig mit 'Diätvorschriften' zu leben und führt zu gesunden Essgewohnheiten, die ein gesundes Körpergewicht gewährleisten.

Iss, was du gern hast, aber lerne, einfache natur belassene Nahrung gern zu haben. Iss von allem, aber wenig, auch die so genannten 'verbotenen Früchte' wie Schokolade, Süßigkeiten und Kuchen. Der Trick ist, wenig und nicht jeden Tag davon zu essen. Erlaube dir an einem festgelegten Tag in der Woche einen besonderen Genuss, damit du nicht dauernd das Gefühl hast, Diät zu halten. (Nach kurzer Zeit werden diese extra Genüsse immer weniger faszinierend sein, weil du einfachere, gesündere Nahrung lieber haben wirst!) Ein gelegentliches Fest fällt nicht ins 'Gewicht', wohl aber das tägliche Sich gehen lassen. Hältst du dich an eine ausgewogene Ernährung, so wirst du feststellen, dass du weniger isst - und mehr Freude hast.

Hilfreiche Angewohnheiten

  • Trinke viel Wasser zwischen den Mahlzeiten.
  • Beginne die Mahlzeiten mit Salat oder Suppe.
  • Iss viel Gemüse.
  • Vermeide den kleinen Extrastich Butter oder die Sahne zur Verfeinerung der Speisen. Reduziere Gebratenes und iss nicht täglich Süßes. Gewöhne dir an, Säfte, Tee und Kaffee weniger gesüßt zu trinken.
  • Iss langsam: Vom Moment des ersten Bissens bis zu dem Moment, wo das Sättigungszentrum im Gehirn 'genug' meldet, vergehen etwa 20 Minuten. Wenn du schnell isst, wirst du in 20 Minuten sicher mehr essen, als du brauchst. Isst du aber langsam, kannst du den Geschmack der Speisen wahrnehmen und der Körper hat Zeit, seine richtigen Bedürfnisse abzuschätzen.
  • Sitze vor und nach den Mahlzeiten in Vajrasana. Vor dem Essen gibt es dir die Möglichkeit, ruhig zu werden, mehr den Akt des Essens wahrzunehmen und dein Sankalpa zu sagen. Nach dem Essen unterstützt Vajrasana die Verdauung.

Das 'Timing' ist wichtig

Wenn du wie ein Yogi essen willst, dann lege mehr Wert auf die richtige Zeit und weniger auf eine ausgefallene Diät. Iss täglich zur selben Zeit, die Regelmäßigkeit stabilisiert den Stoffwechsel. Dein Körper wird bald wissen, wie viel Essen er erwarten kann; Körpertemperatur und Aktivität stellen sich automatisch darauf ein, alles aufgenommene Essen zu verbrennen. Du wirst weniger Lust verspüren, zwischen den Mahlzeiten zu essen, weil Körperrhythmus und Hunger schließlich mit den Essenszeiten zusammenfallen werden. Du erkennst dann, dass ein knurrender Magen zwischen den Mahlzeiten nicht von Hunger kommen kann, sondern von Angst, die du mit Entspannung oder Yoga Nidra besser beschwichtigen kannst, als mit dem Plündern des Kühlschranks.

Iss früh am Abend!! In manchen Ländern ist es Sitte, spät am Abend, um 8, 9 oder gar 10 Uhr zu essen. Unser letztes Essen sollte 3 bis 4 Stunden vor dem Schlafen eingenommen werden, so dass es noch verdaut werden kann. Während des Schlafes brauchen wir nicht viel Energie, und das Essen, das wir kurz vor dem Schlafen zu uns nehmen, wird ganz einfach in Fett umgewandelt.

Später am Abend zu essen hat auch schädliche Wirkungen auf den Körper. Während des Schlafes hört die Verdauung nicht komplett auf, sondern die Verdauung geht weiter und vergeudet die Energie, die für Zellerneuerung und -aufbau gebraucht wird. Darum ist dieser Schlaf weniger wirksam und nicht ausreichend, und wir fühlen uns dann am nächsten Morgen matt und schwer. Die Verdauung hört also nicht auf, aber sie verlangsamt sich und ist weniger leistungsfähig. Wenn ein Feuer gut brennt, gibt es wenig oder keinen Rauch. Wenn wir es durch feuchtes Holz oder Luftverringerung hemmen, werden wir im Rauch ersticken. So ist es auch mit dem Verdauungsfeuer: Eine gut funktionierende Verdauung bildet wenig Abfallprodukte. Die Verdauung im Schlaf bildet also mehr 'Rauch' in Form von unerwünschter Säure, Gas, Schleim und Fett. Frühes Essen lässt gut verdauen und gut schlafen! Das Aufstehen morgens ist leichter, weil wir frisch und beschwingt sind.

Ein zeitiges Abendessen bedeutet auch ein frühes Mittagessen! In unseren Ashrams essen die Swamis um 10 und um 17 Uhr; es gibt heiße Getränke um 6.30 und um 13.30 Uhr. So können wir unsere Nahrungsbedürfnisse mit nur 2 Mahlzeiten am Tag befriedigen, ohne dass dazwischen zu viel Zeit zum Hungrigsein ist. Diese Zeiteinteilung fällt auch mit dem Körperrhythmus zusammen: Die zu diesen Zeiten aufgenommene Nahrung kann optimal verwertet werden. Die Energie ist dann da, wenn wir sie am meisten brauchen - tagsüber, zum Arbeiten - und der Körper ist unbeschwert für Sadhana (geistige Übungen) am frühen Morgen und nachts. Wenn du dir diese Zeiteinteilung zu eigen machen kannst, wirst du viel daraus gewinnen und dein Gewicht wird sich über kurze Zeit ganz von selbst normalisieren.

Fühle dich nicht schuldig

Das wichtigste an einer yogischen Lebensweise ist, genauer zu betrachten, was du isst und aufhörst, dir eine Diät aufzuerlegen.

Finde durch genaues Beobachten und Wahrnehmen die Essensmenge heraus, die dich körperlich und deinem Empfinden nach sättigt, und iss genau diese Menge - nicht mehr und nicht weniger. Auch wenn es sehr viel aussieht - iss was du brauchst zur festgelegten Zeit. Und wenn du einmal zuviel isst, dann lass nicht die nächste aus Schuldgefühlen aus; es würde dich nur weiter aus dem Gleichgewicht bringen.

Mit Yoga kommen wir in die glückliche Lage, eine positive Körperwahrnehmung zu erfahren, die uns zum richtigen Selbst-Bewusstsein und Selbst-Vertrauen führt. Du beginnst, dich als normale Person zu sehen - du isst dann wie eine normale Person - ohne Schuldgefühle zu haben.

Das Ziel von Yoga ist es nicht, Übergewicht zu verlieren, sondern geistiges Unwissen und alle Arten von Leiden. Das Ziel von Yoga ist nicht, deinen Körper zu erleichtern, sondern deinen Geist zu erleuchten. Wenn du dir dies immer vor Augen hältst, wird dein Körper keine Bürde mehr sein, sondern reine Freude.

(Aus: YOGA Heft Nr. 13) - Omraam Mikhael Aivanhov