An Guru Poornima berührt der Guru die Herzen all seiner Jünger. Sei bereit; öffne dein Herz und dein Gemüt, um den Segen zu empfangen. Es gibt zwei Lebensumstände, die günstigen und die ungünstigen. Der Tamoguni, der faule, bequeme Mensch wird sich immer die bequemen und angenehmen Situationen suchen. Der Rajoguni, der aktive Mensch wird immer versuchen, ungünstige Situationen in günstige umzuwandeln. Aber der Sattvoguni, der reine Mensch wird in beiden Situationen den heiligen Gleichmut bewahren.

Wir alle wünschen uns Glücklichsein und günstige Bedingungen. Aber die Umstände verändern sich, und zwar nicht so, wie wir das gern haben wollen, sondern nach Gesetzen, die wir nicht unter Kontrolle haben. Der Wunsch, die Situationen nach unseren individuellen Vorstellungen zu verändern, ist Zeichen für die Unfähigkeit, ungünstige Umstände zu tolerieren.

Wenn die Familie mit uns zufrieden ist, sind wir glücklich. Wenn sie nicht einverstanden sind, sich gegen uns stellen, sind wir traurig. So können wir nur unter günstigen Bedingungen Fortschritte machen. In dem Moment, wenn Schwierigkeiten auftauchen, ist unser Weg blockiert. Aber in Wahrheit machen uns die günstigen Umstände sehr schwach; während schwierige Situationen den Geist schärfen und uns stärken. Unglück und Widrigkeiten geben der mentalen Stärke, dem Gleichgewicht und der Stabilität Nahrung. Indem man auf einen Punkt gerichtet ist, haben Veränderungen keine Wirkung. Nur der Fortschritt ist von Dauer, den man dadurch macht, dass man im Widerspruch mit der allgemeinen Meinung steht.

Wenn jemand uns beleidigt, dann ist der erste Impuls, zurückzuschlagen oder das Unangenehme abzuwehren; jeder macht das so. Aber dann gibt es ja keinen Unterschied zwischen mir und der Beleidigung, dem der mich beleidigt?

Wenn Menschen uns anklagen und beschuldigen – was soll's, warum muss uns das irritieren, warum versuchen wir, sie vom Gegenteil zu überzeugen? Wir brauchen nicht einmal darüber zu diskutieren. Was macht es für einen Unterschied, ob Menschen hoch von uns denken oder nicht?

Wenn wir Beleidigung, Beschuldigung und Ablehnung nicht ertragen können, dann mangelt es uns an Toleranz, an Ausdauer und mentalem Gleichgewicht. Wenn wir nicht mal diese kleinen Dinge im Leben aushalten können, wie können wir dann die wirklich großen Hindernisse und Schwierigkeiten überwinden?

Wie wird es uns dann möglich sein, die großen Mauern des Ego, der Lust, des Zorns und Ärgers, der Gier, der Verhaftung und der Wünsche zu übersteigen?

Sei aufmerksam und lausche genau auf die diesjährige Guru-Poornima-Botschaft. Bei jedem Schritt deines Lebens lerne, inneren Frieden zu behalten. Und wenn die ganze Welt dich ablehnt, bleibe innen gleichmütig und ausgeglichen.

Mag sein, dass du dir wünschst, immer an angenehmen und anregenden Plätzen zu sein und immer nur günstige Bedingungen vorzufinden. Aber denke daran, die Zeit und die Situationen verändern sich ohne dein Zutun so, dass du von einem auf den anderen Tag dich in ungünstigen Umständen befinden magst. In dem Moment wirst du erkennen, dass all deine Versuche, dich in bequemer und angenehmer Umgebung aufzuhalten, vergeblich waren; ja da gehört sogar dein spirituelles Sadhana dazu. Setz dir jetzt und hier einen ernsten Vorsatz:

Oh Gott, bring mich in unangenehme Umstände. Gib mir das Geschenk der Beleidigungen und Beschimpfungen. Zwick mein Ego mit Spott, Beleidigung und Scham, so dass ich stark genug werde, um trotz jeder Widrigkeit meine Balance nicht zu verlieren. Ich will so stark sein, dass ich Gleichgewicht und Stabilität und inneren Frieden in jeder nur erdenklichen Lage bewahren kann.

Und wenn du noch immer nach Liebe, Anerkennung und Lob verlangst, dann – von heute ab – verlasse dein Sadhana. Sei ernsthaft in deinem Entschluss, in jeder Beziehung.

Die Last des Wissens ruhte schwer auf ihm. Wie eine Mutter, die sich danach sehnt, ihren Kindern alles zu geben, so fühlte er, dass es seine Bestimmung war, hier anzuhalten und auf seine Jünger zu warten. Aus dieser Vision und dem Erkennen des inneren Ganga entstand der Ashram – Ganga Darshan – wo er in den kommenden Jahren Männer und Frauen darin einweihen würde, das Leben voll und total zu leben. Er wusste, dass sie kommen würden; müde ihrer sozialen Identität, mit dem Wunsch nach Macht und Reichtum und doch von allem übersättigt, innerlich leer – sie würden ihn suchen.

(Aus: Yogaheft 12) - von Swami Satyananda Saraswati